21.07.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Heilandskirche Sacrow feiert Kirchweihe vor 175 Jahren

28 Jahre stand die Heilandskirche im Mauerstreifen der DDR, preisgegeben dem Verfall und dem Missbrauch durch die Grenzer. Heute strahlt sie in alter Schönheit und feiert 175 Jahre Kirchweihe.

Die Sacrower Heilandskirche hat das 175. Mal ihre Kirchweihe gefeiert. Quelle: Friedrich Bungert

In der Heilandskirche Sacrow ist am Sonntag der 175. Jahrestag der Kirchweihe gefeiert worden – ein echter Grund zum Feiern, denn die Kirche hätte es beinahe nicht mehr gegeben. 1961 wurde die Mauer gebaut, plötzlich stand das Gotteshaus im Sperrgebiet. Die letzte Christvesper gab es im Dezember 1961. Wochen später teilte man der ausgesperrten Gemeinde mit, „unbekannte Banditen” hätten die Einrichtung Niemandsland verwüstet, aus dem Westen eingedrungene Banditen hätten das getan. Viel wahrscheinlicher war, dass die DDR-Grenzer das Zerstörungswerk begangen hatten, geduldet oder gefördert durch die Staatsorgane. Das wurde nie geklärt.

Klein Glienicke war zur Exklave geworden, zum Sperrgebiet, dessen Bewohner nur familiären Besuch mit extra zu genehmigenden Passierscheinen empfangen durften. Die Brücke über den Teltowkanal war die einzige Verbindung nach Potsdam. Menschen wagten die lebensgefährliche Flucht in den Westen. Dachdecker flohen und Orgelbauer, die für Baureparaturen zur Klein-Glienicker Kapelle gelassen wurden. 1990, im Jahr nach der Wende; war die wieder zugängliche Kirche eine Ruine. Der Putz war ab, die Farben, die Ornamente, das große Jesusbild in der Apsis war stark gedunkelt, die Farbflächen waren überwiegend zerstört.

Die südlich des Dorfes Sacrow am Havelufer stehende Heilandskircheist aufgrund ihrer Lage und ihres Stils außergewöhnlich. Sie entstand 1844 als sakrales Gebäude im italienischen Stil mit freistehendem Campanile (Glockenturm) nach Zeichnungen, die der „Romantiker auf dem Thron“, Friedrich Wilhelm IV., entworfen hatte. Der „Architekt des Königs“ Ludwig Persius, erhielt den Auftrag zur Bauplanung. 

Die Kirche liegt rund einhundert Meter unterhalb des kleinen Sacrower Schlosses und gehört zu dessen Schlosspark, den der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné ebenfalls in den 1840er Jahren weiträumig umgestaltete. Heilandskirche und Schloss wurden nach der Wende in den 1990er Jahren restauriert und sind heute Teil der Potsdamer Havellandschaft, die von der Pfaueninsel bis nach Werder reicht und mit ihren Schlössern und Gärten als Ensemble seit 1990 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO steht. Das malerisch zwischen Fontanes „Kulturstrom“ Havel, der sich hier zum Jungfernsee öffnet, dem Sacrower See und Wäldern eingebettete Dorf Sacrow gehört seit 1939 zum südwestlich gelegenen Potsdam. Die „Fuchsberge“ trennen es vom rund drei Kilometer nordöstlich gelegenen Kladow, einem Ortsteil von Berlin-Spandau.

Von Rainer Schüler

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.07.2019
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