31.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Jüterboger Glockenturm wird zum Funkturm

Einen eigenen Radiosender hat die Kirchengemeinde Jüterbog ins Leben gerufen. Das Programm startet an diesem Samstag. Sonntags wird der Gottesdienst live übertragen. Den Anfang macht der neue Pfarrer.

„Wir lassen von uns hören . . .“, lautet das Motto der neuesten technischen Errungenschaft, mit der die evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai in Jüterbog auf sich aufmerksam machen will und auch den Kontakt zu ihren Mitgliedern in Corona-Zeiten aufrechterhalten möchte. „Unser Ziel ist in erster Linie, diejenigen Menschen zu erreichen, die wegen Corona oder Alter nicht mehr zu uns kommen können“, sagt Jüterbogs Pfarrer Tileman Wiarda.

Programm startet am 1. August

Das tägliche Radioprogramm soll an diesem Sonnabend, dem 1. August, starten. „Wir senden dreimal täglich einen achtstündigen Loop“, erläutert Pfarrer Wiarda. Diese „Loops“, beziehungsweise „Schleifen“ beinhalten zum großen Teil Musikstücke, die in den letzten Wochen und Monaten bei den Übertragungen auf die Außenlautsprecher der Jüterboger Kirchen St. Nikolai und Liebfrauen von Gemeinde- und Kreiskantor Peter-Michael Seifried eingespielt wurden. Und zu jeder vollen Stunde gibt es fünf bis zehn Minuten Texte, Worte und Gedanken, Ankündigungen, Hinweise und aktuelle Informationen aus dem Gemeindeleben.

Geplant war dieses Vorhaben schon länger. Die Idee dazu wurde geboren, als wegen des Corona-Ausbruchs die Kirchen selbst für Gottesdienste geschlossen werden mussten. Die elektronische Übertragung von geistlicher Musik und biblischen Texten war mit Hilfe des Jüterboger Unternehmens Oliver Schulze Veranstaltungstechnik (OSVT) schnell installiert worden. Seit den Lockerungen und den wieder stattfindenden Gottesdiensten werden diese seit Christi Himmelfahrtauch auf dem Youtube-Kanal „Kirchengemeinde Jüterbog“ live übertragen.

Gottesdienste werden live übertragen

Und die Gottesdienste sollen künftig auch im Radio live jeden Sonntag ab 10 Uhr zu hören sein, weil: „Vor allem unsere Senioren haben keinen Computer oder Internetzugang“, sagt Pfarrer Wiarda, „für sie ist ein Radiosender ideal.“

Genau das sei auch der Ursprungsgedanke gewesen, so Wiarda, um trotz Kontaktbeschränkungen den Kontakt zu den Gemeindegliedern zu halten. Nur hat eben die Einrichtung dieses eher schon klassischen Mediums viel länger gebraucht als angenommen.

Radiosender braucht Genehmigung

Denn zunächst ging es darum, eine Genehmigung von der Bundesnetzagentur und von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zu erhalten. „Die mussten erst alle möglichen Leute und Einrichtungen abfragen wie Fluggesellschaften, andere Radiosender und sogar den Bundesgrenzschutz, ob wir ihre Sender stören würden.

Da dies wohl nicht der Fall ist, sind inzwischen alle bürokratischen Hürden überwunden und die Kirchengemeinde darf jetzt auf Sendung gehen. Mit zwei Watt ist die Reichweite eher begrenzt, „aber wir kommen damit mindestens bis Luckenwalde“, meint Wiarda.

Antenne steht auf dem Kirchturm

Empfangen werden kann das Programm in und rund um Jüterbog auf der UKW-Frequenz 90,6 Megaherz. Den Sender und die Antenne hat Oliver Schulze in der Turmstube auf dem Glockenturm mit der Uhr installiert, also dem linken Kirchturm wenn man vor dem Gotteshaus steht.

„Wir gelten als Veranstaltungsrundfunk und haben wegen Corona die Erlaubnis, drei Monate statt nur einen Monat lang zu senden“, berichtet Wiarda. „Wenn das gut funktioniert, überlegen wir uns das weiterzumachen.“ Dies sei billiger als gedacht, aber teuerer als dauerhaft durchzuhalten. Deshalb suche man auch nach Spendern, die dieses Projekt –„gern gegen Namensnennung“ – unterstützen.

Im Moment sei erst einmal geplant, bis etwa Mitte September zu senden und dann wieder gern zur Advents- und Weihnachtszeit.

Den ersten live im Radio übertragenen Gottesdienst wird Jüterbogsneuer Pfarrer Tobias Kampf halten. Er predigt am Sonntag um 8.30 Uhr in St. Nikolai und um 10 Uhr in der Liebfrauenkirche.

Von Hartmut F. Reck

Märkische Allgemeine Zeitung, 31.07.2020
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