13.05.2019  –  Märkische Oderzeitung

Karwe – Selbst die Kirchen werden fontanisiert

Martin und Sandra Menking sorgten mit Musik aus der Zeit Fontanes für den Rahmen der Auftaktveranstaltung.© Foto: Anja Rütenik

Nachdem erst am vergangenen Freitag die Ausstellung „Fontane trifft Knesebeck“ in Karwe eröffnet wurde, stand dort am Sonntag erneut Brandenburgs berühmtester Dichter im Mittelpunkt: Bei der Eröffnung des Brandenburger Dorfkirchensommers, die in diesem Jahr in der Karwer Kirche stattfand. Die 22. Auflage der Veranstaltungsreihe ist in diesem Jahr – wie sollte es anders sein – dem Schriftsteller gewidmet.

Bis Ende Oktober läuft die aktuelle Saison, in der in zahlreichen Dorfkirchen im Land Veranstaltungen aller Art geboten werden. Und natürlich stand das Karwer Gotteshaus am Sonntag auch bei dem Festvortrag im Mittelpunkt, den Dr. Gabriele Radecke von der Theodor-Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen hielt. Sie berichtete von der Aufarbeitung und Digitalisierung von Fontanes 67 Notizbüchern, an der die Wissenschaftler seit 2011 arbeiten und die, so hofft Gabriele Radecke, Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Dass die Kladden erst so lange nach Fontanes Tod veröffentlicht werden, sei nicht zuletzt der schwierigen Handschrift Fontanes zuzuschreiben.

Die Arbeit wurde mit neuen inhaltlichen Erkenntnissen belohnt, auch zu dem Neuruppiner Ortsteil: So auch jene Erkenntnis, dass Fontane mehrfach in Karwe gewesen sein muss, unter anderem im Juni 1864. Seine Notizen drehten sich in jener Zeit um die Karwer Kirche. Besonders angetan habe sich Fontane von den Gedenktafeln, den Kerzenleuchtern sowie dem Kruzifix im Gotteshaus gezeigt – alles Gegenstände, die auch heute noch dort erhalten sind. Ein „authentischer Fontane-Ort“ sei das Dorf am Ruppiner See, so die Forscherin. Der Bericht über die Dorfkirche sei jedoch erst in der zweiten Auflage der „Wanderungen“ im Jahr 1864 erschienen und aus der dritten, 1875 erschienenen Auflage herausgekürzt worden.

Vor Ort waren am Sonntag auch drei Damen vom Organisationsteam des Dorfkirchensommers: Antje Leschonski, Ilse Matiebel und Katrin Tjaden zeigten sich dankbar, dass die diesjährige Saison in Karwe eröffnet wurde. „Ich möchte, dass die Kirchen belebt werden“, sagte Katrin Tjaden, die seit vier Jahren im Orga-Team ist, mit Nachdruck.

Insgesamt 12 000 Exemplare des Programmhefts haben die Veranstalter, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, drucken lassen. Mit dabei sind ausdrücklich auch Veranstaltungen, die sich nicht um den berühmten märkischen Romancier drehen. Die nächste Veranstaltung unter dem Dach des Dorfkirchensommers findet am Sonnabend, 25. Mai, in der Dorfkirche Radensleben statt. Dort gibt es ab 22 Uhr Orgelmusik zur Nacht.

Zum Abschluss und bevor die Besucher noch in der Scheune des Freiherrn von dem Knesebeck zum Kuchenbuffet geladen waren, dessen Erlös dem Parkverein und der Gemeinde zugute kommen sollte, übergaben die Damen des Dorfkirchensommers noch zwei Umschläge. Sie enthielten für ebenjene Empfänger Spenden der Schirmherrin des Dorfkirchensommers, Landtagspräsidentin Britta Stark. Diese hatte sich wegen einer privaten Feier entschuldigen lassen – die SPD-Politikerin feierte am Sonntag ihren 56. Geburtstag.

TOUREN DURCH BRANDENBURGISCHE DÖRFER

Gegründet wurde der Dorfkirchensommer im Jahr 1996 von vier Berlinerinnen. Den Ausschlag gaben Touren durch brandenburgische Dörfer, bei denen die Frauen in den Pfarrhäusern klingelten und mit den Pfarrern ins Gespräch kamen. Es entstand die Idee, die Veranstaltungen in den Gotteshäusern zentral aufzulisten. Die Organisatoren wollen zeigen, welche Schätze die Dorfkirchen als Mittelpunkt des kulturellen und spirituellen Lebens sind.

Das Programmheft verzeichnet Konzerte und listet unter anderem Gottesdienste, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Feste in den Gotteshäusern auf, die von den jeweiligenKirchengemeinden oder Fördervereinen veranstaltet werden. Der Dorfkirchensommer läuft noch bis Ende Oktober.

Alle Informationen und das komplette Programm sind auch unter dorfkirchensommer.ekbo.de zu finden. Dort kann nach Veranstaltungen in der Nähe gesucht werden. Zudem  können Gemeinden eigene Veranstaltungen in die Datenbank eintragen. ⇥rue

Märkische Oderzeitung, 13.05.2019
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