05.04.2020  –  Märkische Oderzeitung

Historisches aus dem Hohen Fläming: Belziger bekommen ein „prächtiges Geläut“

Die Ankunft der Glocken wurde fotografisch festgehalten.© Foto: Chronik Belzig

Bärbel Kraemer / 05.04.2020, 10:00 UhrBelzig  Im März 1920 veranstaltete der Gemischte Chor von Belzig unter Leitung des Kantors Kuhlmey in der Marienkirche ein Passionskonzert. Die Erlöse desselben stiftete der Chor der Kirchengemeinde für die Anschaffung eines neuen Geläuts. Ein Dreiergeläut für knapp 30.000 Mark hatte die Gemeinde im Stahlwerk Torgau in Auftrag gegeben.

„Wie wohltuend wirkte es auf das Gemüt“, als sich die Pforten der Marienkirche öffneten und „Frau musica sacra inmitten der Unruhe der Zeit ihre ruhige Stimme der Ewigkeit erklingen ließ!“, wird einige Tage später über das Konzert im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ berichtet. Eröffnet wurde das Konzert mit Bachs Präludium in g-moll; beendet mit der erfreulichen Nachricht, dass 1.400 Mark an den Glockenfonds überwiesen werden können.

Am 30. Juni 1920 war es endlich soweit. Auf dem Städtebahnhof fuhr eine Lokomotive mit wertvoller Fracht ein: Den drei neuen Kirchenglocken. Nach der Ankunft des Zuges und der Entladung der Glocken vom Waggon wurden dieselben mittels Pferdefuhrwerk zum Kirchplatz gefahren. Auch darüber berichtet das „Kreisblatt“. In der Ausgabe vom 3. Juli heißt es: „Mit Eichenkränzen und frischem Tannengrün geschmückt, wurden sie durch unser Städtchen gefahren. Das Heruntersetzen vom Wagen auf die Erde hatte nicht geringe Mühe gemacht; aber in solchen Dingen erfahrene Männer wußten geschickt anzufassen, und bald war die Arbeit getan. Die Glocken sind aus Stahl hergestellt. Sie haben einen Durchmesser von 171, 147 und 120 und eine Höhe von 136, 122, und 100 Zentimetern und ein Gewicht von 50,54, 30,00 und 18,46 Zentnern. Der Klöppel der großen Glocke wiegt allein 225 Pfund. Die Glocken bleiben auf dem Kirchplatz stehen, bis der Monteur des Lauchhammer-Werks eintrifft. So ist den Belzigern Gelegenheit gegeben, das neue Geläut eingehend zu besichtigen, und mancher hat schon den Gang nach dem Kirchplatz angetreten und sich über den schönen Anblick herzlich gefreut.“

Doch mit Freude und Stolz allein war es nicht getan. Noch immer war eine nicht unbedeutende Summe offen, so dass man in der Gemeinde die Hoffnung hegte, „daß die Freude an dem schönen Besitz noch so manche Hand öffnen wird.“ Mit Stolz verkündete man das Urteil des Sachverständigen Professors Biehle, der nach der Glockenabnahme erklärt hatte, dass die Belziger ein „prächtiges Geläut“ bekommen.

Alexander Mallwitz, Herausgeber des „Kreisblatts“, äußerte am Ende seiner Berichterstattung folgenden Wunsch: „Möchten die Glocken mit ihrem Dreiklang unsere Kinder und Enkel auf dem Wege in eine bessere Zukunft begleiten und die Worte sich erfüllen ‚Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute’.“

Eine Woche nach der Ankunft des Geläuts folgte die nächste Meldung: „Nun sind die Glocken ohne Unfall mit Gottes Hilfe auf den Turm gebracht worden! Dank der verständnisvollen und fleißigen Zusammenarbeit vieler Hände ist dies schwere Werk in der kurzen Zeit von vier Tagen vonstatten gegangen. Am Sonntag um 1/2 zehn Uhr findet nun die Weihe der Glocken statt, wozu auch die Tochtergemeinde Preußnitz in die Mutterkirche eingeladen ist. Der Frühgottesdienst in der Bricciuskapelle fällt an diesem Tage aus, da angenommen werden darf, daß die Gemeindeglieder der Glockenfeier beizuwohnen vorziehen werden. Die Gemeinde kann damit rechnen, daß morgen Mittag die Glocken zur Probe geläutet werden.“

Für den 11. Juli war die Glockenweihe anberaumt. Ein Ereignis, über das auch im „Kreisblatt“ berichtet wurde. Es heißt: „Trüb graute der Sonntagmorgen. Es war gar nicht wie der Beginn eines Julitages. Als aber die Glocke, der letzte kleinste Rest, des früheren schönen Bronzegeläutes, die Gemeinde zur Weihe ihrer neuen Glocken ins Glockenhaus rief, lachte heller Sonnenschein vom Himmel herab und verklärte mit seinem Licht den lang ersehnten Festtag. Auch der Himmel wollte dem neuen Geläut seine Weihe geben. Im geschlossenen Zuge begaben sich die Kirchlichen Körperschaften, die sich in der Superintendentur versammelt hatten, zur Kirche. Der Gottesdienst verlief in seinen gewohnten Bahnen.“ Wieder mit dabei, war der Gemischte Chor unter Leitung von Kantor Kuhlmey, der die Eingangsliturgie mit Liedern bereicherte. In der Weihrede ging Superintendent Bree auf die Junitage 1917 ein, als die Belziger ihre beiden Bronzeglocken zu Kriegszwecken abliefern mussten. Während das Vaterunser gebetet wurde, erklangen die Glocken mit ihrer mächtigen Stimme. „Es war ein ergreifender Augenblick für die ganze Gemeinde. In manchem Auge blinkte eine Träne. Das Geläut in drei Pulsen begleitete die Gemeindeglieder nach dem Gottesdienst in ihre Häuser.“ Die Kollekte am Ende der Glockenweihe – zugunsten der Glocken –  ergab 310,63 Mark.

Märkische Oderzeitung, 05.04.2020
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