30.11.2020  –  Lausitzer Rundschau

Halbe Million Euro für die St. Nikolai in Bad Liebenwerda

Gern hätte die evangelische Kirchengemeinde Bad Liebenwerda diesen Tag mit all ihren Gemeindegliedern und vielen Gästen gefeiert. Corona verhindert dies. Im Dank-Gottesdienst im kleinen Rahmen wurde die erfolgreiche Modernisierung trotzdem gewürdigt.

30. November 2020, 12:14 Uhr•Bad Liebenwerda
Von Frank Claus und vrs

Dankgottesdienst nach Umbau in der St. Nikolai Kirche Bad Liebenwerda –

Mit der St. Nikolaikirche in Bad Liebenwerda verbinden die evangelischen Christen das „Zuhause“ ihres Glaubens. Für die Einwohner der Stadt ist sie seit Jahrhunderten neben Lubwartturm, Rathaus und Burgplatz-Ensemble das stadtprägende Bauwerk. Spätestens seit der friedlichen Revolution, als sich in jenem November 1989 die Menschen im Kirchenschiff und davor drängelten, um ihrem Unmut über die Unzulänglichkeiten des damals vorherrschenden politischen Systems Gehör zu verschaffen, ist sie Ort immer wiederkehrender besonderer Ereignisse geworden.

St. Nikolai ist in Bad Liebenwerda auch ein Ort der Kultur

Ob Bad Liebenwerdas Nikolaikirche in all den Jahren zuvor so viele Menschen im Laufe eines Jahres außerhalb von Weihnachten und Krippenspiel besucht haben wie in den Jahren nach dem politischen Umbruch? Die Kirche der Kurstadt hat sich zu einem Ort der Kultur entwickelt. Mehrfach im Jahr ist sie inzwischen bis fast auf den letzten Platz ausgebucht. Mitreißende Gospelabende, die Konzerte der Big Band Bad Liebenwerda, die Auftritte namhafter Knabenchöre, „Classic trifft Musical“ mit Musicalstar Angelika Milster, Gastspiele des Sinfonieorchesters aus der Partnerstadt Lübbecke in Nordrhein-Westfalen und Konzerte im Rahmen des Internationalen Gebrüder-Graun-Wettbewerbes stehen als Beleg dafür. Bad Liebenwerdas Kirche ist auch zur Konzertkirche geworden.Danke! Vielen Dank für diesen schönen Raum! So hieß es zu Beginn des feierlichen Dankgottesdienstes unter Corona-Bedingungen am ersten Sonntag im Advent. Der Gottesdienst fand unter hohen Auflagen, mit einem Masken-Konzept und auf Abstand orientierten Absperrungen von Sitzreihen statt. Nach mehreren Monaten des Umbaus wollte die Kirchengemeinde den vielen Helfern und Spendern danken, die mit ihrer Arbeit, ihren Spenden und Mitteln die Renovierung und die Modernisierung des Kirchenraumes der St. Nikolai Kirche Bad Liebenwerda möglich gemacht haben.

Alle Firmen in Bad Liebenwerda öffentlich gewürdigt

Dr. Markus Voigt, in der Planungs- und mitten in der Bauphase noch Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, erinnerte an die Anfänge. Bis 2018, so berichtet er, habe sich Pfarrer Burkhard Behr um die um alle organisatorischen Dinge bemüht, Anträge eingereicht, Terminabsprachen getroffen. Die im Laufe der Bauphase gebildete Koordinierungsgruppe mit Ute Lubk, Christof Enders, Torben Linke, Rene Röck, Dr. Benno Damm, Dorothea und Markus Voigt habe Absprachen getroffen und an den Sitzungen mit Planern und Bauleuten teilgenommen. Markus Voigt nannte alle am Bau beteiligten Firmen namentlich und berichtete von einer Arbeit, in der Rädchen ineinander griffen und bei der bei unvorhergesehenen Herausforderungen zügig Lösung gefunden werden mussten.

Gewärmte Sitzflächen in der St. Nikolaikirche

Mit dem Umbau sei ein ganz neues Erlebnis geschaffen worden, für Andachten, Meditationen und Konzerte, so Markus Voigt. Viele Schubkarren mussten bewegt werden. Die Bänke wurden umgebaut, um Besuchern in hinteren Bankreihen bessere Sicht zu gewährleisten. Ein behindertengerechter Zugang in der Kirche ist eingebaut. Nun gibt es „zusätzlich gewärmte Sitzflächen, Licht zum Lesen im Gesangbuch, aber auch Licht, um die verschiedenen Nuancen dieses schönen Raumes zu zeigen. Die blauen Farbspiele an der Kirchendecke kommen nun genau wie die Schnitzfiguren aus dem 16. Jahrhundert ganz anders zur Geltung kommen“, so Markus Voigt.Mit der Umgestaltung des Altarbereichs samt Taufstein, so ist der ehemalige Vorsitzende überzeugt, „werden die handelnden Personen, die im Licht stehen sollen“, besser gesehen. Er erinnerte daran, dass oft stundenlang debattiert, verworfen, neu überlegt worden sei, um zur besten Lösung zu kommen.

Nur drei Namen vieler Helfer

In diesem Zusammenhang muss ich, so sagt er, Ulf Kluge erwähnen – den Lehrer, Musiker, Licht- und Tontechniker. „Er war fast immer dabei, mit einem ganz hohen ehrenamtlichen Anteil.“ Auch den musikalischen Dankeschön-Gottesdienst habe er „entscheidend mit vorbereitet.“Und noch ein Mann hat sich enorm eingebracht: René Röck. Mit seinen Mitarbeitern hat er einen mit Dämmglas umgebenen, beheizten Raum für die Kinder geschaffen. Die können nun dort während Gottesdiensten und Konzerten spielen. Auch die kleine Teeküche und ein „tolles Chorpodest, das wir ohne dich und das Engagement deiner Mitarbeiter so nicht hinbekommen hätten“, bereichert nun die Kirche. Bis Weihnachten soll noch ein von Erwin Rohleder vom Gemeindekirchenrat entworfener Altar eingebaut werden.Die neue Lichtgestaltung mit insgesamt 13 Deckenstrahlern ermögliche nun verschiedene Nuancen und Farbspiele. Der Raum biete unterschiedliche Möglichkeiten für die Nutzung moderner Medien, er ist ausbaufähig, flexibel und änderbar. Markus Voigt bedankte sich bei den vielen Helfern aus der eigenen Kirchengemeinde, die bis zum Putzen nach getaner Arbeit stets verfügbar gewesen seien.

Ein halbe Million Euro investiert

Dirk Gebhard, der jetzige Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, kennt die Zahlen des Bauvorhabens. 504.000 Euro sind investiert worden. 299.000 Euro davon sind Fördermittel der Europäischen Union. Landeskirche und Kirchenkreis haben 105.000 Euro beigesteuert. Stolze 70.000 Euro wurden gespendet und etwa 30.000 Euro Eigenmittel seien verwendet worden.

Lausitzer Rundschau, 30.11.2020
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