02.03.2020  –  Märkische Oderzeitung

Förderverein informiert über Schäden an Pinnower Kirchturm

Klaus Sokol unterrichtete die Mitglieder des Fördervereins über die Arbeit des Vereins und die Schäden am Kirchturm.© Foto: Daria Doer
Mit bloßem Auge zu erkennen sind die zahlreichen kleinen Schäden an den Backsteinen des Turmes.

  Wir haben unser Ziel erreicht. Die Kirche ist beinahe fertig restauriert. Am 20. September feiern wir das mit einem Festgottesdienst und einem Konzert“, eröffnete der Vorsitzende des Fördervereins der Pinnower Kirche, Klaus Sokol, die Mitgliederversammlung am Freitag. Vielleicht ist es eine der letzten Sitzungen, denn „der Förderverein wird sich in dieser Form in spätestens zwei Jahren auflösen“. Ob es dann einen Kulturverein, der vielleicht in Zusammenarbeit mit der Stadt Hohen Neuendorf die Kultursonntage organisiert, geben wird, ließ er offen.

Im Rechenschaftsbericht wurden die Arbeiten des vergangenen Jahres und deren Kosten behandelt. Der Innenraum ist fast fertig, die Empore restauriert, das kleine Vordach gedeckt. In den kommenden Monaten soll die Bemalung der Empore vollendet werden. „Dann ist der Kirchenraum wieder schön, die Akustik ist sowieso sehr gut,“ sagt Sokol.

Aber die Sorgen um den Erhalt der Kirche nehmen damit nicht ab. Denn es steht eine Baumaßnahme an, bei der es um die Sicherheit und nicht um die Schönheit geht. Der Architekt Friedrich August Stüler, der auch die Oranienburger Nikolaikirche entwarf, ließ als Besonderheit in Pinnow den Turm nicht mit Ziegeln decken, sondern aus gelben Birkenwerderer Ziegelsteinen mauern. In den 1990er-Jahren wurde dieser Turmhelm nach den Expertisen von Kirchenbauamt und Denkmalschutz mit Ziegelsteinen aus Glindow und Marwitz neu aufgemauert. Ein Vierteljahrhundert später zeigt sich nun, dass die Einschätzung der Behörden falsch war. Die Steine sind zu hart und der Mörtel zu weich. Feuchtigkeit dringt in den Stein und bei Frost wird er gesprengt. Klinkerbrocken lösen sich und fallen her­unter. Die Stücke können durch die große Fallhöhe ernsthafte Schäden anrichten. Außerdem ist bei besonders starkem Regen schon Wasser eingedrungen und bis zum Fußboden an der Innenwand des Turmes entlanggeflossen.

Dringender Handlungsbedarf

Es besteht also akuter Handlungsbedarf. Wolfgang Thumann, Vorstandsmitglied und Architekt, erklärt im Gespräch die Möglichkeiten: „Zur Schadensbegrenzung könnte man den Turm mit Ziegeln decken. Das würde Frostschäden verhindern, aber das Erscheinungsbild der Kirche verändern.“ Die Denkmalpflege lehne das ab. Eine weitere Möglichkeit ist „Hydrophobierung“. Dabei wird der Turmhelm mit einer wasserabweisenden Lösung getränkt. Es gelangt keine Feuchtigkeit mehr in den Stein. Er bleibt aber atmungsaktiv, das heißt, er kann Feuchtigkeit nach außen abgeben. Der Nachteil dieser Methode: Sie muss regelmäßig wiederholt werden. Aus diesem Grund lehne die Denkmalpflege auch diese Alternative ab.

Bleibt die Abnahme des Turmhelms und eine neue Aufmauerung. Kirchenbauamt und Denkmalpflege befürworten diese Art der Sanierung. Der Kostenvoranschlag liegt bei 280 000 Euro. Weil das Bauwerk Eigentum der Kirchengemeinde Borgsdorf-Pinnow ist, gehört diese Arbeit nicht zu den Aufgaben des Fördervereins. Die Kirchengemeinde muss die Hälfte der Kosten selbst aufbringen, um für die restlichen 140 000 Euro Fördergelder beantragen zu können.

Der Gemeindekirchenrat hat dem Förderverein in einem Brief mitgeteilt, dass ein Antrag für die Turmsanierung beim Kirchenbauamt eingereicht wurde. Der Beginn der Abrissarbeiten ist für 2021 geplant. Wie die Gemeinde das Geld beschaffen will, bleibt offen.

Trotzdem überwiegt Freude und Stolz auf die geleistete Arbeit bei den Mitgliedern des Fördervereins. Schließlich ist die Kirche in den Sommermonaten an jedem Wochenende geöffnet. Regelmäßig werden Ausstellungen gezeigt und einmal im Monat findet ein Konzert oder eine Lesung statt.

Wenn Klaus Sokol drei Wünsche frei hätte, „dann würde ich mir eine Heizung und eine gebrauchte Orgel aus einer profanierten,also entweihten Dorfkirche für den Kirchenraum wünschen. Und schließlich, dass die Kirche auch in der Woche offen sein kann.“

KULTURTAGEIN PINNOW

Die Pinnower Kutursonntage finden immer von April bis September statt.

Eröffnet werden sie in diesem Jahr am 26. April mit einer Ausstellung der Kreisvolkshochschule Oberhavel. Dort entstanden im Kurs „Art Journaling“ Tagebücher mit Bildern, Zeichnungen und Collagen.

Umrahmt wird die Vernissage vom Orchester der Kreismusikschule unter der Leitung von Manfred Schmidt.⇥dad

Märkische Oderzeitung, 02.03.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Borgsdorf-Pinnow im Pressespiegel
Bilder erinnern an Kultursonntage in Pinnower Kirche 03.06.2020 · Märkische Oderzeitung
Förderverein informiert über Schäden an Pinnower Kirchturm 02.03.2020 · Märkische Oderzeitung
Umstrittenes Wohnprojekt neben Kirche in Pinnow soll kommen 20.12.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Borgsdorf/Pinnow – Mit Skalpell und Pinsel 15.04.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Wir gratulieren den Preisträgern unserer Ausschreibung Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2003 27.06.2003
Orgelfeuerwerk in Massens Feldsteinkirche 02.08.2020 · Lausitzer Rundschau
Lenzen: Orgelführung per Diashow in der Kirche 02.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Als Pfarrer den Traumberuf in Temnitz gefunden 02.08.2020 · Märkische Oderzeitung
Was es mit dem neugestalteten Altarraum in Stüdenitz auf sich hat 01.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Jüterboger Glockenturm wird zum Funkturm 31.07.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung