27.07.2020  –  Märkische Oderzeitung

Junge Dohlen zum Abflug aus Eberswalde bereit

Hoch hinaus geht es, wenn Dohlen sich Nistplätze suchen. Sie bevorzugen Kolonien zwischen Zepernick und Eberswalde und erhalten Ringe als Geburtsurkunden. Frank Wenzl, Projektmitarbeiter der Hochschule Eberswalde, Rüdiger Flatz als Berringer und Frank Neumann (v.l.) als Vorstandsmitglied des Nabu Barnim auf dem Kirchturm der Maria-Magdalenen-Kirche bei den Dohlen. © Foto: Jens Möller
Junge Dohle: Inzwischen ist das Jungtier wohl flügge geworden. Es wird per Ring am Fuß gezählt und erfasst. © Foto: Jens Möller

Andrea Linne / 27.07.2020, 03:00 Uhr Eberswalde, Zepernick (MOZ) Eckart Pätzold ist nur einer der engagierten Naturschützer. Er arbeitet für die Stadtkirchengemeinde Eberswalde für die Vögel über der Stadt. Dr. Jens Möller vom Fachbereich Naturschutz, der auch immer wieder Studierende begeistern kann, gibt Fachwissen dazu.

Unterstützt vom Naturschutzbund Brandenburg, und vielen ehrenamtlichen Helfern sowie Projektmitarbeitern der Hochschule für nachhaltige Entwicklung kümmert sich ein ganzer Stab um kleine Barnimer Schreihälse, die Dohlen nämlich.

Die schwarzen Rabenvögel lieben es in der Höhe und in Kolonien. Bis zu 150 Brutpaare gibt es zwischen Zepernick, hoch über Bernau, in Brodowin oder Eberswalde. Vor einigen Jahren wurde ein studentisches Projekt ins Leben gerufen, um den streng geschützten Tieren mehr Aufmerksamkeit zu widmen. So entstanden unter anderem auf der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Eberswalde Kästen. Auch hoch über dem Kreishaus im Turm der Maria-Magdalenen-Kirche nisten die Vögel. In Zepernick und Bernau gibt es große Kolonien auf den evangelischen Kirchen. Lichterfelde, Parstein und weitere Dorfkirchen wurden bestückt.

Für Jens Möller, der sich begeistern kann, sind „es wunderbare Vögel“. Hochintelligent seien die Dohlen, verspielt und wahre Sympathieträger. Sie in der Population zu stärken und bei der Berringung zu helfen, unterstützt der Wissenschaftler sehr. Die Nahrungssituation sei wie für viele Tiere schwierig, zumal weite Grünflächen durch die Intensivierung von Ackerland immer seltener würden. Auch Überdüngung trage dazu bei, die Vögel zu verjagen.

Die fallen vor allem durch ihr lautes Schreien auf. Weithin bekannt sind die Tiere auch im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. So kann der Kirchturm von Gransee eine der größten Populationen im nördlichen Brandenburg beheimaten. Doch auch auf dem Zepernicker St.-Annen-Turm sind inzwischen 50 Dohlen und mehr heimisch.

Kamine und Ritzen bevorzugt

„Früher nisteten sie in Felsen“, berichtet Silke Oldorff vom Naturpark in Menz. Mit Holzkästen als Nisthilfen werde ausgeholfen, damit die Dohlen nicht benachbarte Schornsteine beziehen. Die Dohlen sind ungemein gesellig. Die Tiere helfen einander, wie auch Möller bestätigen kann. Deshalb sollten die Kamindohlen nicht vertrieben werden. Man kann ihnen Alternativen anbieten. Auch beim Kastenbau helfen die Naturschützer gern weiter.

Einmal jährlich arbeiten sich Berringer durch die Kirchtürme. Die Jungvögel erhalten ihre Geburtsurkunde. So lässt sich später nachweisen, wo die Schreihälse herkommen, die im Frühjahr laut lachend und kreisend über den Kirchen ihren Partner suchen. Mit der Zählung erfassen die Naturschützer auch die Entwicklung bei den Vögeln.

Im Land Brandenburg gibt es inzwischen wieder weit über tausend Dohlen. Das ist ein Erfolg der vergangenen Jahre. Aber es gibt auch ganze Landstriche ohne Dohlen, zum Beispiel Frankfurt/Oder oder Cottbus. Dabei waren die 35 Zentimeter großen Tiere einst auf fast jedem Kirchturm zu finden. Auch Wassertürme oder frühere Transformatorenhäuser, die meist gemauert waren und abgerissen wurden, dienten den Dohlen gern als Nistplatz.

Fünf bis sechs Eier pro Brutpaar werden 17 Tage lang gehütet, ehe die Jungen schlüpfen. Dann sind sie 30 Tage später flügge und kreisen über den Kirchtürmen. Die kleinsten Vertreter der Raben und Krähen gehören zu den Singvögeln. Sie haben hellblaue Augen und kräftige Schnäbel.

Heidrun Schöning vom Naturschutzbund Brandenburg betont: „Es gibt immer noch das Nabu-Projekt Lebensraum Kirchturm, in dem Kirchengemeinden für den Schutz von ,Turmbewohnern’ wie Fledermäusen, Dohlen, Schleiereulen ausgezeichnet werden.“

Märkische Oderzeitung, 27.07.2020
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