25.11.2020  –  Märkische Oderzeitung

Fensterputz im brandgeschädigten größten Gotteshaus von Eberswalde

Die Fenster der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde erstrahlen fast wieder im alten Glanz. Eine Fachfirma hat das Bleiglas von den Folgen des Großbrandes befreit.

25. November 2020, 17:00 Uhr•Eberswalde
Von Sven Klamann

Sanierung der Kirchfenster an der Westseite des Turmes der Maria Magdalenenkirche Eberswalde am 23.11.2020. Hier Andrea Wilde beim Einbau der Fenster
Sanierung der Kirchfenster an der Westseite des Turmes der Maria Magdalenenkirche Eberswalde am 23.11.2020. 30 Meter hohes Gerüst an de Außenfassade
Sanierung der Kirchfenster an der Westseite des Turmes der Maria Magdalenenkirche Eberswalde am 23.11.2020.

Seit dem 2. Dezember vorigen Jahres ist die Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde eine Baustelle. Vor fast einem Jahr war es in der Südempore des zwischen 1285 und 1333 errichteten Gotteshauses zu einem Schwelbrand gekommen, der das komplette Inventar stark beschädigt und verschmutzt hat. Auch die 41 Bleiglasfenster der Kirche waren von einer klebrigen Rußschicht überzogen. Wenigstens dieses Problem ist jetzt erledigt – dank des Einsatzes der Firma Glas-Wilde aus Tangerhütte, Ortsteil von Groß Schwarzlosen, die 50 Kilometer nördlich von Magdeburg zu Hause ist.

Ruß auf Fenstern mit Fettlöser entfernt

Seit August waren Andrea Wilde und ihr Kollege Karsten Wolbach damit beschäftigt, die Fenster wieder durchsichtiger zu machen. Zunächst sei es nur um die Grobreinigung gegangen, sagt die Glasermeisterin, die seit 2003 im Geschäft ist und das Handwerk von ihrem Vater Peter Wilde gelernt hat, der sich bereits 1980 selbstständig gemacht hatte. „Wir haben den Dreck auf dem Glas mit Lappen entfernt, die in Fettlöser getränkt waren“, berichtet Andrea Wilde. Die meisten Fenster sind vor Ort dieser Prozedur unterzogen worden. Dem Putz-Duo kam dabei gelegen, dass das Gotteshaus vom Boden bis unters Dach eingerüstet ist. 

Kirchenfenster in desolatem Zustand

Wer daheim Fenster säubert, weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit das machen kann. Dabei gestaltet sich die gleiche Tätigkeit bei Kirchenfenstern noch einmal ganzes Stück schwieriger. Das liegt nicht nur an der schieren Größe. So gibt es im Hauptraum der Maria-Magdalenen-Kirche Fenster, die bei einer Breite von etwa 1,50 Meter mindestens neun Meter hoch sind. „Vor allem aber sind die Fenster häufig in einem besonders desolaten Zustand und müssen im wahrsten Sinne des Wortes wie rohe Eier behandelt werden“, sagt die Glasermeisterin. So komme es vor, dass durch undichte Stellen Feuchtigkeit eingedrungen sei und der Rost deshalb die Eisenrahmen zerfressen habe. Mit der Zeit bröckele zudem der Kit ab, der Fenster und Rahmen eigentlich zusammenhalten solle.

Vier Fenster mussten in die Werkstatt

Wo immer es erforderlich war, hat das Glasduo schadhafte Stellen gleich an Ort und Stelle ausgebessert. Die drei besonders durch den Kirchenbrand in Mitleidenschaft gezogenen Fenster in der Südempore und ein Fenster auf der Westseite des Turms haben Andrea Wilde und Karsten Wohlbach mit viel Fingerspitzengefühl ausgebaut und in ihrer Werkstatt in Groß Schwarzlose, Sachsen-Anhalt, gereinigt und saniert. „Teilweise mussten wir zu kurz geratene Deckschienen ersetzen, die eigentlich den einzelnen Glasfeldern Stabilität verleihen sollten, aber aus irgendeinem Grund nicht im Mauerwerk verankert waren“, berichtet die Inhaberin der Firma, die deutschlandweit vor allem Kirchenfenster generalüberholt.

Fenster-Patina aus Wetterschicht und Rost

Die in der Werkstatt überarbeiteten Fenster der Maria-Magdalenen-Kirche sind von beiden Seiten besonders gründlich gereinigt worden. Während innen insbesondere der Ruß die Scheiben verschmutzt hatte, waren sie außen von einer Patina bedeckt, die laut Andrea Wilde aus einem Mix aus Wetterschicht und Rost bestand. Der vor der Wende durch Braunkohle-Heizungen allgegenwärtige Smog, die UV-Belastung und die Windlast hätten den Fenstern dauerhaft zugesetzt und dazu beigetragen, dass sie klapprig geworden seien und das Glas seine Brillianz verloren habe. „Wie neu sehen selbst die beidseitig gesäuberten Fenster im Gotteshaus nicht mehr aus“, räumt die Glasermeisterin ein. Doch es sei in Ordnung, dass das Inventar in einem Denkmal Geschichte atme.

Neue Lüftungsflügel erleichtern Fenster-Öffnung

Die meisten Fenster der Maria-Magdalenen-Kirche sind allein von der Innenseite behandelt worden. „Draußen steht ja nicht überall ein Gerüst“, erklärt Andrea Wilde. Dennoch falle wohl jedem Betrachter der Unterschied zu früher, zumal zur Zeit nach dem Brand, ins Auge.Ganz nebenbei sind alle Fenster im größten Eberswalder Gotteshaus mit neuen Lüftungsflügeln versehen worden. Der nahezu wartungsfreie Mechanismus ermögliche es, sie teilweise zu öffnen, indem der damit Beauftragte ganz einfach an einer Strippe ziehe, die bis zum Boden reiche, sagt Karsten Wolbach. „Die bisherigen Lüftungsflügel mussten mühevoll und mit viel Geschick per Stange in Gang gesetzt werden“, berichtet der Mitarbeiter von Glas-Wilde.

Wie die evangelische Stadtkirchengemeinde Eberswaldes größtes Gotteshaus beschreibt

Die Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde ist mit ihrer künstlerisch und historisch wertvollen Ausstattung aufgrund des Brandschadens und der notwendigen Renovierungs- und Reparaturarbeiten voraussichtlich bis Ende 2020 nicht zur Besichtigung freigegeben.

Doch es finden weiterhin Gottesdienste statt – in der Winterperiode überwiegend im Grunmachsaal an der Kirchstraße 6 gegenüber der Kirche und danach in der Johanniskirche am Karl-Marx-Platz.

Die Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde ist die Heimat der Evangelischen Stadtkirchengemeinde, seit mehr als 750 Jahren ein starker geistlicher Kraftort, gebaut zur Feier von Gottesdiensten, zum Gebet und zur heilsamen Stille, ein Juwel voller sehenswerter Kunstschätze, ein Ort, in dem sich die Geschichte der Stadt widerspiegelt, Spielstätte für Konzerte, Festakte, Aufführungen und Zusammenkünfte, Rahmen für viele sehenswerte Ausstellungen, als ältestes und größtes Bauwerk im Stadtzentrum eine Landmarke im Kreis Barnim und eine Station an der Europäischen Route der Backsteingotik.

Märkische Oderzeitung, 25.11.2020
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