06.04.2019  –  Märkische Oderzeitung

Gransee -Damit es von St. Marien wieder klingt

Die Glockenbauer Holger Bittner und Rocco Merz (von links) bei der Arbeit am Geläut von St. Marien. Joche wurden erneuert. Die große Sturmglocke links haben sie aber noch vor sich. Außerdem werden neue Motoren und Klöppel montiert.© Foto: Matthias Henke

Matthias Henke/ 06.04.2019, 08:30 UhrGransee (MOZ) Von der Öffentlichkeit unbemerkt ist die Sanierung des Geläuts der Granseer St. Marienkirche in vollem Gange. Doch die Fertigstellung verzögert sich.

Einziges Zeichen, dass sich im Turm etwas tut, ist der neben St. Marien geparkte Kleintransporter der Glockenbaufirma aus Neuenhagen bei Berlin. Zwar sind auch an Fassade und Dach der Kirche Sanierungsarbeiten geplant. Dieses voraussichtlich bis in den Herbst andauernde Projekt läuft aber unabhängig von den Arbeiten der Glockenbauer, die schon einiges geschafft haben.

So haben zwei der vier Glocken (siehe Infokasten) bereits einen neuen Tragbalken, ein sogenanntes Joch, bekommen und hängen wieder in ihrer alten Position im Glockenstuhl. „Diese Joche mussten wir komplett erneuern, bei den großen hoffen wir, dass wir sie erhalten können“, sagt Holger Bittner, der mit seinem Mitarbeiter Rocco Merz die Arbeiten ausführt. Doch ob das möglich ist oder ob die mit der Zeit durch das schadhafte Dach eingedrungene Feuchtigkeit doch zu große Schäden verursacht hat, werde sich endgültig erst in der Werkstatt ermitteln lassen. Demnächst sollen die übrigen Joche daher per Lift außen am Gerüst entlang hinab transportiert werden. „Die Glocken selbst bleiben dabei oben“, stellt Bittner klar.

Termin zu Ostern nicht zu halten

Neben den Aufhängungen sollen alle Glocken ferner neue Antriebsmotoren, Klöppel und Lager bekommen. „Wir machen im Prinzip alles einmal neu, außer den Glocken selbst“, so der Fachmann. Eines der kleineren Joche sei in der Vergangenheit schon einmal erneuert worden, mit den Jahren aber auch schon wieder eingerissen, habe er festgestellt.

Als die Gerüstbauer schon Ende Februar ihr Werk begannen, hoffte der Granseer Pfarrer Christian Guth, dass Ostern das Geläut wieder komplett erklingen kann. „Das Ziel ist aber leider nicht zu erreichen. Im Prinzip hinken wir drei Wochen hinterher“, muss Holger Bittner nun mitteilen und begründet das mit Verzögerungen beim Aufbau der Gerüste und des Aufzugs, auf den die Glockenbauer zum Transport der großen Joche aber angewiesen sind. Bleiben die Glocken zum Osterfest also stumm? Nein! Zumindest die Arbeiten an den beiden Kleineren sollen bis dahin abgeschlossen sein, die nämlich können ganz unabhängig vom Aufzug vonstatten gehen. Großgeräte brauchen die Handwerker bei ihrer Arbeit sowieso nicht, abgesehen davon, dass für so etwas auch kaum Platz wäre. Aus- und wieder eingehängt werden die Glocken mittels Flaschenzügen. „Der Rest ist Muskelkraft“, sagt Bittner und lacht. Die Flaschenzüge ermöglichen es den Männern, ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes zu bewegen. So wiegen die beiden kleineren Glocken knapp 480 beziehungsweise 570 Kilogramm. Auf eine Tonne Gewicht bringt es die Ruferglocke. Das Schwergewicht im Kirchturm ist aber die Sturmglocke mit 2,3 Tonnen.

Als Fachleute für Glocken kommen Bittner und seine Mitarbeiter ganz schön herum. „Wir kümmern uns ja auch um Kirchturm- und Rathausuhren“, sagt der Chef. „Aber es ist nicht so, dass es da keine Konkurrenz gibt. Die ist durchaus vorhanden. Moderne Uhrwerke haben ja viele elektronische Komponenten, so dass auch Elektriker sich das annehmen können.“ Doch spätestens, wenn mechanische Komponenten zu reparieren sind, werden doch meist die Spezialisten gerufen. Bittners Firma wurde unter anderem schon mit der Sanierung der gesicherten Turmuhr der 1985 gesprengten Berliner Versöhnungskirche betraut und hat ein Uhrwerk samt Zifferblatt für den Gouverneurspalast in Quingdao (China) restauriert.

DIE GLOCKEN VON ST. MARIEN

Die Sturmglocke ist die größte im Turm. Ihre lateinische Inschrift beschreibt laut des früheren Pfarrers Heinz-Dieter Schmidtke, der die Inschrift ins Deutsche übertragen hat, die verheerenden Auswirkungen des großen Stadtbrandes von 1711.

Die Ruferglocke, die zweitgrößte Glocke, erinnert wie die Sturmglocke sowie die Totenglocke (Inschrift: „Gleiche Glut zerstörte mich, gleiche Glut erneurte mich wie die andern zwaehne. Drum soll mein Gethöne, Gott nächst ihnen dir auch singen und Dankopfer bringen. J. Jacobi goß mich in Berlin 1711.“) auch an den Stadtbrand. Die beiden letztgenannten Glocken haben jedoch im Gegensatz zur Sturmglocke deutsche Inschriften.

Die Taufglocke ist die kleinste Glocke und stammt aus dem Jahr 1725. Mit ihrem Einbau einher ging seinerzeit laut Pfarrer Christian Guth ein leichter Umbau des Glockenstuhls, damit diese vierte Glocke dort neben der dritten hängen konnte. Zuvor hatte die St.-Marien-Kirche nur drei Glocken.⇥mhe

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