12.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Ihlower Orgel erstrahlt im neuen Glanz

Als „klein aber fein“ beschreibt Orgelbauer Benjamin Welde die Waeldner-Orgel in Ihlow. Eineinhalb Jahre hat der Zittauer daran gearbeitet, das Instrument im neuen Glanz erstrahlen zu lassen.

Zehn Jahre lang mussten die Besucher von Gottesdiensten in Ihlow auf den Klang ihrer Orgel verzichten. In wenigen Tagen hat das Warten darauf ein Ende. Mit einem musikalischen Festgottesdienst ihm zu Ehren wird das dann frisch restaurierte Instrument am 27. September um 18.30 Uhr im Beisein von Bischof Christian Stäblein feierlich wieder in Betrieb genommen.

Was der Laie für Chaos hält, ist in Wirklichkeit Orgelbaukunst der Hohen Schule. Quelle: Uwe Klemens

Wie viel Mühe notwendig war, um die vor 146 Jahren vom Hallenser Orgelbaumeister Ferdinand Waeldner auf der Empore errichtete Orgel nicht nur akustisch, sondern auch optisch zum Strahlen zu bringen, weiß wohl niemand besser als Benjamin Welde. Der Zittauer Orgelbauer hat bereits mehrere Orgeln des Hallensers restauriert und wurde der Kirchgemeinde von Kreiskantor Peter-Michael Seifried empfohlen.

Orgelbaukunst aus Halle an der Saale

„Die Ihlower Orgel mit ihren gerade mal sieben Registern, nur einem Manual und insgesamt 334 Holz- und Metallpfeifen ist dabei eher eine kleine Waeldner-Orgel und ich war überrascht, dass er sogar in dieser Region gebaut hat, wo ich eher einen der damaligen Berliner Orgelbauer vermutet hätte“, sagt Welde.

Orgelbau ist Handwerkskunst, wie sich beim Blick in Benjamin Weldes „Nähkästchen“ zeigt.

Orgelbau ist Handwerkskunst, wie sich beim Blick in Benjamin Weldes „Nähkästchen“ zeigt. Quelle: Uwe Klemens

Warum trotz des optisch nicht allzu schlechten Zustandes nur noch leises Quietschen aus den Pfeifen drang, wurde Welde schnell klar, als er das Instrument vor eineinhalb Jahren auf Seifrieds Bitten zum ersten Mal in Augenschein nahm. Der aus Leder, Holz und tierischer Sehne hergestellte Blasebalg war stark zerfressen und musste komplett erneuert werden. „Alleine daran habe ich bestimmt vier Wochen gearbeitet, was mir aber wegen der eingesetzten Materialien großen Spaß gemacht hat“, beschreibt der Orgelbauer.

Auch bei den bis zu 2,40 Meter großen, aus Kiefer gefertigten Holzpfeifen gab es jede Menge zu tun, beschreibt Welde und nimmt eine in der Mitte durchgesägte Pfeife in die Hand, deren Innenseite praktisch keine einzige Stelle mehr aufweist, die nicht vom Holzwurm angenagt wäre. „Etwa ein Sechstel der Holzpfeifen musste ich deshalb komplett neu bauen“, so der Fachmann.

Bleizucker macht Nagern Appetit

Bei den aus klassischem Orgelmetall, einer Legierung aus Zinn und Blei bestehenden Metallpfeifen hatte zwar der Holzwurm keine Chance, aber andere Schädlinge wie Ratten und Marder. „Das liegt vermutlich am Bleizucker der Legierung, der den Nagern offensichtlich schmeckt“, glaubt Welde, der alle Fehlstellen inzwischen wieder fachgerecht ergänzt hat. 

Das bescheiden daherkommende Orgel-Gehäuse fügt sich gut in den schlicht gehaltenen Kirchenraum ein.

Das bescheiden daherkommende Orgel-Gehäuse fügt sich gut in den schlicht gehaltenen Kirchenraum ein.Quelle: Uwe Klemens

Die sichtbarste Veränderung gibt es im Prospekt über dem Manual zu sehen. Alle hier stehenden Pfeifen wurden aus glänzendem Zinn neu geformt. Nun sehen sie wieder so aus wie zur der Zeit, als Waeldner das Gottesdienst-Instrument baute. Denn die Ihlower Orgel hatte im Ersten Weltkrieg das selbe Schicksal ereilt, wie viele ihrer Schwester-Instrumente, deren Pfeifen für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen und später durch billige Zinknachbauten ersetzt wurden. 

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine Zeitung, 12.09.2020
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