14.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Eulenkinderstube im Borker Kirchturm

Schleiereulen brüten im Kirchturm von Bork. Fünf junge Eulen wachsen dort heran. Neuerdings haben die Schleiereulen, die schon seit Jahrzehnten zum Brüten in den Turm kommen, gefiederte Nachbarn. Es sind Turmfalken.

Für die Borker steht ihr Gotteshaus im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt, denn in dem liebevoll sanierten Klinkerbau aus dem Jahre 1909 finden neben den Gottesdiensten auch immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt.

Eine magische Anziehungskraft scheint das im Zentrum des Runddorfes gelegene Gebäude auch auf die Tierwelt auszuüben. So ziehen hoch oben im Kirchturm seit mehr als drei Jahrzehnten regelmäßig Schleiereulen ihren Nachwuchs auf.

Axel Redepenning hat ein wachsames Auge auf die Eulen im Kirchturm. Quelle: André Reichel

„Daran hat sich zum Glück nichts geändert“, sagt Axel Redepenning. Der Ortsvorsteher des Nachbardorfes Lellichow ist er in der Kirchengemeinde Lellichow-Bork aktiv. Gerade sind Spezialisten dabei, die Orgel der Borker Kirche zu restaurieren. Immer, wenn es sein Dienstplan als Polizeibeamter zulässt, schaut er dort vorbei. „Eine Orgelrestauration ist schon eine spannende Sache“, meint Axel Redepening.

Als 1987 der Potsdamer Turmbläser Bernhard Boseker nach Bork kam und sich der halbverfallenen Dorfkirche annahm, waren auch die Turmfalken schon mit von der Partie. Die Hinterlassenschaften der gefiederten Freunde mussten die Orgelrestauratoren unlängst mit viel Mühe aus dem Instrument entfernen.

Der Kirchturm. Quelle: André Reichel

Die Zeiten, in denen die Falken wild im Turm ihre Gelege bauten, sind natürlich längst vorbei. Nach ersten Restaurationsschritten wurde die Kirche 1993 wieder geweiht und die Falken bekamen einen Nistkasten in den Turm gestellt. Von außen ist davon nur ein Loch in einer der Schallluken zu erkennen.

Ab und zu mal schaut Axel Redepenning auch bei den gefiederten Freunden nach dem Rechten. Fünf Junge müssen die Euleneltern dieses Jahr groß ziehen. „So viele Jungtiere hatten die Schleiereulen in den meisten Jahren zuvor auch“, berichtet Axel Redepenning. Vor etwa zwei Wochen hatte der Eulennachwuchs auch schon Besuch. Ein Ornithologenteam kam, um die Vögel zu beringen.

Bald werden die Jungtiere flügge

Bald schon, vielleicht in ein bis zwei Wochen, werden die jungen Schleiereulen flügge sein und in die weite Welt hinaus ziehen. Dann schlägt die Stunde von Axel Redepenning. Zusammen mit Kirchenratsmitglied Michael Seyfarth aus Lellichow wird er dann, wie in den Vorjahren, den Nistkasten gründlich sauber machen und anschließend desinfizieren: „Das ist wichtig, damit auch im nächsten Jahr wieder gesunde Eulen ausfliegen.“

Mit Freude stellten Axel Redepenning und Michael Seyfarth fest, dass auch in diesem Tahr wieder Turmfalken hoch oben im Gotteshaus brüteten. Vor zwei Jahren kamen sie zum ersten Mal. Sie wählten als Nistplatz die Nische eines schmales Fensterchen am Giebel des Kirchenschiffes. Jedoch verschmutzen die Exkremente der Falken das Mauerwerk. „Deshalb bekommen auch sie bald einen Nistkasten“, so Axel Redepenning.

Märkische Allgemeine Zeitung, 14.07.2020
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