06.03.2020  –  Märkische Oderzeitung

In Gutengermendorf wird der Teufel ausgetrickst

Pfarrerin Juliane Loarsch zeigt auf den ins Gemäuer des Turms eingelassenen Schachbrettstein.© Foto: Volkmar Ernst

Volkmar Ernst/ 06.03.2020, 06:14 UhrGutengermendorf (MOZ) Es gibt einiges Interessantes in den Ortsteilen des Löwenberger Landes zu entdecken. Ganz typisch sind unter anderem die markanten und wehrhaften Kirchenbauten aus Feldsteinen, wie eine solche unter anderem in Gutengermendorf das Zentrum beherrscht. Der Bau stammt aus dem 13. Jahrhundert, und wer sich die Zeit nimmt, das Gemäuer einmal zu umrunden, der kann dort an der Nordwest- und Südostseite des Turms in einer Höhe von gut einem Meter je einen sogenannten Schachbrettstein entdecken.

Was es mit diesen ungewöhnlichen in die Mauer eingefügten Steinen, die tatsächlich an ein Schachbrett erinnern, auf sich hat, weiß Pfarrerin Juliane Lorasch. Es gibt sogar zwei Erklärungen, wie sie erzählt. Doch die stammen gar nicht aus den deutschen Landen, sondern aus dem Dänischen.

Zwei Geschichten

In der ersten Erklärung treffen sich Gott und der Teufel tatsächlich zum Schachspiel. Der Einsatz sind die Seelen der Einwohner, die derjenige für sich beanspruchen darf, der gewinnt. Mit einem verschmitzten Lächeln bestätigt die Pfarrerin, dass der Gewinner natürlich Gott war und der Teufel nach dem verlorenen Spiel ohne Seelen von dannen zog.

Die zweite Erklärung ist ähnlich. Auch hier lädt Gott den Teufel  zum Spiel ein, um ihn sozusagen auszutricksen. Denn der Teufel ist gar nicht begeistert, dass in Gutengermendorf eine wehrhafte Kirche als weithin sichtbares Zeugnis für den Glauben errichtet werden soll. Doch ist er vom Spiel, das er natürlich gewinnen will, so fasziniert, dass er gar nicht merkt, wie der Bau hochgezogen wird. Ob er das Spiel gegen Gott verloren hat, ist nicht überliefert. Klar indes ist, dass er abgelenkt war und so den Bau des Gotteshauses nicht verhindern konnte.

Doch auch ein Blick in die Kirche lohnt. Die hölzerne Kanzel stammt laut einer Aufschrift auf der Treppentür aus dem Jahr 1697 und steht auf einem gedrehten Fuß. Der Schalldeckel ist ebenfalls aus Holz und hat die Form einer Krone. Der Altar ist vergleichsweise schlicht, das zentrale Element ein Kruzifix. Das Patronatsgestühl an der Chorwand ist mit Pilastern verziert und wurde vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts angefertigt.

Märkische Oderzeitung, 06.03.2020
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Dorfkirche Gutengermendorf im Pressespiegel
In Gutengermendorf wird der Teufel ausgetrickst 06.03.2020 · Märkische Oderzeitung