13.01.2021  –  Märkische Oderzeitung

Friedhofsruhe in der Kulturkapelle Stolpe im Corona-Lockdown

Ein Verein saniert die denkmalgeschützte Friedhofskapelle in Stolpe, einem Ortsteil von Angermünde, als Kulturstätte. Durch die Corona-Pandemie kommen die Retter in Finanznot.

13. Januar 2021, 06:30 Uhr•Angermünde
Von Daniela Windolff

Kleinod auf dem Friedhof in Stolpe. Die Kulturkapelle im Angermünder Ortsteil Stolpe wird mit Spenden saniert und für Veranstaltungen wieder nutzbar gemacht. Doch momentan fehlt Geld.
Kleinod auf dem Friedhof in Stolpe. Die Kulturkapelle im Angermünder Ortsteil Stolpe wird mit Spenden saniert und für Veranstaltungen wieder nutzbar gemacht. Doch momentan fehlt Geld. © Foto: Oliver Voigt

Konzerte, Lesungen, Vorträge auf einem Friedhof? In Stolpe, einem Ortsteil von Angermünde, ist das möglich. Hier haben rührige Dorfbewohner eine kühne Idee in die Tat umgesetzt und die kleine, verfallene Friedhofskapelle vor dem Abriss gerettet. Die Kirchengemeinde hatte die baufällige Kapelle längst aufgegeben. Sie stand ungenutzt leer, dem Verfall preisgegeben.

Dorfbewohner gründeten Verein Kulturkapelle Stolpe

Bis einige Stolper Einwohner auf der Suche nach geeigneten Räumen für Trauerfeiern und Kulturveranstaltungen im Dorf dieses kulturhistorische Kleinod auf den Friedhof wiederentdeckten und zu neuem Leben erweckten. Der eigens dafür gegründete Verein Kulturkapelle Stolpe zählt inzwischen 57 Mitglieder und hat das seit 2017 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude mit viel Eigenleistung und Spenden wieder nutzbar gemacht.

Historischer Ort für Trauungen, Taufen, Konzerte, Lesungen oder Kino

Ziel des Vereins ist es, die 1935 von der Stolper Postagentin i. R. Anna Meyer gestiftete Kapelle, die die gesprengte Kirche von Stolpe ersetzen sollte, originalgetreu und denkmalgerecht zu sanieren und für kirchliche und kulturelle Zwecke zu nutzen. Hier können wieder Gottesdienste, Trauerfeiern, Taufen und Trauungen stattfinden, ebenso wie Lesungen, Konzerte, Filmvorführungen oder Ausstellungen. Mit den Veranstaltungen werden Spenden für weitere Sanierungsarbeiten gesammelt. Doch seit der Corona-Pandemie ist das gesamte kulturelle Leben zusammengebrochen.

Ohne Veranstaltungen hat der Verein dramatische Finanzeinbußen

Seit Februar mussten alle geplanten Veranstaltungen abgesagt werden. Damit versiegen auch die Spendenquellen. Für den Verein ist das dramatisch. Die Kapelle muss dringend saniert werden. Schäden am Dach und Feuchtigkeit in den Wänden gefährden das historische Gebäude. Der Keller muss hergerichtet, die Elektroaanlage erneuert und der Innenraum mit wertvoller Wandmalerei renoviert werden, einschließlich des Spruches an der Altarwand. Seit vielen Jahren geht ein Riss mitten durch die Schrift. Hier soll ein Schriftenmaler den Spruch denkmalgerecht in der Originalfarbtönen wieder herstellen.

Über 100.000 Euro Sanierungskosten geplant

2021 soll mit den Arbeiten begonnen werden. Bis Ende Januar werden Angebote eingeholt, im Februar soll die Submission erfolgen, informiert die Vereinsvorsitzende Sigrid Jordan-Nimsch. Rund 104.000 Euro werden dafür insgesamt veranschlagt. Dafür hat der Verein Fördermittel aus dem Leader-Programm der Lokalen Aktionsgruppe Uckermark in Höhe von 84.000 Euro beantragt. Die Eigenmittel über 20.000 Euro muss der Verein aus eigener Kraft aufbringen.

Verein braucht dringend Spenden, um die Eigenmittel aufzubringen

„Wir müssen bei den Baukosten immer in Vorleistung gehen und mussten jetzt deshalb auch einen Kredit aufnehmen. Unser Vorstand und viele Mitglieder spenden auch über ihre Mitgliedsbeiträge hinaus Geld, und wir sprechen gezielt Leute und Betriebe an. Doch uns fehlen die Veranstaltungen, die uns viele Einnahmen durch Spenden sicherten“, sagt Sigrid Jordan-Nimsch. „Wir brauchen dringend Spenden!“

Corona bremst auch 2021 alle Planungen aus

Doch nachdem schon 2020 monatelang Friedhofsruhe in der Kapelle herrschte, kann der Verein auch 2021 nichts Konkretes planen. „Wir haben eine eigene AG Kultur, die tolle Ideen entwickelt, doch Corona bremst uns völlig aus“, beklagt Vereinsmitglied Thomas Uhlmann. So sollte es zum Totensonntag Musik und Lesung als Brücke zwischen Kirche und Kultur geben. Geplant waren Chorkonzerte und Poetry Slam. „Wir sind in der Crux, dass wir als gemeinnütziger Verein nachweisen müssen, dass wir die Kulturkapelle auch tatsächlich kulturell nutzen“, sagt Thomas Uhlmann. „Wir hoffen, dass die kleine Kapelle und unser Kulturprogramm nicht in Vergessenheit geraten.“

Spendenkonto: KulturKapelle Stolpe| e.V., Sparkasse Uckermark, IBAN: DE 64 1705 6060 0101 0193 86; BIC: WELADED1UMP

Märkische Oderzeitung, 13.01.2021