13.09.2019  –  Lausitzer Rundschau

Goldene Hingucker über Gablenz

Die Kugel der Gablenzer Kirche bekommt jetzt zwei Zeitkapseln eingesetzt. Pfarrerin Miriam Arndt hält die Schatulle in den Händen, die mit Beginn der Sanierung geborgen wurde. FOTO: Regina Weiß


In der Kugel auf dem Gablenzer Kirchturm gibt es nun zwei Zeitkapseln. Das Einsetzen erfolgt in luftiger Höhe. Von Regina Weiß

Wer Luftbilder von Gablenz braucht, der muss nicht unbedingt mit dem Hubschrauber oder dem Flugzeug über dem Ort kreisen. Eine Möglichkeit hat sich in dieser Woche ergeben. Das Zeitfenster dafür hat sich allerdings schon wieder verschlossen.

Es geht die Rüstung hinauf auf den Turm der Trinitatiskirche von Gablenz. 24 Meter sind es bis zur Kugel, 28 Meter wären es bis zur Spitze. Klingt irgendwie nicht hoch, ist aber seeeehr hoch. Das vergisst man glatt die Stufen zu zählen.

Doch der Blick über das Dorf entschädigt und lenkt gut ab. Alles hübsch, adrett, einladend. Bis auf ein sehr in die Jahre gekommenes Gebäude.

Glänzende Vorzeichen

In die Jahre gekommen ist auch das Gotteshaus. Mit der Sanierung des Turms kann seit April der erste Abschnitt realisiert werden. Das augenscheinlichste wird dann sicherlich der neue Anstrich sein. Doch bis es soweit ist, gibt es im wahrsten Sinne des Wortes glänzende Vorzeichen. Für Gablenz brechen goldene Zeiten an, wird in luftiger Höhe herumgeunkt. Denn Kugel, Wetterfahne und der Stern auf der Kirchturmspitze erstrahlen in Gold. Das haben sie Jahrzehnte nicht mehr gemacht. Lediglich ein goldener Ring zierte nach der letzten Öffnung die Kugel. Doch dann gab der Denkmalschutz die Anregung, doch über eine komplette Vergoldung nachzudenken. Die Devise „Wenn schon, dann richtig“ überzeugte letztlich wohl auch den Gemeindekirchenrat. Der auch dieses Zusatz-Projekt in Angriff nimmt. Unterstützung kommt auch aus Richtung Gemeinderat, der einer Spende signalisiert hat.

Pfarrerin Miriam Arndt und Udo Frenschkowski vom Landesamt für Denkmalpflege sind beim Kirchturm ganz hoch hinauf geklettert. Sie stehen hinter der vergoldeten Wetterfahne. FOTO: Sandra Noack


Dass man mit dem eingeschlagenen Weg richtig liegt, zeigt sich in dieser Woche, als alle – Pfarrein Miriam Arndt, Bürgermeister Dietmar Noack, Mitglieder der Kirchengemeinde sowie Bauleute – mit der goldenen Kugel um die Wette strahlen. Denn diese wird wieder verschlossen und soll möglichst 50 Jahre halten, bevor sie wieder geöffnet wird, wünscht sich Klaas Fiedler vom Architekturbüro Berger und Fiedler aus Cottbus. Der Architekt ist des Lobes voll, was das Engagement des Gemeindekirchenrates betrifft. „Es sollte beispielgebend sein“, findet Fiedler. So seien die wöchentlichen Bauberatungen sehr gut gewesen. Mit Dieter Platzk hatte der Gemeindekirchenrat einen Bauverantwortlichen benannt.

Anhänglicher Hausschwamm

Auch wenn es augenscheinlich ganz oben glänzt, sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Obwohl schon ein großes Stück geschafft ist. Schließlich hatte es dem Hausschwamm unter dem Dach Gottes gut gefallen. Er hatte sich wohnlich eingenistet. Die Gefahr, die von dem Untermieter ausgeht, musste gebannt werden. Fiedler spricht von einer umfangreichen Schwammsanierung. Viele Holzbalken mussten deshalb erneuert werden. Letztlich gehe es darum, dass der Turm eine ordentliche Stabilität hat. Dazu gehört auch, dass das Dach neu eingedeckt wird. Eine einzige Herausforderung, beschreibt es der Architekt. „Es war kaum eine Fläche da, die größere als ein Quadratmeter ist, die man gerade eindecken konnte“, so Klaas Fiedler. Kanten, Ecken, Schwünge, die die Kuppel aufweist, forderten handwerkliches Geschick. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Als nächstes werden im Turm neue Fenster eingesetzt. Und dann wird auch die Treppe im Inneren des Turmes ertüchtigt. Draußen werden die Vorbereitungen für die Grundierung des Turms erledigt, damit der Maler später die Farbe auftragen kann. Im Oktober soll das alles erledigt sein.

Große Langeweile 

Überfällt dann Dieter Platzk die große Langeweile? Oder baut er dann zu Hause alles um? „Dort bin ich längst fertig“, winkt er ab. Im Kirchturm gebe es jedoch noch genug zu tun, was auf Verbesserung wartet und was nicht durch die Förderung und die Eigenmittel abgedeckt wird. Dem will sich Dieter Platzk widmen. Und dann steht ja mit dem Kirchenschiff noch die viel größere Herausforderung an, auch was die Finanzierung betrifft.

Vor solchen und anderen Herausforderungen haben sicherlich auch die Altvorderen gestanden. „Wenn die Wetterfahne, die heute in Gold glänzt, erzählen könnte, was sie alles gesehen hat. Sie ist immerhin 260 Jahre alt. Es gab Kriegs- und Friedenszeiten und verschiedene politische Systeme, Stürme und Sonnenschein“, deutet Pfarrerin Miriam Arndt an.

Wahlbeiträge

Ein bisschen von dieser Geschichte ist in den Zeitkaspeln gefangen, die nun wieder in der goldenen Kugel liegen. Es sind zwei. Zum einen die historische und zum anderen die neue. Sie enthalten Informationen zur Gemeinde sowie der Kirche und Geld. Außerdem Beiträge aus der Gablenzer Dorfzeitung und der Lausitzer Rundschau. Nicht nur die über den Baufortschritt am Gotteshaus, sondern auch über die Ergebnisse der Landtagswahl vom 1. September 2019.

Lausitzer Rundschau, 13.09.2019
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