09.01.2020  –  Märkische Oderzeitung

Glockenstuhl in Rosengarten ist ein Sanierungsfall

Sanierungsfall: Der Glockenstuhl der Rosengartener Kirche ist von Holzschädlingen befallen und nicht mehr sicher. Nach der Notsicherung soll er im Frühjahr saniert werden.© Foto: Gerrit Freitag
Streiter für seine Kirche: Der Rosengartener Christian Mirle am Eingang zur imposanten Patronatskirche im Ortsteil.

Ines Weber-Rath/ 09.01.2020, 20:00 UhrFrankfurt (Oder) (MOZ) Eine Notsicherung hat es Anfang Dezember möglich gemacht: Die Rosengartener Kirchenglocken dürfen wieder geläutet werden. Am Heiligabend riefen sie erstmals nach sieben Monaten die Christen im Ortsteil wieder zum Gottesdienst. „Damit haben wir unser erstes Etappenziel erreicht“, sagt Christian Mirle.

Der ehemalige Ortsvorsteher ist der  Rosengartener Vertreter im Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)-Lebus – und seit Jahren ein engagierter Streiter für die Sanierung „seiner“ Dorfkirche.

Ärger vor der 100-Jahrfeier

Das vergleichsweise junge Gotteshaus war und ist ein Sanierungsfall: Kurz vorm 100. Geburtstag der zu Erntedank 1903 eingeweihten sogenannten Patronatskirche waren die ersten Probleme unübersehbar: Es gab Risse im Mauerwerk, die auf Absackungen im Untergrund zurück gingen. „Wir mussten das Fundament unterfangen“, erinnert sich Christian Mirle. Die Arbeiten erfolgten in zwei Etappen 2002/03 und 2017/18.

Kaum war die akute Gefahr für die Substanz ihrer Kirche gebannt, machten sich die Rosengartener Christen im vorigen Jahr daran, dem Verfall im Innern Einhalt zu gebieten.

Die Innenausstattung des rechteckigen Putzbaus im neobarocken Stil ist aus der Bauzeit komplett erhalten geblieben. Doch in den hölzernen Bauteilen haben sich dort, wo ihnen zu DDR-Zeiten nicht mit der chemischen Keule Einhalt geboten wurde, Holzwurm und andere Schädlinge gütlich getan.

Vor allem an den Treppenaufgängen, auf der Kanzel und im Kirchengestühl seien die Schäden offensichtlich gewesen, berichtet Christian Mirle. Um das Ausmaß der Schäden einschätzen zu können, hatte die Kirchengemeinde ein Holzschutzgutachten in Auftrag gegeben. Es lag im Frühjahr vorigen Jahres vor – und war „niederschmetternd“, wie Mirle sagt.

Denn Bestuhlung, Kanzel und Treppen erwiesen sich bei Weitem nicht als das größte Problem. „Der Gutachter hat festgestellt, dass die Sicherheit des Glockenstuhls durch den starken Schädlingsbefall nicht mehr gegeben ist. Außerdem ist der eiserne Glockenkasten an einigen Stellen fast durchgerostet“, berichtet der Rosengartener Kirchenvertreter.

Da der Gutachter das „umgehende Einstellen des Läutens“ empfohlen hatte, riefen die drei Rosengartener Kirchenglocken zu Pfingsten zum vorerst letzten Mal zum Gebet.

Neue Treppen, eine neue Kanzel

Bis zur Inspektion mit einer Expertin vom kirchlichen Bauamt aus Berlin wurde es August. Und bis zur Umsetzung der festgelegten „Sofortmaßnahmen“ Anfang Dezember: Die gesamte Glockenstuhlebene wurde mit Holzbalken abgestützt. Zwei Wochen vor Weihnachten konnte das Läutverbot für die Rosengartener Kirche aufgehoben, das vor den Sicherungsmaßnahmen stillgelegte Geläut wieder in Betrieb genommen werden.

Nach der Notsicherung soll nun im Frühjahr die richtige Sanierung der geschädigten Holzbauteile der Rosengartener Kirche erfolgen, die einst vom Berliner Hofbaumeister Hauer errichtet wurde. Die Aufträge seien vergeben, weiß Christian Mirle. Für rund 80 000 Euro, die Landeskirche, Kirchenkreis und -Gemeinde gemeinsam aufbringen, sollen Glockenstuhl und -Kasten, Treppen, Zwischenböden und die Kanzel erneuert sowie das Gestühl gegen den Holzwurmbefall behandelt werden, kündigt der Rosengartener an.

Märkische Oderzeitung, 09.01.2020