04.03.2021  –  Lausitzer Rundschau

Geheimnis um Uebigauer Kirchendecke gelüftet

Baustart in der evangelischen Kirche in Uebigau. Und gleich zu Beginn hat es Antwort auf die Frage der Fragen gegeben: Was verbirgt sich unter der mit Spanplatten verdeckten Decke? Weitere wertvolle barocke Gemälde oder nur einfache Malerei?

04. März 2021, 11:32 Uhr•Uebigau
Von Sylvia Kunze

Mit der Deckensanierung hat in der Uebigauer Kirche der erste Bauabschnitt der umfassenden Erneuerung des Innenraums des Gotteshauses seinen Anfang genommen.
Mit der Deckensanierung hat in der Uebigauer Kirche der erste Bauabschnitt der umfassenden Erneuerung des Innenraums des Gotteshauses seinen Anfang genommen.© Foto: Foto: Sylvia Kunze

Die Bauarbeiten in der evangelischen Kirche von Uebigau sind gestartet. Mit leichtem Verzug. Es hatte Probleme mit dem Gerüst gegeben. Gerade, als es von seinem vorherigen Einsatzort nach Uebigau gebracht werden sollte, schneite es massiv ein. Die Feuchtigkeit habe man sich nicht ins Gotteshaus holen wollen, berichtet Ralf Hellriegel, Vorsitzender des Uebigauer Gemeindekirchenrates. Man habe deshalb lieber abgewartet, bis der Schnee verschwunden und die Bohlen halbwegs getrocknet waren.Auch wenn man doch eigentlich ganz gespannt dem Anfang der Arbeiten entgegenfieberte. Denn erster Arbeitsschritt beim Sanieren des Innenraums der Uebigauer Kirche sollte das Abnehmen der Platten sein, mit denen die Decke zum größten Teil Mitte des vorangegangenen Jahrhunderts verdeckt worden waren.

Decke der Uebigauer Kirche hat Rätsel aufgegeben

An die genaue Zeit konnte sich in der Kirchengemeinde keiner mehr erinnern. Auch schriftlich dokumentiert war es nirgendwo. Man wusste lediglich, warum die Platten angebracht worden waren. „Sie sollten als Schutz vor vom Dachboden durch Lücken zwischen den Deckenbalken herunterrieselnden Schmutz dienen“, weiß Hellriegel.Doch ein noch größeres Rätsel, neben dem von der Jahreszahl, in der die Arbeiten ausgeführt worden waren, gab die Frage auf, was sich unter den Platten wohl verbergen würde. Wie würde die Decke im Original und ohne verhüllende Elemente aussehen? Würden weitere wertvolle barocke Gemälde wie in den wenigen offen gebliebenen Feldern, die zwei Engel zeigten, zu Tage treten? Oder nur einfache Malerei?Auch Bauunternehmer Andreas Lutze, als Kirchenältester seit mehr als 20 Jahren mit dem Uebigauer Gotteshaus eng verbunden und nun von der Kirchengemeinde mit dem Abnehmen der Deckenplatten beauftragt, fieberte gemeinsam mit dem Uebigauer Pfarrer Ingolf Walther dem Moment entgegen, wenn es Antwort auf die Frage der Fragen geben sollte.

Uebigauer Kirchendecke gibt über Jahre Rätsel auf

„Die Decke hat uns über Jahre viele Rätsel aufgegeben“, bestätigt der Pfarrer, dass man immer wieder grübelte, wie sie wohl mal ausgesehen habe. Dass nun keine weiteren großen Gemälde zum Vorschein gekommen sind, sondern „nur“ Sterne und Rosetten in einer jedem Feld zugehörigen weißen Umrahmung – Ingolf Walther weiß noch nicht so recht, ob er sich darüber freuen oder traurig sein soll.Zumindest keine explodierenden Kosten wegen weitaus mehr aufwendiger Arbeiten an der Decke als zuvor kalkuliert müsse man nun nicht fürchten, gewinnt Ralf Hellriegel der eher ernüchternden Realität einen positiven Aspekt ab.

Doch ganz blauäugig und unwissend, gesteht der Pfarrer nun im Nachhinein ein, sei man ja gar nicht gewesen. Er verweist auf eine Fotografie, die eine Innenaufnahme der Kirche zeigt, die vor 1923 entstanden sein soll. Das Bild stammt aus dem Nachlass einer Uebigauer Familie und hat schon ein wenig Licht in die Dunkelheit gebracht. Darauf sieht man, neben der noch unverkleideten Decke, unter anderem die zu dieser Zeit noch ohne Bemalung versehenen Fenster hinter dem Altar, die einstige Loge (beheizt und mit extra Schornstein, der außen an der Kirche hochgezogen war, wie man bei vorangegangenen Bauarbeiten feststellte), die vordere Empore mit noch einer anderen Brüstung und einer zweiten Empore darüber sowie zahlreiche kleine Beetstübchen, „jedes irgendwie anders zusammengeschustert“, konstatiert Ingolf Walther.

Nur ein Foto konnte etwas Licht ins Dunkel zur Kirchendecke bringen

Und eben die Decke. Aufgrund der Qualität des Fotos konnte man jedoch nur erahnen, was in Wirklichkeit zum Vorschein kommen könnte. Aber man war schon ein wenig gewappnet.Andreas Lutze hat sich mit seinen Mitarbeitern beherzt, aber dennoch mit der gebotenen Vorsicht ans Werk gemacht. Zumindest alle 48 Felder, in die die Decke der Uebigauer Kirche unterteilt ist, sind jetzt freigelegt. Das Abnehmen der Sperrholzplatten war dabei noch die geringste Arbeit. Etwas mehr aufhalten wird die Bauarbeiter das Entfernen der vielen Nägel, mit denen die Abdeckungen angebracht waren.„Pro Feld sind 50 Nägel versenkt worden. Keine kleinen, die ja bei den acht Millimeter dicken Platten vielleicht gereicht hätten. Nein. Sechs Zentimeter lange. Wir werden noch ausreichend zu tun haben, die rund 2400 Nägel zu ziehen“, hadert der Bauunternehmer mit dem Eifer der Vorgänger.Noch dazu, weil zu denen auch sein bereits verstorbener Schwiegervater gehörte, wie jetzt während der Bauarbeiten gefundene schriftlich hinterlegte Hinweise hinter der Orgel und ganz oben am Altar belegen. Er habe mit dem Vorfahr wegen dieses Details schon Zwiesprache gehalten, sagt Lutze augenzwinkernd.In einem nächsten Schritt sind jetzt weitere Abstimmungen mit dem Denkmalschutz nötig, berichtet Pfarrer Ingolf Walther. Damit es bestenfalls zu keinem längeren Stillstand kommt, würden die Ausschreibungen für die restauratorischen Leistungen, die an der Kirchendecke zu erbringen sind, bereits laufen, fügt Ralf Hellriegel hinzu.Übrigens: Über den Stand der Bauarbeiten wird regelmäßig auf dem You-Tube-Kanal der Uebigauer Kirchengemeinde berichtet.

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