18.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Historischer Fußboden in Kloster Zinna entdeckt

Lange hat man nach dem alten Fußboden der Klosterkirche gesucht, aber nie etwas gefunden. Jetzt legten ihn die Restauratoren gleich an zwei Stellen frei – und stehen vor einem Rätsel.

Dass sich der alte Fußboden einer alten Kirche irgendwo unter den Füßen ihrer Besucher befinden muss, ist klar. Aber bisher war er in der Klosterkirche in Kloster Zinna noch nicht aufgetaucht. „Nur Schotter, Kies und Sand“, so die Kirchenälteste Ingrid Rosenzweig, habe man unter den neueren Schichten der Fußbodenbefestigung gefunden.

In der Sakristei, so erinnert sich Ingrid Rosenzweig, hatte man sogar den gesamten Holzboden aufgenommen, um nach alten steinernen Relikten eines Fußbodens aus früheren Phasen des Kirchenbaus zu suchen, aber auch das verlief ergebnislos.

Nun aber fand man ebenso unerwartet wie unverhofft alte Ziegelsteine unter einer dünnen Mörtelschicht, die darauf hindeuten, dass es sich dabei um einen mittelalterlichen Fußboden handelt.

Alte Bodenfliesen als Stolperfallen

Im nördlichen Querraum wollten die Restauratoren die etwa 100 Jahre alten quadratischen Fußbodenfliesen aufnehmen und durch neue ersetzen. Die alten liegen unterschiedlich hoch und fallen teilweise schräg ab. „Richtige Stolperfallen“, meint Ingrid Rosenzweig. Dabei bemerkten Chefrestaurator Olaf Schwieger und seine Praktikantin Hanna Röhrs, dass ein Teil der Fußbodenfläche nicht mit Platten belegt war. Stattdessen war dort eine Mörtelschicht gegossen worden, auf der in der Größe der Platten Trennungslinien geritzt waren, um ein einheitliches Bild zu vermitteln. Als die beiden Restauratoren diese Schicht mit Hammer und Meißel aufklopften, stießen sie auf alte Ziegelsteine.

Olaf Schwieger, der die Sanierung der Marienkirche in Kloster Zinnaseit 2012, also seit dem ersten Bauabschnitt, begleitet, geht davon aus, dass bei der vorangegangenen Sanierung, die zwischen 1865 und 1897 stattgefunden hatte, der alte Fußboden herausgenommen wurde. Nur eben an der Stelle nicht, weil dort irgendetwas gestanden haben dürfte. Später, als dieses Etwas weggeräumt wurde, habe man einfach eine Mörtelschicht über den alten, nicht entfernten Fußboden gegossen. „Das ist natürlich alles sehr spekulativ“, räumt Olaf Schwieger ein.

Mineralische Baustoffe schwer zu terminieren

Auch könne man das Alter der historischen Ziegel nur grob schätzen. „Mineralische Baustoffe lassen sich nun mal nicht so terminieren wie Holz“, sagt der Restaurator. Von der quadratischen Form und der Größe her könnte es sich um spätmittelalterliche Ziegel aus dem 14. oder 15. Jahrhundert handeln, meint Schwieger, aber auch das nur unter Vorbehalt. Ungewöhnlich seien dabei die schmalen Elemente dazwischen. „Vielleicht ist es auch nur ein gestalterisches Element“, mutmaßt Olaf Schwieger.

Interessanterweise entdeckte er mit Praktikantin Hanna Röhrs, die Studentin der Kunstgeschichte ist, auch im südlichen Querraum der großen Klosterkirche, mit deren Bau 1171 begonnen,und die 1226 geweiht wurde, eine solche Mörtelschicht, auf der die Form der sie umgebenden Bodenfliesen ebenfalls eingeritzt ist. Die Steine, die darunter zum Vorschein treten, haben aber wieder eine ganz andere Form, was zu neuen Rätseleien führt.

Befund soll sichtbar bleiben

Wie auch immer man sich das erklären mag: Die alten Fußbodenflächen sollen nicht wieder wie früher einfach zugeschüttet oder gar entfernt werden, sondern der alte Befund soll wie an vielen anderen Stellen der Kirche gesichert werden, aber auch sichtbar gemacht werden. Beide Flächen werden wohl offen gelassen, weil sonst nirgendwo eine Spur des mittelalterlichen Fußbodens zu finden ist.

Von Hartmut F. Reck

Märkische Allgemeine Zeitung, 18.02.2020
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