27.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Großbeeren: Schinkelkirche bekommt zum 200-jährigen Bestehen neue Glocken

Zum Jubiläum macht sich die evangelische Gemeinde in Großbeeren selbst ein Geschenk: Drei neue Glocken werden übernächste Woche im Turm aufgehängt und am Donnerstag, 1. Oktober, bereits in der Gemeinde präsentiert.

Bei runden Geburtstagen fallen Geschenke in der Regel ja immer etwas größer aus. Dass das nicht nur bei denen der Menschen so ist, zeigt die evangelische Kirchengemeinde Großbeeren: Zum 200-jährigen Bestehen erhält die Schinkelkirche drei neue Glocken. Viel größer hätte das Geschenk wohl auch nicht sein dürfen, denn für den Einbau in der übernächsten Woche muss sogar ein Fenster ausgebaut werden. Wenn alles gut geht, können die Großbeerener die Glocken am 11. Oktober zum ersten Mal läuten hören – dann wird es um 15 Uhr einen Festgottesdienst zum 200-jährigen Bestehen geben.

Das Datum ist kein Zufall: Nachdem die alte Kirche am 8. Oktober 1756 abgebrannt war, beauftragte der König nach den Befreiungskriegen ein neues Gotteshaus zu bauen. Der erste Entwurf des Architekten Karl Friedrich Schinkel wurde allerdings aufgrund der hohen Kosten abgelehnt. Eine abgespeckte Version, die sich der König leisten wollte, konnte dann schließlich gebaut werden und sollte ursprünglich zum Siegesfest 1820 eingeweiht werden. Da der Termin aber nicht eingehalten werden konnte, zog man das Datum des Brandes heran und weihte die Kirche am 9. Oktober. „200 Jahre später ist der am nächsten gelegene Sonntag der 11. Oktober“, erläutert Gemeindepädagogin Doris Hennig die Terminwahl.

Glocken aus Bronze klingen schöner

Auf die Töne der neuen Glocken sind sie und die Beauftrage für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche, Daniela Belitz, schon sehr gespannt, denn bisher hingen im Turm Glocken aus Stahl. „Deren Klang ist aber nicht so schön wie der von bronzenen Glocken“, sagt Belitz. 1895 hatte die Kirchengemeinde die Originale durch Glocken aus Stahl ersetzen müssen, weil eine von ihnen einen Fehler hatte. Für knapp 40.000 Euro schenkt sich die Gemeinde nun wieder Glocken aus Bronze – etwa 9000 Euro kommen von Spenden von Gemeindemitgliedern.

Die Anschaffung ist für alle etwas ganz Besonderes, denn die Glockenwerden traditionell gegossen, das heißt: Als eine von wenigen gießt die Firma Riencker aus Hessen die geschmolzene Bronze direkt in Formen im Boden. Belitz war zusammen mit anderen Kirchenmitgliedern bei dem Prozess dabei und ist immer noch begeistert: „Das war wirklich spannend zu sehen und alle sind ganz stolz, dass es beim ersten Mal geklappt hat.“

Ton wurde genau festgelegt

Nun bleibt nur noch abzuwarten, ob auch der Klang der drei Glockenüberzeugt. Denn der Ton, den sie erzeugen sollen, wurde im Vorfeld akribisch festgelegt: Sie müssen nicht nur untereinander gut klingen, sondern auch auf die Glocken der umliegenden Kirchen sowie die Größe des Glockenturms abgestimmt sein. Weil alle so stolz und froh über das Geschenk sind, werden die Glocken am Donnerstag, dem 1. Oktober, von 18 bis 19 Uhr durch Großbeeren gefahren, um sie zu präsentieren. Anschließend wird es eine Andacht geben.

Im Jubiläumsjahr haben sich die Großbeerener Kinder auf der Mauer des Gemeindehauses verewigt: Auch die neuen Kirchenglocken sind abgebildet. Quelle: Lisa Neugebauer

„Das Besondere ist, dass sie eng mit Großbeeren verbunden ist“

Dass die Glocken so durch die Gemeinde gefahren werden, soll ganz bewusst eine Verbindung zum Ort schaffen. „Das Besondere an der Kirchengemeinde hier ist, dass sie eng mit Großbeeren verbunden ist“, sagt Hennig. Die zentrale Lage der Kirche, ihr Standort auf dem Hügel und ihr gelber Anstrich würden auch das Bild des Ortes prägen. „Wir wollen uns vor allem offen und einladend präsentieren“, sagt die Gemeindepädagogin.

Das gelingt in diesen Zeiten auch der Großbeerener Kirchengemeinde nicht immer: Obwohl die Mitgliederzahl noch recht konstant bei 1500 liegt, spürt man auch dort, dass die Nachfrage nach Angeboten der Kirche sinkt. „Mehr Menschen als früher lassen ihre Kinder nicht mehr taufen“, sagt Hennig. Und Belitz ergänzt: „Auch wir können dem Trend nicht trotzen.“ Trotzdem wollen sie ihr Bestes geben, die Kirche im Leben der Großbeerener wieder präsenter werden zu lassen. „Wir wollen uns nicht wegducken, sondern weiter Aktionen starten, um die Leute zu erreichen“, sagt Belitz. „Wir sind das Salz in der Erde – nicht die große Suppe, aber die Würze“, sagt Hennig. „Und das wollen wir weiter bleiben.“

Von Lisa Neugebauer

Märkische Allgemeine Zeitung, 27.09.2020
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