18.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Heiliger Georg kehrt bald wieder auf den Altar in Börnicke zurück

Dank Spenden wird der Heilige Georg bald wieder seinen Platz auf dem Altar der Börnicker Dorfkirche einnehmen können. Die Kirchengemeinde bekommt bis Jahresende eine Kopie der verschwundenen Originalskulptur.

Holzbildhauerin Luise Harfmann gestaltet das Modell der Figur „Heiliger Georg“ – hier noch aus Plastilin, bald jedoch aus Holz. Quelle: Andreas Kaatz

Ob die beiden Figuren – der Heilige Georg und der Drachen – tatsächlich zum Altar der Börnicker Dorfkirche gehörten, lässt sich nicht mehr genau nachprüfen. Fakt ist: Die Skulpturen sind auf einem alten Foto zu finden, das offenbar im Zeitraum von Anfang des vorigen Jahrhunderts bis in die 30iger-Jahre angefertigt worden ist. Allerdings fehlt heute von Georg und dem Drachen jede Spur.

Sanierung der Dorfkirche

Die Börnicker Dorfkirche ist ein spätgotischer Ziegelbau, der um 1530 als Wehrkirche errichtet wurde.

Der mittelalterliche Altar stammt aus katholischer Zeit vor 1539.

Nach der Reformation wurde der Altar 1604 evangelisch umgearbeitet.

Nach der Wende 1989 hat die Kirchengemeinde die Sanierung der Kirche vorangetrieben.

2013 wurde der Holzwurm aufsehenerregend bekämpft. Die Kirche war in schwarz-rot-goldene Planen gehüllt. Anschließend wurde ein Gas eingeleitet. Danach konnte die Restaurierung der Holzteile beginnen.

Mittlerweile sind unter anderem Altar und Kanzel wiederhergestellt.

Spenden machen es nun allerdings möglich, dass zumindest Kopien wieder an die alten Positionen kommen werden. Die entsprechende Vorlage für Holzbildhauerin Luise Harfmann bildet dazu jenes Foto. Direkt vor Ort in Börnicke fertigte sie erst einmal zwei Modelle aus Plastilin an.

Vergleich angestellt

Damit die Nachbauten letztlich dem Original so nah wie möglich kommen, hatte sie sie immer wieder an ihre künftige Stelle gesetzt und zum Vergleich Fotos aus der gleichen Perspektive gemacht wie einst der Fotograf des alten Schwarz-Weiß-Bildes. So kam sie Schritt für Schritt dem Ziel näher.

Da kommt er hin: Das Plastilin-Modell nimmt probehalber schon mal den Platz ein, an dem früher das Original stand und nun die Holzkopie hinkommen wird. Quelle: Andreas Kaatz

Jetzt gibt sie den Modellen in ihrer Werkstatt in Flensburg den letzten Schliff. Bevor es dann allerdings weitergeht, muss die Denkmalpflege noch ihr OK geben. Ist dies erfolgt, dann macht Luise Harfmann einen Gipsabguss. „Der ist dann die Vorlage zum Schnitzen“, sagt sie. „Bis zum Jahresende sollen die Figuren fertig sein.“ Die passende Farbe bekommen sie dann von Restauratorin Annett Schulz.

Altar ist zusammen gesetzt

Dass unklar ist, ob die Figuren hoch oben auf dem Altar tatsächlich zu diesem gehören, ist für Holzbildhauerin Luise Harfmann an sich nicht schlimm. „Der ganze Altar ist schließlich aus Elementen aus mehreren Epochen zusammengesetzt – ob Gotik, Renaissance oder Barock. Verschiedene Stile sind dort zu finden.“ Da passe es ins Gesamtbild, dass die Figuren mit hinein gesetzt wurden.

Die Restauratoren Annett und Konrad Schulz versehen die Kanzel mit einem Schutzanstrich. Quelle: Andreas Kaatz

Für Luise Harfmann ist es nicht das erste Projekt in Börnicke. Sie hat schon so einiges dazu beigetragen, dass der Altar immer weiter komplettiert wurde. Gemeinsam mit Kollegin Christine Dahmen sorgte sie 2015 dafür, dass beispielsweise wieder ein hölzerner Steinbock über ein Bredowsches Wappen kam. 25 fehlende Holzteile wurde damals ergänzt. Und seit vergangenem Jahr stehen auch wieder die hölzernen Vasen und Pokale an ihrem Platz oben auf dem Altar.

Kirchenratsvorsitzender ist zufrieden

Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Jörg Schütt freut sich, dass die Arbeiten an der Kirche insgesamt recht gut vonstatten gehen. Das betrifft auch die Komplettierung des Altars mit den Skulpturen. „Ich dachte, das wird bestimmt zehn bis 20 Jahre dauern“, meinte er. Doch dank großzügiger Spenden kam man wider Erwarten gut voran.

So hat beispielsweise die Stiftung Maßwerk 8500 Euro bereit gestellt, damit der Heilige Georg und der Drachen neu angefertigt werden können. Weitere Spenden kamen von Börnickern, darunter mehrere Firmen. Unter anderem hat auch die Familie Engler eine Menge Geld beigesteuert, damit etwa die Vasen und die Engel im Schleierbrett nachgebaut werden konnten. „Wir sind schon ganz schön weit gekommen und sind glücklich darüber“, sagte Jörg Schütt.

Neue Heizung erforderlich

Jetzt muss noch die alte Kohleheizung durch eine moderne ersetzt und anschließend der Innenraum umfassend renoviert werden. Wann das geschieht, ist bisher offen. In diesem Jahr ist geplant, die Winterkirche zu renovieren, wobei es allerdings noch an Geld fehlt. Froh ist Schüttindes darüber, dass die Kanzel bis auf wenige Restarbeiten restauriert ist. Die Restauratoren Annett und Konrad Schulz haben ihr jetzt noch abschließend einen Schutzanstrich verpasst.

Die Kanzel war davor im Jahre 1739 das letzte Mal restauriert worden. Und dieser Zustand sollte im Grunde auch erhalten bleiben. Annett Schulz durfte entsprechend den Vorgaben des Denkmalamtes nur eine Reinigung vornehmen sowie die Fehlstellen ausbessern und mit Farbe versehen.

Maserung erhalten geblieben

Beim Treppenaufgang zur Kanzel wurde zudem die Holzmaserung aus der Barockzeit – eine Farbschicht aus dem 18. Jahrhundert – mühsam mit dem Skalpell wieder vom Anstrich aus DDR-Zeiten befreit. „Es ist eine Besonderheit, dass so eine Maserung erhalten geblieben ist“, sagte Annett Schulz

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.09.2019
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