10.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Hohenahlsdorf – Aus mächtigen Feldsteinen gefügt

Das Gotteshaus in Hohenahlsdorf hat eine markante Feldstein-Fassade, aber keinen Unterbau. Baumwurzeln haben sich inzwischen den Weg ins Innere gebahnt. Der Fußboden der Kirche müsste daher dringend geschlossen werden.

Der Feldsteinquaderbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Hohenahlsdorf ist zu großen Teilen verputzt. Auf der Nordseite bis auf den Sockel, der östliche Anbau fast gar nicht. Deshalb ist die mit Feldsteinenvermauerte Priesterpforte auf der Südseite des Anbaus gut zu erkennen. Überhaupt sieht die Südseite interessant aus, weil ein großer Teil unverputzt ist, als wäre den Steinen ein Überwurf verpasst worden. Cornelia Partuschvom Gemeindekirchenrat sagt: „Zementputz gehört nicht an die Kirche.“ Ihr Mitstreiter Frank Reuschel versichert: „Der wird weggemacht, dann sieht unsere Kirche so wie die in Gräfendorf aus. Die ZBO hat das in der Wendezeit gut gemacht. Jetzt bröckelt der Putz langsam.“ 

Am wichtigsten ist jetzt die Arbeit in der Kirche, um die Wurzeln zu beseitigen, den Altar zu sichern und den Fußboden zu schließen. Da müssen Fachleute ran. Das bedarf der Vorbereitung. In Eigenregie soll die Trauerhalle verschönert werden. Die beiden Kirchenratsmitglieder sind sich sicher, dass sich Helfer finden. Auch nicht kirchlich gebundene Einwohner wollen ihr Gotteshaus erhalten. Die Trauerhalle war einst eine zweigeschossige Patronatsloge mit eigenem Eingang und gehörte bis 1949 zum nahen Gutshaus. Der Zugang ins Kirchenschiff wurde vermutlich beim Umbau 1967 zugemauert. Jetzt ist außen herumzugehen. Auffallend dabei sind die vielen Türen, die meisten mit sehr schönen Beschlägen, besonders die alte Tür auf der Südseite.

Glockenturm in der Mitte ist verschwunden

In den Jahrhunderten ist viel passiert. 1906 war das gesamte Dorf sicher mehrmals auf den Beinen: Rittergutsbesitzer Becker heiratete im März, im Juni wurde Missionsfest gefeiert. 1664 war der Ort teilweise wüst. Vermutlich war auch die Kirche erneuerungsbedürftig. 1673 bekam sie einen Glockenturm in der Mitte, der längst verschwunden ist. „In der Dachstuhlkonstruktion sind noch die abgeschnittenen Hölzer zu erkennen“, schrieb Hiltrud Preuß, Mitarbeiterin der Denkmalbehörde des Kreises. Von Dezember 2001 bis 2002 wurden rund 170 000 Euro in die Sanierung samt Holzgutachten mit Dachdeckung gesteckt.

Über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden Fenster und Innenraum gestrichen, farblich an die Fassung des 19. Jahrhunderts angepasst, nur ohne die einstige bemalte Quaderung. „Bis zur Sanierung hatte der Innenraum eine hellgrüne Farbgebung“, sagt Cornelia Partusch. Der heutige Dachturm mit der 1681 in Wittenberg gekauften Glocke stammt aus dem 19. Jahrhundert, als der Eingangsbereich im Westen erweitert wurde. Der hübsche Taufstein mit der Messingschale dürfte aus dem 17. Jahrhundert sein. „Die Verkündigung ist eines der Standardmotive dieser sogenannten Beckenschlägerschüsseln; damals durchaus Massenwaren, heute oft die ältesten Ausstattungsstücke in den Kirchen“, erläutert Marcus Cante vom Landesdenkmalamt.

Neugotischer Altar verschwand in der Abstellkammer

1676 stifteten die „tugendbegabten Jungfrauen“ Barbara Maria und Hyppoletta Elisabeth von Schönermark einen Altar. Alexander Friedrichvon Schönermark war „Erb und Gerichts Herr auff hohen Aalßdorff und Diener am Worth Gottes alhier.“ So steht es heute unter dem Altarbild, das an der Nordseite hängt. Von Schönermarks waren von 1558 bis 1781 Besitzer des Gutes. Bis wann der zugehörige Altar vorhanden war, ist unbekannt. Auf jeden Fall stand im Oktober 1967 ein neugotischer Altar in der Kirche. Der wurde abgebaut und bis 1985 in eine Abstellkammer verfrachtet. Den Verkauf untersagte das kirchliche Bauamt. An seine Stelle kam das „ehemalige Altarbild Kreuzigung Christi, respektable Barockmalerei“. 

Reger Briefwechsel mit Behörden

Zwischen Kirchenbauamt, Konsistorium, Kirchgemeinde und Superintendantur Jüterbog gingen zwischen 1965 und 1967 viele Schreiben hin und her. Pfarrer Reißner erhielt 1967 eine Zeichnung mit der geplanten Konstruktion des künftigen Altars. Das Altarbild sollte einen Rahmen mit einem starken Profil erhalten. Die Leuchter links und rechts waren so zu stellen, „dass sie das Bild nicht wieder schwärzen können. Ruß und Stearin schädigen das Bild sehr schnell“. Beigefügt war der Entwurf für ein neues Meditationskreuz in Kupfer oder Messing. Auch Borgisdorf sollte eins erhalten. Für die Holzarbeiten wurde Tischler Schröder in Niemegk empfohlen, falls in Jüterbog keiner zu finden ist. Wenn der nicht kann, sollte Brämer in Potsdam gebeten werden, der seit 18 Jahren für die Kirche arbeitet. „Der Fußboden im Altarbereich bedarf der Ergänzung, wo bisher schlechtes Gestühl stand.“ Das Dach des Glockentürmchens sollte mit Preolitschindeln gedeckt werden. 

Adresse und Ansprechpartner

Die Kirche steht am Dorfteich der Gemeinde Niederer Fläming, Ortsteil Hohenahlsdorf.

Sie gehört zur Evangelischen Christophorus-Kirchengemeinde in Borgisdorf.

Das Pfarrbüro ist am Dienstag von 8 bis 12 Uhr geöffnet, Telefon 033746/7 22 71, E-Mail: Pfarramt@Borgisdorf.deDie Vakanzverwaltung haben Pfarrerin Ines Fürstenau-Ellerbrock in Niedergörsdorf und Tileman Wiarda in Jüterbog.

Im Oktober 1965 war festgelegt worden, dass das Dach über dem Schiffund dem Choranbau umgedeckt wird. „Die Empore muss verglast werden.“ Sie sollte zur Winterkirche umgebaut werden. Die Längsempore verdunkelte das Schiff. Sie habe „keinen historischen Wert“, und „die Orgel ist viel zu groß.“ Der Innenputz sollte ausgebessert und der Rest der Herrschaftsloge rausgenommen werden. Im Mai 1967 war einiges vollbracht: „Die Längsempore ist herausgenommen, wodurch der Kirchenraum außerordentlich gewonnen hat.“

Laut dem „Handbuch der Kunstdenkmäler“ war es die Südempore, die entfernt worden war. Auf der West-Empore war der projektierte Gemeinderaum einzubauen. „Die dortige kaum noch spielbare Orgel ist herauszunehmen und zunächst durch ein Harmonium zu ersetzen.“ Sobald die Finanzierung für den Bau des Gemeinderaums klar sei, „soll die Elektrifizierung und Heizbarmachung des Gemeinderaums auf der Empore geklärt werden“. Das ist wohl alles so geschehen. Auf der fensterlosen Nordseite war die Patronatsloge. Die große Orgel haben beide Gemeindekirchenratsmitglieder nie gesehen. An das Harmonium erinnern sie sich. Es wurde inzwischen durch eine kleine transportable Orgel ersetzt, die neben dem Altar steht.

Von Waltraud Behrendt

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.02.2020
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Dorfkirche Hohenahlsdorf im Pressespiegel
Hohenahlsdorf – Aus mächtigen Feldsteinen gefügt 10.02.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung