25.02.2021  –  Märkische Oderzeitung

Dramatische Rettungsaktion für die Kirche Greiffenberg

Bei den Bauarbeiten hat die evangelische Kirche eine böse Überraschung erlebt: Der Turm der Kirche Greiffenberg war total marode und einsturzgefährdet.

25. Februar 2021, 05:30 Uhr•Greiffenberg
Von Oliver Schwers

Der Greiffenberger Kirchturm: Die gesamte Fachwerkkonstruktion musste neu gebaut werden. Inzwischen ist die Kupferhaube aufgesetzt. Es folgt nun die Bekrönung.
Der Greiffenberger Kirchturm: Die gesamte Fachwerkkonstruktion musste neu gebaut werden. Inzwischen ist die Kupferhaube aufgesetzt. Es folgt nun die Bekrönung. © Foto: Oliver Voigt

Vollkommen explodiert sind die Kosten für die Sanierung der Kirche in Greiffenberg. Vor allem der hoch auf einem Hügel aufragende Turm, der schon von Weitem von allen Seiten zu sehen ist, hat Bauleuten und Bauverantwortlichen schlaflose Nächte bereitet. Als sie 2018 mit der Planung begannen, ahnten sie nicht im entferntesten, was sich hinter der Verschalung der Holzkonstruktion verbarg. Erst nach und nach kam das gesamte Ausmaß der Bauschäden zutage. Riesige Balken hatten jegliche Standfestigkeit verloren. Bis ganz nach unten waren Bretter, Bohlen, tragende Elemente vollkommen hinüber. Jahrelang eingedrungene Nässe, Schwammbefall und wohl auch Baufehler aus früheren Reparaturen hinterließen ein Desaster.Die evangelische Kirche löste wegen der Kostenexplosion einen Baustopp im Dezember 2020 aus. Der Gesamtsanierungsaufwand ist von ursprünglich 455.000 auf jetzt 831.000 Euro gestiegen. Ohne substanzielle Hilfe der öffentlichen Hand, ohne Spenden und Förderung kann die Kirchengemeinde die Sanierung nicht fortsetzen. Es fehlt einfach das Geld. In der Not hat der Baubeauftragte Jens Radtke vom Kirchenkreis Uckermark die Bauabschnitte am Turm in mehrere Jahresscheiben aufgeteilt. Denn die begonnenen Arbeiten müssen unbedingt abgeschlossen werden. Ansonsten droht der Kirchturm zur Ruine zu werden. Der materielle und immaterielle Schaden wäre sehr hoch, so Radtke.

Stadt Angermünde zahlt 10.000 Euro Soforthilfe

Also werden jetzt Gelder aus allen erdenklichen Quellen angezapft, um den Turm erst einmal so herzustellen, dass er gesichert und eingerüstet stehenbleiben kann, bis die nächsten Finanzierungen kommen. Bis März fließen insgesamt 145.000 Euro von der Kirchengemeinde, von der evangelischen Landeskirche, vom Kirchenkreis, vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und über Spenden.

Pfarrer Uwe Eisentraut aus Angermünde und der Baubeauftragte werden nicht müde, Bittbriefe zu schreiben. Auch die Stadt Angermünde hat sofort reagiert. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 10.000 Euro als außerordentlichen Zuschuss für das ortsbildprägende Denkmal.

Bekrönung wird diese Woche aufgesetzt

Inzwischen ist der Wiederaufbau so weit vorangeschritten, dass in dieser Woche die Bekrönung auf den neu mit Kupfer eingedeckten Turm gesetzt werden kann. Die gesamte Fachwerkkonstruktion haben Bauleute mit neuen Balken errichtet. Auch die Laterne auf dem Turm ist neu. Glockenstuhl und Turmtechnik fehlen noch.

Bei der nächsten Finanzierung hilft sogar der Bund mit, so der Plan. Bei all den Mitteln ist noch nicht einmal mit der Sanierung des Kirchenschiffs begonnen worden. Das soll im Anschluss über eine Förderung des Landes Brandenburg laufen. In jedem Fall muss die Kirchengemeinde immer Eigenanteile bezahlen. Und da wird es äußerst kritisch, denn die Summe steigt und steigt. „Wir können aber nicht warten“, so Pfarrer Uwe Eisentraut. „Die Greiffenberger Kirche ist wichtig fürs kirchliche Leben.“

Pfarrhaus wird an private Interessenten vergeben

Nach reiflicher Überlegung soll nun das gesamte Gelände des seit längerer Zeit leer stehenden Pfarrhauses mit Veranstaltungsscheune und Garten in Erbpacht vergeben werden. Die Kirchengemeinde hofft, dass der Erlös ausreicht, um die Eigenmittel für den Kirchenbau aufzubringen. Auf eine kircheninterne Ausschreibung zur Vergabe an eine diakonische Einrichtung hatte sich niemand gemeldet. Jetzt sind private Käufer am Zuge. Es gibt durchaus Interessenten. Der Gemeindekirchenrat entscheidet in den nächsten Monaten über die Veräußerung. Wenn es nicht noch weitere Überraschungen gibt, dann könnte die Kirche Ende 2023 wiedereingeweiht werden. Es wäre genau zu ihrem 300. Geburtstag.

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