05.08.2019  –  Märkische Oderzeitung

Irische Klänge auf der Harfe in Gnewikows Kirche

Schöpfte aus den Tiefen der Seele Irlands: Hilary O‘Neill sang, spielte und erzählte in der Gnewikower Dorfkirche.© Foto: Holger Rudolph

 Die mit 50 Zuhörern  gut gefüllte Gnewikower Dorfkirche war am Sonntagnachmittag die vierte Station auf der zweimonatigen Deutschlandtournee der irischen Harfenistin, Sängerin und Geschichtenerzählerin Hilary O’Neill.

„Irische Harfe, Gesang und Geschichten“ lautete der Titel des knapp anderthalbstündigen Programms. O’Neill verstand es dabei, nicht nur Lieder mit viel Gefühl zu singen und sich selbst auf der irischen Harfe zu begleiten. Ihr gelang auch der Exkurs in die an Sagen und Mythen reiche Geschichte der Grünen Insel. So erzählte sie von zwei Riesen, einer in Irland, der andere in Schottland. Deren Versuch, einen Damm zu bauen, misslang zwar, doch so entstand die Isle of Man. Und die Geisterfrau und Erdgöttin Ban-shee ruft immer dann markerweichend und alles durchdringend, wenn jemand stirbt. In ihrer Kindheit habe das Fernsehen kaum eine Rolle gespielt, erzählte O’Neill. Umso wichtiger war es, gemeinsam zu singen, Geschichten zuzuhören und zu musizieren.

Einigen Liedern stellte die Künstlerin eine gelesene deutsche Übersetzung voran. So auch beim zunächst wehmütigen  „John Reilly“, in dem eine Frau sieben Jahre lang auf ihren vermissten Mann wartet, ehe ihr ein Fremder mitteilt, der Langerwartete zu sein. Ihre Freude ist riesig.

Schwermut und Sehnsucht, Lebenslust und Liebe, die gebotenen Lieder stecken voller Emotionen, die bei O’Neill sehr gut zum Ausdruck kamen. Und wer bisher annahm, dass das Rosenlied aus Friedrich von Flotows 1847 uraufgeführter Oper „Martha oder der Markt zu Richmond“ stammt, die derzeit bei der Rheinsberger Kammeroper gespielt wird, wurde eines besseren belehrt. Das Original „Last Rose of Summer“ stammt aus dem Jahre 1805 und wurde vom  Iren Thomas Moore verfasst.

Das letzte Lied auf dem Programmzettel war „Danny Boy“, das auf einer alten irischen Volksweise basiert. Den Text schrieb der Engländer Frederic Weatherly 1910. Es geht um eine junge Frau, deren Geliebter in den Krieg zieht. Sie wartet viele Jahre lang auf ihn und stirbt, ehe er schließlich an ihr Grab heimkehrt. O’Neill sang und spielte nur die erste Strophe. Der Rest sei zu traurig. Vom Publikum gab es riesigen Beifall.

Die Zugabe war sehr viel lustiger. Weil sie unlängst in Schleswig-Holstein aufgetreten ist, spielte O’Neill die Moritat „Ein Hering und eine Makrele“, bei der ein untreuer Hering schließlich zu Salat verarbeitet wird. Nochmals sehr starker Beifall und von der Künstlerin viel Lob für die Kirche, die sich sehr gut für Kulturveranstaltungen eigne.

Märkische Oderzeitung, 05.08.2019
Zur Kirche
Dorfkirche Gnewikow im Pressespiegel
Gnewikower Kirchenverein geehrt 30.10.2019 · Märkische Oderzeitung
Gnewikower Verein gewinnt Ost-Preis 08.08.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Irische Klänge auf der Harfe in Gnewikows Kirche 05.08.2019 · Märkische Oderzeitung
Immenser Kulturschaden nach Kirchenbrand für Eberswalde 11.12.2019 · Märkische Oderzeitung
Denkmalpflege in der Region Teltow-Fläming 10.12.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
500-jährige Schönheit in Passow wiedererweckt 09.12.2019 · Märkische Oderzeitung
Weihnachtskonzert in Sewekow 08.12.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Historische Weihnacht in der Krangener Kirche 08.12.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung