20.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Ein halbes Jahrhundert war sie stumm – nun wird die Kirchenorgel in Bork restauriert

Die Dorfkirche in Bork ist seit längerem saniert, nur die Orgel fehlte noch. Das seit Jahrzehnten verstummte Instrument wird derzeit aufwendig restauriert. Bald wird sie wieder erklingen.

Die Beiden sind ein eingespieltes Team. Axel Bayerl (l.) spielt das Istrument, während Orgelrestaurator Matthias Beckmann die Feinabstimmung an den Pfeifen vornimmt.
Quelle: André Reichel
Bernhard Boseker mit seiner Trompete und der Orgel im Duett: So etwas gab es seit etlichen Jahrzehnten nicht mehr in Bork.
Quelle: André Reichel

Die Dorfkirche in Bork ist ein wahres Schmuckstück, da sind sich die Bewohner und die meisten Auswärtigen gewiss einig. Wohl aus diesem Grund halten dort auch immer wieder Touristen an. Die meisten von ihnen kommen mit dem Fahrrad dort vorbei, denn das Runddorf an der Nordspitze der Kyritzer Seenkette liegt an der Strecke eines Radfernweges. Mit etwas Glück können sie auch einen Blick ins Innere der liebevoll sanierten Kirche werfen. Nur eines fehlte bislang noch – eine Orgel, die funktioniert.

Die Königin aller Instrumente, wie sie ja landläufig genannt wird, war in keinem guten Zustand und aus diesem Grund seit langer Zeit, wahrscheinlich um die 60 Jahre, verstummt. „Es gibt hier im Dorf keinen mehr, der die Orgel je gehört hat“, berichtet Bernhard Bosecker.

Doch seit einigen Wochen sind Restauratoren dabei, dem Instrument Leben einzuhauchen und es wieder zum Klingen zu bringen. Orgelrestaurator Matthias Beckmann und sein Kollege, der Kirchenmusiker Axel Bayerl, beide aus Damm bei Friesack, wurden mit dieser Aufgabe betraut. Sie sind mit ihrer Arbeit auch schon ein gutes Stück vorangekommen, befinden sich sozusagen auf der Zielgeraden. „In spätestens zwei Wochen sind wir hier fertig“, meint Beckmann.

Bosecker,der als Turmbläser von Potsdam bekannte Musiker, ist seit mehr als 30 Jahren in Bork beheimatet. Zur Dorfkirche hat er ein ganz besonderes Verhältnis: Als er 1987 für sich und seine Kollegen einen Probenraum suchte, wurde er in Bork fündig. Die damals schon länger leerstehende, ruinöse Kirche fand seine Aufmerksamkeit. „Man plante damals sogar, ein Feuerwehrdepot aus der Kirche zu machen“, berichtet Bernhard Bosecker. So weit kam es nicht, und er bekam von der Kirche den Zuschlag und kaufte die Kirche.

Eulen nutzten die Borker Orgel als Nistplatz

Das genau gegenüberliegende einstige Küsterhaus und Dorfschule gehören mit zum Ensemble. Die Musiker richteten sich in Bork ein. Zumindest in den Sommermonaten hatten sie damit eine Bleibe und mit der Kirche einen Probenraum. Aufgrund Materialmangels konnten bis zum Ende der DDR nur die nötigsten Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Das war auch dringend notwendig, denn das Dach der Kirche war total undicht und es regnete überall rein.

Entsprechend groß waren die Schäden am Mauerwerk, dem Gebälk und dem hölzernen Gestühl. Eulen hatten sich häuslich eingerichtet und die Orgel als Nistplatz genutzt. Erst nach der politischen Wende machten sich die Musiker, allen voran Bernhard Bosecker, ans Werk. „Wir gaben hier in Bork Konzerte und sammelten Geld“, so Bosecker.

Kirche in Bork 1993 neu eingeweiht

Doch erst ein bewilligter Fördermittelantrag brachte den Durchbruch. „Mit 150 000 Mark konnten wir die Kirche innen und außen wieder denkmalgerecht sanieren lasen“, erzählt der Turmbläser. Schon 1993 wurde das Gotteshaus neu geweiht. Seither finden dort auch wieder Gottesdienste, vor allem aber Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

Nur eines blieb unsaniert – die Orgel. Eine Sache, die Bosecker und die kleine Kirchengemeinde Lellichow-Bork sehr schade fanden.

Orgelbauer Heinze in der Region absolut selten vertreten gewesen

Vor etwa drei Jahren rückte die Orgel erneut in den Fokus. Boseker und der Lellichower Ortsvorsteher Axel Redepenning holten Angebote von Restauratoren ein. Eines überzeugte in allen Belangen und zwar das von der Firma „Orgelbau im Havelland“, dem Orgelbaumeister und Restaurator Matthias Beckmann aus dem Friesacker Ortsteil Damm.

12 000 Euro waren veranschlagt für die Sanierung der Orgel. Diese stammt aus der Hand von Orgelbaumeister Gustav Heinze aus Sorau in Schlesien, im heutigen Polen. Dem Restaurator ist von diesem Orgelbauer in dieser Gegend nur noch eine Orgel im havelländischen Dorf Kleßen bekannt.

Als Beckmann und sein Kollege mit der Restaurierung begannen, mussten sie zunächst alle 175 Pfeifen ausbauen. „Alles war von den Eulen total verdreckt“, berichtet Matthias Beckmann. So wurden alle Pfeifen gereinigt und wieder gangbar gemacht,. Fehlende Pfeifen wurden neu angefertigt. Der Blasebalg wird jetzt mit einem elektrischen Gebläse betrieben. Bis auf wenige Restarbeiten ist das Instrument nun wieder spielbar. Dies soll noch in diesem Jahr, eventuell im September, gebührend gefeiert werden.

Von André Reichel

Märkische Allgemeine Zeitung, 20.07.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Bork im Pressespiegel
Bork: Die Orgel der Dorfkirche erwacht aus dem Dornröschenschlaf 10.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Ein halbes Jahrhundert war sie stumm – nun wird die Kirchenorgel in Bork restauriert 20.07.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Eulenkinderstube im Borker Kirchturm 14.07.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung