08.06.2020  –  Lausitzer Rundschau

Finsterwalder Stadtgespräche – 1000 Euro für die Kanzel in der Trinitatiskirche

Noch etwa drei Wochen wird die Restaurierung vom Altar in der Trinitatiskirche dauern. Wie die Besucher der Finsterwalder Stadtgespräche bei der Finanzierung der Arbeiten helfen.

08. Juni 2020, 11:03 Uhr•Finsterwalde
Von Heike Lehmann

Sebastian Schiller (r.), Organisator der Finsterwalder Stadtgespräche, informiert sich über den Fortgang der Kanzel-Restaurieung in der Trinitatiskirche. Er unterstützt das Projekt mit einer 1000 Euro-Spende aus Erlösen seiner Veranstaltungsreihe, die er an Pfarrer Markus Herrbruck übergibt,
Sebastian Schiller (l.), Organisator der Finsterwalder Stadtgespräche, informiert sich über den Fortgang der Kanzel-Restaurieung in der Trinitatiskirche. Er unterstützt das Projekt mit einer 1000 Euro-Spende aus Erlösen seiner Veranstaltungsreihe, die er an Pfarrer Markus Herrbruck (r.) übergibt, Mitte: Restauratorin Evelin Waldmann.

Noch etwa drei Wochen wird Restauratorin Evelin Waldmann aus Nexdorf an der Kanzel in der Trinitatiskirche Finsterwalde zu tun haben. Seit März entstaubt sie das „kunsthistorisch wertvollste Ausstattungsstück in unserer Kirche“, wie Pfarrer Markus Herrbruck sagt, legt ursprüngliche Farbfassungen frei und ergänzt Fehlstellen, die sich über die Jahrhunderte eingestellt haben. Mit der Restaurierung der Kanzel, ein Werk aus Sandstein von Melchior Kunze aus dem Jahr 1615, wird deren Schönheit wieder hervorgekitzelt.

Chef des Bundespräsidialamtes verzichtet auf Gage

Das merkt dieser Tage sofort auch der Berliner Sebastian Schiller, ein Kenner der Trinitatiskirche. Seit dem Jahr 2000 lädt Sebastian Schiller Prominente aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft zu den „Finsterwalder Stadtgesprächen“ in das einstige Kaufmannshaus „Ad. Bau­er’s Wwe“ in der Kleinen Ringstraße ein. Der 33. Gast war im Oktober 2019 Stephan Steinlein, gebürtiger Finsterwalder und seit 2017 Chef des Bundespräsidialamtes und damit rechte Hand von Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier. Steinlein verzichtet auf eine Gage und ermöglicht damit eine großzügige Spende aus den Erlösen des Veranstaltungsabends. Er ist übrigens erst der Dritte, der sich derart großzügig zeigt, wie Organisator und Gastgeber Sebastian Schiller aus dem Nähkästchen plaudert.

Enge Verbindung der Familie Schiller zur Trinitatiskirche

Die Aufarbeitung der Kanzel kostet etwa 9000 Euro. Aus dem Kunstgutfonds des Kirchenkreises Niederlausitz fließen 3000 Euro in das Projekt, weitere 2500 Euro steuert der Landkreis Elbe-Elster bei. Die verbleibenden Kosten trägt die Trinitatiskirchengemeinde selbst. Da kommt die Spende von den „Finsterwalder Stadtgesprächen“ sehr passend. „Wir haben den Erlös aufgerundet und übergeben 1000 Euro“, sagt Sebastian Schiller. Dass das Geld in die Trinitatiskirche fließt, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Denn dort hat er geheiratet, dort sind seine Söhne getauft und vor zwei Jahren hat er mit seiner Frau dort die Silberhochzeit gefeiert. „Bis auf meinen Vater haben alle aus unserer Familie hier geheiratet.Von der Restauratorin lässt sich Schiller über die Arbeit an der Kanzel unterrichten. Schnell vertiefen sich die beiden mit Pfarrer Markus Herrbruck in Details. Spannend ist, dass selbst der Pfarrer durch die Restaurierung neue Erkenntnisse über die Kanzel gewinnt.

Sebastian Schiller (M.), Organisator der Finsterwalder Stadtgespräche, informiert sich über den Fortgang der Kanzel-Restaurieung in der Trinitatiskirche. Er unterstützt das Projekt mit einer 1000 Euro-Spende aus Erlösen seiner Veranstaltungsreihe, die er an Pfarrer Markus Herrbruck (r.) übergibt, Links: Restauratorin Evelin Waldmann.

Lobende Worte für die Arbeit der Restauratorin findet Sebastian Schiller beim Blick auf die Kanzel: „Die vielen Details kommen jetzt viel eher zum Vorschein. Das Auge bleibt hängen.“

Die „Finsterwalder Stadtgespräche“ sind wie viele andere Kulturveranstaltungen von der Corona-Eindämmungsverordnung betroffen. Die Schauspielerin Esther Esche war als 34. Gast für den 9. Mai angekündigt. Daraus wurde nichts. Stattdessen versucht es Sebastian Schiller wie viele andere Veranstalter online per Livestream. Auftakt war am 9. Mai mit Schriftsteller und Journalist Benjamin Maack. „Am 25. Juli ist der zweite Livestream mit Guido Hammesfahr geplant“, verrät Sebastian Schiller. Im Oktober 2006 hatte Hammesfahr als Fritz Fuchs die Moderation der ZDF-Fernsehserie „Löwenzahn“ übernommen.Die Veranstaltung mit Esther Esche ist vorerst auf den 22. August verlegt. Gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Lausitzer Rundschau, 08.06.2020