28.12.2020  –  Märkische Oderzeitung

Eröffnung des Zehdenicker Klostermuseums auf das Jahr 2022 verschoben

Die Dauerausstellung „Der gestrickte Himmel“ im Kloster Zehdenick sollte eigentlich schon dieses Jahr eröffnet werden. Doch nun wird die Eröffnung um zwei Jahre verschoben.

28. Dezember 2020, 14:44 Uhr•Zehdenick
Von Martin Risken

Hier ist Geduld gefragt: Erst 2022 soll nun die museale Dauerausstellung im Zehdenicker Kloster eröffnet werden. Dann soll dort auch ein Café zum Verweilen einladen.© Foto: Martin Risken

Das Kloster Zehdenick hatte noch vor einem Jahr den ambitionierten Plan, im Sommer dieses Jahres die museale Dauerausstellung „Der gestickte Himmel“ zu eröffnen. Ein Betreiber für die Klosterstube war auch schon gefunden. Doch Corona durchkreuzte diese Pläne, so Stiftsamtfrau Gabriele Pielke.

Fertigstellung für 2021 geplant

„Nun beabsichtigen wir, in 2021 alles fertig zu bekommen und in 2022 zu eröffnen. Das hat den Vorteil, dass alles sehr viel sorgfältiger überdacht und überarbeitet wird“, betont sie. „Soviel steht fest: Es wird auf jeden Fall eine ungewöhnliche und schöne Ausstellung. Die Bewirtschaftung müssen wir nun aber neu planen.“ Und dafür werden noch Interessenten gesucht. Falls jemand bereit ist, im Kloster ein Café zu übernehmen oder dort mitzuarbeiten, sollte sich mit der Stiftsamtfrau in Verbindung setzen. So ist sie unter der E-Mail-Adresse stiftsamtfrau@kloster-zehdenick.de erreichbar.

Im Frühjahr gab es Fördermittel

Im Rahmen der Förderung des Denkmalschutzes des Landkreises Oberhavel hatte das Evangelische Stift Kloster Zehdenick für die Restaurierung der gotischen Gewölberäume und des Kreuzgangs im Nordflügel des Klosters 33.000 Euro im April dieses Jahres erhalten. Diese Hilfe werde es ermöglichen, die gotischen Räume des Klosters fachgerecht untersuchen zu lassen und so zu restaurieren, dass dort eine Dauerausstellung eröffnet werden kann, äußerte sich Gabriele Pielke im Frühjahr noch optimistisch.Ein anderes Projekt konnte dann aber trotz allem noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Der Brandenburger Klosterweg auf der Strecke Himmelpfort-Zehdenick wurde im September mit einem Anpilgern eröffnet. „Seither sind schon manche Pilger in Zehdenick angekommen!“, freut sich Pielke über die gute Resonanz.

Geschichtliche Aufarbeitung des Klosters

Das Evangelische Stift Kloster Zehdenick als Verwalterin kümmert sich aber nicht nur um den Erhalt und die Bewirtschaftung des Ensembles, sondern erforscht auch die Geschichte des Klosters, was zur Veröffentlichung zahlreicher Schriften in den vergangenen Jahren führte, die noch im Aufbau befindlichen Klosterladen erworben werden können. In der aktuellen Ausgabe der „Kirchlichen Nachrichten“ veröffentlichte Gabriele Pielke etwas aus der Entstehungsgeschichte des Klosters Zehdenick um 1252 und zum Einzug der ersten Nonnen.

Neues zur Entstehungsgeschichte entdeckt

Die Zehdenicker Nonnen waren Zisterzienserinnen. Möglicherweise kamen sie aus dem Herrschaftsbereich der Mitstifterin des Klosters, Mechthild von Braunschweig und Lüneburg, und vielleicht aus deren Hauskloster Wienhausen. „Das würde auch die Kunstfertigkeit beim Sticken des Altartuches erklären, denn in der Gegend des heutigen Niedersachsens entstand im Mittelalter eine Vielzahl hochwertigster sakraler Textilien“, so Pielke. Die Stiftamtsfrau widerspricht damit früheren Annahmen, dass die ersten Zehdenicker Nonnen aus dem Kloster Lindow gekommen seien. Doch das sei sehr unwahrscheinlich. Denn der Zeitpunkt der Gründung des Klosters Lindow sei nicht sicher belegt. Möglicherweise entstand es nur sehr kurz vor dem Kloster in Zehdenick. „Eine Entsendung von Nonnen in der Gründungsphase war jedoch unwahrscheinlich. Unklar ist aber auch die Ordenszugehörigkeit der Lindower Nonnen: Ob sie ursprünglich Zisterzienserinnen oder Prämonstratenserinnen waren, ist umstritten.“

Hartes Leben hinter Klostermauern

Das Leben der ersten Nonnen müsse sehr hart gewesen sein, denn sie lebten auf einer Baustelle, in der wahrscheinlich selbst der für die Ernährung notwendige Klostergarten noch nicht urbar gemacht worden war. Das Dormitorium, aus Feldsteinen errichtet, war wohl in seiner Küche mit den beiden im Mittelalter üblichen Arten von Öfen ausgestattet. Das Gebäude war nicht beheizbar, kalt und feucht. Eine Kirche, das wichtigste Gebäude für die Nonnen, war auch fast 40 Jahre später noch nicht errichtet, „wie wir aus dem Ablassbrief des Erzbischofs Erich von Magdeburg von 1287 entnehmen“, schreibt die Stiftsamtfrau.

Abtrennung von der Außenwelt

„Wahrscheinlich war aber die Klausur, also der Klosterhof, schon von einer hohen Feldsteinmauer umgeben. Erst im 14. Jahrhundert sei mit Ziegeln der übrige Baukörper des Nordflügels darum herum gebaut worden. Ähnliches sei für den Westflügel anzunehmen und auch für die südliche Abgrenzung zum Klosterfriedhof: Hinter dem Dominat, zum Friedhof hin, wurde bei Grabungsarbeiten ein Feldsteinfundament entdeckt, welches seine Fortsetzung in der später abgerissenen Feldsteinmauer der Klosterkirche gefunden haben kann. Da die Einhaltung der Klausur, also die strikte Abtrennung von der Außenwelt, gerade in Nonnenklöstern eine herausragend wichtige Rolle spielte, dürfte die Umfriedung der Klausur gleichzeitig mit dem Dormitorium und vor dem Einzug der Nonnen erfolgt sein“, so Pielke.

Teile des Ensembles sind zugänglich

Der Klosterhof und die Ruine des Dormitoriums sind ständig geöffnet. Der Kreuzgang ist von April bis September in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Der historische Friedhof steht im Rahmen von Andachten, Klostergebeten und Führungen Besuchern offen.

Die Streuobstwiese ist verpachtet und wird von Schafen beweidet.

Einen Kräutergarten gibt es seit 2019. In sechs Hochbeeten werden – nach Sachgebieten geordnet – verschiedene Pflanzen gezeigt und beschrieben, die schon im Mittelalter angebaut wurden. Für interessierte Laien, Schulen und Fachleute ist dieser Garten gleichermaßen interessant. red

Märkische Oderzeitung, 28.12.2020
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