14.05.2019  –  Märkische Oderzeitung

Friedrichswalde – Mit Bike und Gottes Segen

Born to be wild: Im Anschluss an den Gottesdienst setzen sich die Teilnehmer auf ihre Maschinen und cruisen zur großen gemeinsamen Ausfahrt über die Landstraßen. Es ist einer der Höhepunkte des Bikertreffens, das jedes Jahr im 700 Seelen kleinen Dorf stattfindet.© Foto: Kuba Kruszakin

Manchmal reicht es nicht, pünktlich anzukommen: Wer erst zu 14 Uhr die Dorfkirche in Friedrichswalde erreicht, findet schwerlich einen freien Platz. Auch draußen ist das Areal um die Kirche mit hunderten Bikes und Besucherautos beinahe voll belegt. Ein Bike gehört dem einheimischen Motorradfahrer Alexander Beuster. „Hier ist jedes Jahr was los“, erzählt er, „die schöne Stimmung, der Geruch von Benzin und das Dröhnen der Motoren“.

Die Zahl der Gäste lässt sich so gut wie gar nicht erfassen. Eine vorsichtige Auskunft gibt aber der Veranstalter, Pfarrer Ralf Schwieger: „Wir haben immer über 1000 Motorräder, zeitweise kamen wir auf 2500“. Und nicht nur Barnimer machen mit. „Es gibt viele aus Uckermark, Havelland, Berlin und Märkisch-Oderland“, ergänzt seine Frau Renate. Seit 14 Jahren organisiert das Ehepaar den Biker-Gottesdienst, dessen Idee aus Hamburg stammt. Ralf Schwieger und seine Kollegen bemerkten damals, dass es unter ihnen auch zahlreiche leidenschaftliche Motorradfahrer gibt. „Unsere Leute haben dann gesagt, hey, das machen wir selber“, macht er deutlich.

Um 14 Uhr, nach dem Läuten der Glocke, geht der Gottesdienst los. Die Rockband „Fathat“ begrüßt die Teilnehmer mit ihrem Lied „Get Born“ und begleitet die nächste Stunde musikalisch – mit großem Zuspruch der Anwesenden. „Wir sind seit zehn Jahren hier. Es ist für uns eine feste Größe. Wir sind gern hier und nutzen das“, so der Sänger und Gitarrist der Band, Frank Stein. Das musikalische Angebot des Tages wird zusätzlich von Jan Wallner und Freies Leben ergänzt.

Auch aktuelle Töne fehlen weder bei der Predigt noch Abkündigung: so spricht sich Schwieger deutlich gegen die angeheizte Stimmung bei der Umweltdebatte aus. „In der Bibel steht: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen“, zitiert er anschließend das Matthäus-Evangelium – und schießt davor gegen übereifrige Umweltschützer, wie Greta Thunberg und den Juso-Bundeschef Kevin Kühnert. „Fahren wir einfach los – und erzählen irgendwann unseren Enkeln von Motorrädern, von Benzin und Freiheit“, sagt Schwieger halb-satirisch.

Gemeinsame Straße des Lebens

Doch auch ernsthafte Töne werden angeschlagen. Schon am Beginn macht Schwieger den Zweck des Gottesdienstes deutlich: „Mit diesem Gottesdienst sind wir – hier in der Kirche, und die draußen auf dem Platz auf dem Dorf – eine große Gemeinschaft. Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer gemeinsam unterwegs auf den Straßen des Lebens. Wir haben ein Ziel und wir leben und genießen den Augenblick.“ Vor dem „Vater Unser“-Gebet gedenken die Besucher zusätzlich den in Verkehrsunfällen Verstorbenen mit einer Schweigeminute. Und nach dem Segen fahren die meisten eine Stunde lang durch den Landkreis.

Märkische Oderzeitung, 14.05.2019
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