09.06.2020  –  Märkische Oderzeitung

In Eberswalde immer der Muschel nach

Wandern mit Abstand: Pfarrer Hanns-Peter Giering geht voran. Ihm folgen Amtsleiter Georg Werdermann, Gastronomen und Tourismusvertreter aus Eberswalde auf dem Stück Jakobsweg durch den Park am Weidendamm. © Foto: Ulrich Wessollek/Stadt Eberswalde
Zeigt geradeaus: die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund © Foto: Ulrich Wessollek/Stadt Eberswalde

Marco Marschall / 09.06.2020, 04:30 Uhr Eberswalde Wer den Jakobsweg geht, wie ihn Hape Kerkeling in seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ beschreibt, startet in Südfrankreich im Örtchen St.-Jean-Pied-de-Port, nahe der spanischen Grenze. Von dort aus sind es knapp 750 Kilometer bis nach Santiago de Compostela am nordwestlichen Zipfel der iberischen Halbinsel – dem Ziel der Pilger. Doch weil Pilgern eigentlich schon vor der Haustür anfängt und weil sich der Hype um die Fußstrecke touristisch gut nutzen lässt, kann der Jakobsweg nun schon auf deutschem Boden begonnen werden.

Von Eberswalde aus sind es knapp 2500 Kilometer bis zum Zielort in Spanien, 1500 zum Pilgerziel Rom. Wer das Wagnis von 505 oder 314 Fußstunden auf sich nehmen möchte, könnte zum Beispiel im Park am Weidendamm starten. Aufkleber mit dem Symbol der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund weisen am Laternenmast ab sofort den Weg. Alle 250 bis 400 Meter zeigt die Muschelspitze, in welche Richtung es geht.

Brot und Stulle

„Der Weg zwischen Stettin und Berlin, über Eberswalde, entwickelt sich zu einem in vielen Bereichen nachhaltigem Unterwegssein. Mit der Beschilderung ist ein weiterer Schritt dazu gemacht“, sagt Georg Werdermann, Leiter des Eberswalder Amtes für Wirtschaftsförderung. Er hatte kürzlich im Café und Restaurant am Weidendamm Vertreter von Tourismus und Kirche um sich gescharrt – der Startschuss für die 40 Kilometer Jakobsweg durch den Barnim und der Lückenschluss im Wegstück von Stettin bis Berlin.

Da durften eben jene nicht fehlen, bei denen die Pilger speisen und rasten können. Bäckermeister Björn Wiese brachte sein Pilgerbrot mit, Gastronom Dirk Planzlaff vom Café am Weidendamm zeigte seine Pilgerstulle. Alf Dürre vom Marina Park Eberswalde warb für sein Bed&Bike, das zehn Betten für müde Reisende bereithält. 150 kommen hinzu, wenn sein Hotel Ende nächsten Jahres fertig wird.

Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Eberswalde sowie des Klosters Chorin schlossen sich der Einladung an, sollten Pilger auf ihrem Weg Einkehr in ihre Häuser suchen. „Beim Wandern wird die Welt Gottes in anderer Art und Weise wahrgenommen“, so der evangelische Stadtpfarrer Hanns-Peter Giering. Er kam in Wanderkluft samt Hut und Stab und mit einem Bild des heiligen Jakobus aus der Bernauer Marienkirche zum Pressetermin. Den Jakobsweg sei er noch nicht gegangen, so Giering.

Anders hingegen Martin Dexheimer, der dem Treffen in Eberswalde ebenfalls beiwohnte. Aus Frankfurt (Oder) war der heute 54-Jährige den Jakobsweg schon gegangen und nach knapp vier Monaten am spanischen Zielort angekommen. In Frankfurt liegen auch die Ursprünge der Idee. Dort bemühte sich die Europa-Universität Viadrina seit 2005 um die Erforschung und Revitalisierung der historischen Jakobswege der Oderregion. Die Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion führt das einst studentische Projekt seit zehn Jahren fort. Sie hatte die neue Beschilderung des Wegstücks zwischen Chorin und Bernau zusammen mit der Projektstelle „Spiritualität und Tourismus“ im Kloster Chorin und der evangelischen Jugend fertiggestellt.

Märkische Oderzeitung, 09.06.2020
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