12.12.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Hölzerner Kirchturm von Breitenfeld/Gemeinde Gumtow sieht wieder aus wie neu

Der Kirchturm von Breitenfeld (Gemeinde Gumtow) war bis vor kurzem in einem beklagenswerten Zustand. Nach mehrwöchiger Sanierung erstrahlt er nun wieder in neuem Glanz.

Nach mehrwöchiger Sanierung sind nun die Baugerüste am Breitenfelder Kirchturm gefallen. Zur Bauabnahme trafen sich am Mittwoch Vormittag die an der Arbeit Beteiligten.

Diese wären beispielsweise Jorinde Bugenhagen. Die Architektin wohnt seit mehr als zehn Jahren in Breitenfeld und hatte im Juli 2018 mit einigen Mitstreitern einen Förderverein gegründet, der sich als erstes Großvorhaben um die Rettung des damals stark verfallenen Glockenturmes zur Aufgabe machte. Mit Erfolg, wie man nun sehen kann.

Der Bund förderte die Sanierung

Die Firma des Blumenthaler Zimmerermeister Jens Kämmerer hatte die Arbeiten übernommen. Mehrere Wochen lang waren er und seine Mitarbeiter damit beschäftigt, die schadhaften Balken auszutauschenund die Verschalung aus witterungsbeständigen Holzbrettern komplett zu erneuern. Die vom Bund geförderten Arbeiten kosteten rund 35 000 Euro.

Bauabnahme des Breitenfelder Kirchturms nach der Sanierung durch die Untere Denkmalbehörde Quelle: André Reichel

Zur Bauabnahme kam auch Gordon Thalmann von der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Prignitz in Perleberg. Als Fachmann für historische Bauwerke warf er beim Rundgang durch den dreigeschossigen Holzturm einen prüfenden Blick auf die Arbeit der Zimmermänner. Zu beanstanden gab es dabei nichts. Voll des Loben sagte Thalmann: „Die historische Mitte von Breitenfeld ist gerettet und zudem wieder schön anzusehen.“

Auch kulturelle Veranstaltungen in der Kirche

Heiko Jaap, Baubeauftragter des Kirchenkreises Prignitz-Havelland-Ruppin, kam auch eigens nach Breitenfeld, um sich das Ergebnis der Turmsanierung anzusehen. Er ist in seinem Arbeitsgebiet für 220 Kirchen zuständig. „Mit einer engagierten Fachfrau, wie Jorinde Bugenhagen weiss ich die Breitenfelder Kirche auch künftig in guten Händen“, sagte er.

Dies sagte er wohl wissend, dass in dieser Kirche maximal zweimal im Jahr Gottesdienste gefeiert werden, das Gebäude dafür aber künftig in wachsenden Maße für kulturelle Ereignisse (unter andere vom Förderverein mit organisiert) genutzt werden wird.

Die Glocken dürfen endlich wieder läuten

Rudi Türk, der seit 1973 in Breitenfeld wohnt und seither im Dorf auch die Kirchenglocken läutet, war ebenfalls mit vor Ort. Beim Gottesdienst am 25. Dezember um 19 Uhr hat er nach fast einem Jahr erstmals wieder die Gelegenheit, die Glocken zu läuten, worauf er sich schon sehr freut.

Ein Sachverständiger hatte das Läuten nach einer Prüfung untersagt. „Die Standsicherheit der maroden Balkenkonstruktion hatte es nicht mehr erlaubt“ berichtete Jorinde Bugenhagen. Sie hatte zusammen mit dem ebenfalls im Dorf wohnenden Holzsachverständigen die Schadenskartierung am Turm im Vorfeld der Sanierung vorgenommen.

Jens Kämmerer führte die kleine Gruppe durch den Turm und erläuterte seine Arbeiten. Mehr als die Hälfte des Gebälks war verrottet und musste ausgetauscht werden.

Die Baugeschichte der Kirche wird erforscht

Eine Wetterfahne an der Spitze des Turmes trägt die Jahreszahl 1684 und scheint das Baudatum von Kirche und Turm anzuzeigen. Doch so eindeutig ist die Sache gerade beim Turm nicht. Die ältesten noch erhaltenen Balken befinden sich jedenfalls ganz oben unter dem Dach. An ihnen sieht man, dass sie schon einmal verbaut waren. „Vielleicht stammen sie vom Vorgängerbau des Glockenturmes“, sagt Gordon Thalmann.

Der Landkreis ließ während der Sanierung Holzproben nehmen, um das Alter zu bestimmen. Anhand der Jahresringe kann man unter guten Voraussetzungen das Fälldatum jahresgenau ermitteln. „Das Ergebnis stehen noch aus“, berichtet der Denkmalschützer.

Von André Reichel

Märkische Allgemeine Zeitung, 12.12.2019