13.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Heiligengrabe: 500 Jahre alter Altar findet Asyl im Kloster Stift

Dieser Altar hat eine lange Wanderschaft hinter sich. Er stammt aus der Kirche in Teetz und findet seit 50 Jahren Asyl in anderen Gotteshäusern. Nun ist er restauriert. Die Rückkehr nach Teetz muss noch warten.

„Viele Hände sind schon über den Altar gegangen, haben ihn repariert und restauriert“, sagt Daniela Baumberg. Die Restauratorin mit Werkstatt in Berlin Charlottenburg hinterließ nun zwei Jahre lang ihre Spuren an diesem Kunstwerk.

Der Altar der Kirche in Teetz ist 500 Jahre alt und erstrahlt in neuem Glanz. Jetzt findet der spätgotische Flügelaltar übergangsweise Asyl im Kloster Stift zum Heiligengrabe. Am Sonntagnachmittag feierten mehr als 40 Besucher diese Ankunft in Heiligengrabe. Der Altar ist in einer Nische des Kreuzgangs aufgestellt. Vor allem für die Mitglieder der Kirchengemeinde Teetz und des Fördervereins Dorfkirche Teetz unter Vorsitz von Johannes Heisig gehörte dieser Nachmittag zu einem Höhepunkt. Damit ist ein weiterer Meilenstein bei der Sanierung der Teetzer Kirche geschafft.

Altar ging vor 50 Jahren auf Wanderschaft

Doch der Reihe nach: Die Kirche in Teetz stammt aus dem Jahre 1860 und verfiel zu DDR-Zeit immer mehr. Um den Schnitzaltar vor Schäden zu retten, wurde er in den 1970er Jahren evakuiert und ging auf Wanderschaft.

Im Zentrum des Mittelschreins befindet sich Maria mit dem Kind; sie steht zwischen dem Heiligen Nikolaus und der Heiligen Anna, Marias Mutter. Quelle: Christamaria Ruch

Zunächst fand er in der Kirche in Königsberg als Seitenaltar einen Platz. Auch an diesem Gotteshaus nagte der Zahn der Zeit. Dann folgte der Umzug in die Kapelle in Ganz, dem Nachbarort von Teetz. Dort setzten wiederum schlechte klimatische Bedingungen dem Kunstwerk aus der Zeit um 1520 zu. Der Holzwurm hinterließ seine Spuren; es drohte der vollständige Verfall.

Schulterschluss zwischen zwei Fördervereinen: Renate von Oppen (r.) steht für das Kloster Stift und Johannes Heisig (2.v.r.) vertritt den Verein aus Teetz. Sie besiegelten das Asyl des Altars in Heiligengrabe. Quelle: Christamaria Ruch

Glückliche Fügung bei der Spendensammlung für die Sanierung des Altars

Bereits seit 20 Jahren wird die Kirche in Teetz saniert – nun ist ein Ende der Bauarbeiten in Sicht. Vor vier Jahren wandte sich Johannes Heisig an den früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (1936 bis 2019) und bat um Hilfe. „Es gab dann glückliche Fügungen“, so Heisig. Manfred Stolpe eröffnete gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) ein Spendenkonto für die Altarrestaurierung.

Der 500 Jahre alte Altar aus der Kirche in Teetz erstrahlt nach zweijähriger Restaurierung in neuem Glanz. Bis Ende 2021 wird die Kirche in Teetz saniert. Solange erhält der Altar Asyl im Kloster Stift zum Heiligengrabe. Quelle: Christamaria Ruch

Berliner verlor sein Herz an den Altar und spendete

Nun kam Joachim Kays aus Berlin ins Spiel. „Ich wollte ein Projekt unterstützen und erhielt von der DSD eine Liste mit möglichen Objekten“, sagte der 71-Jährige. Seine Wahl fiel auf den Teetzer Altar. „Ich wollte Kunst und Handwerk unterstützen und hatte die künstlerische Qualität dieses Altars gesehen“, sagte der frühere Musiklehrer. Seine großzügige finanzielle Zuwendung und die Sammlung der DSD machten die Restaurierung möglich. Gut 40. 000 Euro flossen in das Vorhaben.

Zwei Fördervereine fanden einen Weg

Der Förderverein des Kloster Stifts zum Heiligengrabe unter Vorsitz von Renate von Oppen bahnte das Asyl für den Teetzer Altar an. „Ich bin begeistert, dass der Altar hier übergangsweise aufgestellt ist“, so Joachim Kays. „Dieser Ort gibt dem Altar ein wunderbares Domizil“, sagte Johannes Heisig.

Die Rückseite des Altars ist mit floralen Motiven gestaltet. Quelle: Christamaria Ruch

Altar birgt noch viele Geheimnisse

Der älteste Beleg für den Altar stammt aus dem Jahre 1860. Damals wurde die Kirche in Teetz errichtet. „1860 wurde der Altar umfassend restauriert“, sagte Daniela Baumberg. Dies geht aus einer Inschrift am Altar hervor. Viele weitere Informationen beruhen auf stilistischen Einordnungen. „Die Figuren stammen aus einer norddeutschen Werkstatt“, sagte Baumberg.

Alle Figuren sind aufwendig restauriert. Die Legendengestalt Katharina (l.) erhielt in diesem Zuge ein neues Schwert. Quelle: Christamaria Ruch

Altar soll helfen, den Menschen den Glauben nahe zu bringen

„Von dem Altar geht eine Predigt in Bildern aus, denn vor Jahrhunderten konnten viele Menschen nicht lesen“, sagte Pfarrer Berthold Schirge in seiner Andacht. Heute gibt es hingegen „viele religiöse Analphabeten. Ich hoffe, der Altar wird gebraucht, um den Menschen den Glauben wieder nahe zu bringen“, so Schirge. Voraussichtlich Ende 2021 kehrt der Flügelaltar an seinen alten Platz in Teetz zurück. Dann enden die Zeiten der Wanderschaft und Asyl.

Der Altar der Teetzer Kirche kann im Kloster Stift zum Heiligengrabe donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besichtig werden.

Von Christamaria Ruch

Märkische Allgemeine Zeitung, 13.07.2020
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