02.07.2019  –  Lausitzer Rundschau

Große Stars auf kleiner Bühne in Bornsdorf

Die Weltklassemusiker Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen gastierten in der Bornsdorfer Kirche zugunsten der Lütkemüller-Orgel.FOTO: Dietmar Becker


Bornsdorf. Außergewöhnliches Benefizkonzert für die Restaurierung der Lütkemüller-Orgel in der Kirche.

Die Bühnen, auf denen Marie-Elisabeth Hecker am Cello und der Pianist Martin Helmchen normalerweise gastieren, haben große Namen. Die beiden sind  gefragte Musiker  in Berlin,   New York oder Tokio. Dass das Ehepaar am vergangenen Samstag in der Bornsdorfer Kirche ein Kammerkonzert spielte, ist einem glück­lichen Umstand zu verdanken. Seit etwa zwei Jahren wohnen Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen mit ihren inzwischen drei Kindern in Bornsdorf. Sie gehören zur evangelischen Kirchengemeinde und fühlen sich ihr verbunden.

 „Wir sind dankbar, dass sie spontan zusagten, ein Benefizkonzert für die Restaurierung der Lütkemüller-Orgel zu spielen. Das war bereits vor einem Jahr geplant. Es kam aber die Geburt ihrer Zwillinge dazwischen. Nun freuen wir uns besonders“, informierte Pfarrer Frank Gehrmann zu Beginn. 

 Trotz Hitze waren mehr als 100 Gäste gekommen. Und keiner wurde enttäuscht. Die beiden Künstler sind in diesen Tagen von einem Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom zurückgekehrt. Das Stipendium der Deutschen Akademie Rom ist eine bedeutende Auszeichnung für deutsche Künstler im Ausland und richtet sich an Persönlichkeiten, die über außergewöhnliche Qualifikationen und großes Talent verfügen. 

Das Programm für Bornsdorf wurde im Wesentlichen in Rom erarbeitet. Für den Einstieg wählten sie Beethovens Variationen über das Thema des Händel-Oratoriums „Judas Maccabäus“, die mit Vertrautem überraschten. Zentrales Motiv ist die vom Weihnachtslied „Tochter Zion“ bekannte Melodie. Es folgten Werke von Gabriel Fauré und Robert Schumann. „Es ist sehr schöne Musik“. 

Die Klarinettenschülerin Mara Bauer ist begeistert. Sie darf während des Konzertes für Martin Helmchen die Noten umblättern. „Es ist interessant, so einem Star nahe zu sein. Er ist aber auch nur ein Mensch“, sagt die Bornsdorferin lachend. „Die Musik und die Darbietung sind sehr berührend“, ist ihre Mutter sichtlich beeindruckt. 

Nach der Pause mit kühlen Getränken und einem überbordenden Kuchenbuffet aus Bornsdorfer Küchen begaben sich die Profimusiker auf ihr Lieblingsterrain. Beide lieben sie russische Komponisten, wie Martin Helmchen erläutert. Der dritte Satz aus der Sonate für Klavier und Violoncello von Sergej Rachmaninov eröffnete Teil zwei des Konzertes. Einen Eindruck von Helmchens einzigartiger Virtuosität und Fingerfertigkeit konnte das Publikum bei Schostakowitsch‘ Sonate für Violoncello und Klavier in d-Moll gewinnen. In der Zugabe ließ Marie-Elisabeth Hecker auf ihrem Cello den „Papillon“, den Schmetterling, von Gabriel Fauré mit zarten Tönen durch die Kirche flattern.

„Ganz großartige Kammermusik in einer wunderschönen Kirche“. So lautete das Fazit von Verona Wunderlich aus Berlin, die im benachbarten Goßmar ihr zweites Zuhause hat. Sie ist Kammermusikfan und freut sich, dass sie ein so hochkarätiges Konzert in der kleinen Dorfkirche erleben darf. Obwohl sie eher selten klassische Musik hört und vielmehr aus Neugier gekommen war, ist auch Christina Stern aus Bornsdorf begeistert. Freuen kann sich vor allem auch die evangelische Kirchengemeinde. Etwa 1200 Euro sind für die Restaurierung der Lütkemüller-Orgel an diesem Nachmittag eingegangen.

Lausitzer Rundschau, 02.07.2019
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