22.03.2020  –  Lausitzer Rundschau

Homegottesdienst und Haustaufen: Kirchen passen sich an

Die Klosterkirche St. Trinitatis im brandenburgischen Neuruppin ist fast menschenleer. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © Foto: Paul Zinken

Weil Gottesdienste während der Corona-Krise verboten sind, werden die Kirchen kreativ. Ein evangelischer Pfarrer aus Brück (Potsdam-Mittelmark) versammelt seine Gemeinde nun per Telefonschalte zum Gottesdienst. „Da sitzt der Klavierspieler in Belzig, der Moderator in Rottstock und die Gemeindemitglieder überall verteilt“, sagte Pfarrer Helmut Kautz.

Der erste „Homegottesdienst“ vor einer Woche war dennoch erfolgreich. „Aber auch richtig schräg. Da waren Dunstabzugshauben zu hören und Geschirr wurde abgewaschen.“ Die Gemeindemitglieder müssten sich noch daran gewöhnen. Kautz schätzt, dass rund 50 der etwa 1000 Gemeindemitglieder teilnahmen. „Mit Hochglanz-produzierten Gottesdiensten im Fernsehen können wir nicht mithalten, aber wir können Gemeinschaft stiften, ohne uns zu berühren – das neue Ideal in diesen Tagen.“ Zuvor hatte der Evangelische Pressedienst über die „Homegottesdienste“ berichtet.

Auch katholische Geistliche suchen neue Wege, das Gemeindeleben aufrecht zu halten. Priester taufen Kinder beispielsweise in den Wohnungen der Eltern – selbstverständlich ohne Gäste, erklärt ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin, das auch für Brandenburg zuständig ist. Messen werden im Fernsehen oder im Internet übertragen. Auffällig sei, dass viele Menschen – vor allem in Potsdam – aber ihre örtliche Gemeinde streamen. „Gerade in diesen schwierigen Zeiten suchen die Menschen Nähe“, erklärt der Sprecher. „Jetzt muss Nächstenliebe aus der Ferne gezeigt werden.“

Auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) bietet verschiedene Online-Formate an. Eine Cottbusser Kirche überträgt ihren Gottesdienst auf Facebook, bei der Kirchengemeinde in Spremberg ist der Live-Stream auf der eigenen Homepage zu sehen. Die Sternkirche in Potsdam bietet, ähnlich wie in Brück, einen Telefon-Gottesdienst an, um auch die Gemeindeglieder zu erreichen, die keine Erfahrungen mit dem Internet haben.

Neben den sonntäglichen Gottesdiensten ruft Pfarrer Helmut Kautz seine Gemeindemitglieder zu einem täglichen „Seuchengebet“ per Telefon um 19 Uhr auf. Dazu nutzt er einen Gebetstext aus dem Jahr 1829. 10 bis 15 Leute kommen so täglich über den Hörer zusammen.

Auch EKBO-Bischof Christian Stäblein lädt jeden Tag um 12 Uhr dazu ein, gemeinsam mit ihm zu beten. Das Mittagsgebet wird nach Angaben der evangelischen Kirche auf Facebook, der EKBO-Homepage und auf Radio Paradiso übertragen.

Mitteilung Kirchengemeinde Brück

Lausitzer Rundschau, 22.03.2020