19.07.2020  –  Uckermark Kurier

Gewölbe in St. Marien von Prenzlau raubt Gästen den Atem

Seit Anfang Juli kann das Prenzlauer Wahrzeichen St.  Marien wieder täglich besucht werden. Einheimische und Gäste der Stadt nutzen diese Möglichkeit rege. Es lockt ein einmaliger Blick zur jüngst restaurierten Decke und von den Türmen über die Stadt.

Ramona Dreikorn und Wolfgang Büchner gehören zu den ehrenamtlichen Helfern, die an sieben Tagen in der Woche die Kirchenaufsicht übernehmen.

Wer dieser Tage die Marienkirche in Prenzlau besucht, dem kann beim Anblick der aufwendig rekonstruierten Gewölbedecke im Kirchenschiff der Atem stocken. Den Kopf in den Nacken gelegt, scheint das rot-weiße Gewölbe in der Luft darüber zu schweben und damit den Grundsätzen der Tektonik zu trotzen. In voller Pracht präsentieren sich die 21 Gewölbekappen. Sie können täglich bestaunt werden. Davon machen Prenzlauer wie Touristen derzeit rege Gebrauch, was den ehrenamtlichen Helfern an der Kasse auffällt. Der Wunsch, das Wahrzeichen der uckermärkischen Kreisstadt quasi „auferstanden aus Ruinen“ zu erleben, scheint immens.
Die Gewölberekonstruktion in der Marienkirche war eines der größten Bauprojekte dieser Art in ganz Deutschland.

Mehr als drei Millionen Euro sind dafür investiert worden. In den 21  Monaten Bauzeit am Gewölbe wurden insgesamt 92 200  Mauerziegel verarbeitet, darunter 12 000  Rippensteine. Rippenbögen in einem Ausmaß von 950 Metern wurden unter dem Dach der Kirche installiert. All dies kann jetzt bestaunt werden.
„Der Besucherandrang ist sehr groß“, berichtete Wolfgang Büchner. Gemeinsam mit Ramona Dreikorn saß er an diesem Tag im Kassenhäuschen am Eingang der Kirche und wies die Gäste in die Kirche ein. Der große Andrang sei nicht nur mit dem zeitweilig parallel stattfinden Rummel sowie den Ferienwochen zu erklären, meinte er. „Es kommen nicht nur Touristen, sondern auch sehr viele Prenzlauer“, sagte Büchner. Viele Einheimische bringen bei ihrem Besuch Gäste von außerhalb mit. „Die Prenzlauer sind sehr stolz, dass die Marienkirche wieder in diesem Zustand zu besichtigen ist“, schilderte Büchner aus den Eindrücken. Es gebe zudem noch Kreisstädter, die das Bild der Marienkirche unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor Augen haben. Das Wahrzeichen war damals nicht viel mehr als eine große Ruine. Neben dem Gewölbe fehlte das ganze Dach der Stadtkirche. Dass die Kirche nach 75  Jahren nicht mehr weit von ihren glorreichen Zeiten entfernt ist, daran hätten viele über Jahrzehnte hinweg wohl nicht zu glauben gewagt. Touristen und Einheimische zeigten sich beim Besuch der Kirche sichtlich beeindruckt, was aus dem „Trümmerhaufen“ in der Mitte Prenzlaus geworden ist.
„Rundum positiv“, sei die Rückmeldung der Kirchenbesucher. Einige wollten wissen, ob es unter der Kirche noch Katakomben zu besichtigen gebe, was die Kirchenaufseher

verneinen mussten. Andere erkundigten sich über den ehemaligen Schwedenkönig Gustav Adolf, dessen Leichnam im Dreißigjährigen Krieg für drei Tage in der Marienkirche aufgebahrt war. Aber nicht nur die historische Bedeutung sowie das wiederhergestellte Gewölbe lockte in die Stadtkirche. Täglich können inzwischen auch wieder die beiden Türme von St. Marien bestiegen werden.
Die Ersten und die Letzten auf den Türmen seien täglich die Kirchenaufseher, berichtete Ramona Dreikorn. 234 Stufen sind es bis zur Türmerstube, die im 68  Meter hohen Nordturm der Marienkirche liegt. Darüber hinaus können die Glocken der Marienkirche begutachtet werden, die 2009 neu in die Kirche gebracht worden sind. Wer den mitunter abenteuerlichen Aufstieg im engen Treppensteig mit verschieden hohen Stufen wagt, wird mit einem einmaligen Ausblick über die uckermärkische Kreisstadt und den Unteruckersee belohnt. Dieser Ausblick wird auf dem Übergang zwischen den beiden Türmen schon sichtbar. Dorthin müssen lediglich gut 200 Stufen bewältigt werden. „Wir wissen, was wir den Leuten empfehlen“, sagte Ramona Dreikorn über das Panorama.
Die Prenzlauer Marienkirche kann täglich in der Zeit von 10 bis 17 Uhr besucht werden.

Uckermark Kurier, 19.07.2020
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