30.06.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kirche in Zagelsdorf wurde im späten 17. Jahrhundert verputzt

In der MAZ-Serie „Dorfkirchen der Region“ wird diesmal das Gotteshaus in Zagelsdorf vorgestellt, einem Ortsteil von Dahme/Mark. Wann die Kirche erbaut wurde, ist nicht exakt belegt.

Gebaut wurde die Kirche in Zagelsdorf wohl im 14. oder 15. Jahrhundert. Das Dorf wird 1346 als Czagelstorff in der Meißner Bistumsmatrikel mit den Kirchorten der Propstei Dahme erwähnt. Das Gut taucht 1414 erstmals in einer Akte auf. Über den Zustand von Zagelsdorf und andere Orte im Jahr 1634 schrieb der Chronist Heffter: „Sie waren so ausgemattet, dass sie ihre Steuern meist schuldig blieben.“ Das „Historische Ortslexikon“ nennt für 1632 „2 verderbte und arme Bauern, 2 Häusler“. 

Pfarrer Gerhard Witt, der von 1945 bis 1970 im Amt war, notierte, dass die Kirche 1638 zerstört und 1670 notdürftig wieder aufgebaut worden sei. Die Denkmalführer gehen davon aus, dass der Aufbau erst nach 1680 erfolgte, als auch der Westturm eingezogen, im Norden die Loge angebaut, rechteckige Fenster eingebaut und das Gotteshaus verputzt wurden. Nach den Aufzeichnungen des Laubaner Pfarrers Carl Gottlob Dietmann, der seine fünf Bände über sächsische Pfarrer seit der Reformation bis 1750 verfasst hat, war es noch später. Er führte aus, dass die Sonnewaldische Herrschaft die Kirche hat erbauen lassen, „solche mit goldenen heiligen Gefäßen beehret und dem Pfarrer wegen der kleinen Gemeinde in Gehalt genommen“.

Eigentümer wechselten

Die Grafen von Solms-Sonnewalde wurden jedoch erst 1711 Eigentümer von Dorf und Gut; sie beriefen 1713 Pfarrer Müller (siehe Schatz). Über seinen Vorgänger N. Wirth, der 1713 starb, ist nichts bekannt. Müllers Nachfolger wurde Joh. Christ. Wohlfeld, der 1743 antrat und 1748 erst nach Dahme und dann nach Golßen ging. Ihm folgte Johann Karl Opitz, der 1723 in Pretzsch geboren worden war. Sein Vater war dort Superintendent, seine Mutter Tochter des Stifts-Superintendenten Nathusius zu Wurzen. Da war das Gut längst an andere Herren verpachtet. Ob Pächter immer ein Mitspracherecht hatten, wer Pfarrer wurde, lässt sich nur vermuten. Das Küchen-Gut des Dahmer Schlosses schien nicht so viel abzuwerfen, dass sich an der einfachen Ausstattung der Kirche viel hätte ändern können. Von 1720 bis 1785 sind sieben Pächter aufgelistet. Sie alle konnten der Predigt, die von der schlichten Kanzel gehalten wurde, aus ihrer verglasten Patronatsloge folgen.

Klassizistischer Grabstein

Carsten und Hiltrud Preuß schrieben im Buch über die Gutshäuser, dass die Witwe von Gottlieb Klunker das Gut zwischen 1804 und 1806 an die Amtsrätin Scharsig verkaufte. Das Ortslexikon nennt eine andere Käuferin. Doch Maria Dorothea Scharsig begründete neben der Kirche einen kleinen Friedhof auf dem großen Kirchhof. Ihr klassizistischer Grabstein zeigt einen Schmetterling, Bruchstücke der Inschrift sind noch lesbar. Sie war möglicherweise zweimal verheiratet, hatte mehrere Kinder, Verbindungen nach Bärwalde und starb 1832. In dem Jahr kaufte Familie Pittelko das Gut und behielt es bis 1935. Tochter Anna hatte einen Braumüller geheiratet und ließ vor 1909 für ihre Schwester Emma Pittelko ein Haus bauen. In das zogen nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Verwandte aus Pommern. Das Erbbegräbnis Pittelko-Braumüller steht inzwischen wegen der zehn fast gleich gestalteten pultartigen Gusseisen-Tafeln unter Denkmalschutz. „Einmal im Jahr besucht die Familie den Friedhof, auf dem weitere Angehörige bestattet wurden“, sagt die Kirchenälteste Claudia Kühne. Christa Moosdorf erinnert sich an eine Krankenschwester der Familie, die sich um das gesamte Dorf gekümmert hat. Der Niedergang des Gutes soll unter Knut Braumüller mit dem Brand der Brennerei, der Inflation und persönlichen Schicksalsschlägen begonnen und bis zum Konkurs 1935 geführt haben. Nach vielen unterschiedlichsten Nutzungen kaufte 2001 das Missionswerk Josua das Gut und erweiterte es.

Ansprechpartner und Adressen

Die Kirche steht im Zentrum des Dahmer Ortsteils Zagelsdorf.

Das Pfarrbüro der evangelischen Kirchgemeinde befindet sich in der Geschwister-Scholl-Straße 7 in 15936 Dahme/Mark, Telefon 035451/476, E-Mail an: pfarrhaus.dahme@online.de. 

Geöffnet ist Montag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr, Mittwoch von 15 bis 18 Uhr. 

Pfarrerin ist Britta Rostalsky.

Weitere Informationen unter www.dahme.de und www.kkzf.de

Doch zurück zur Kirche: Pfarrer Witt kam 1945 nach Zagelsdorf. Christa Moosdorf erinnert sich noch gut. Der Umbau der Patronatsloge zur Leichenhalle sei auf seine Weisung erfolgt. Nach innen gibt es zwar eine Tür zur Patronatsloge, doch beide Frauen haben sie noch nie geöffnet und bezweifeln, dass dies noch möglich sei, ohne Schaden anzurichten. So versammelt sich die Gemeinde vor der Außentür und geht gemeinsam zum Trauergottesdienst in die Kirche. Von dort ist der Sarg in der Loge nicht zu sehen. Danach wartet der Trauerzug im Kirchgang, bis der Sarg geholt wird und schreitet zum Grab.

Kleine Orgel besorgt

„Pfarrer Witt musste nur uns und Prensdorf betreuen und hat für beide Kirchen eine kleine Orgel besorgt“, sagt Christa Moosdorf. Das war nach der Akte im Kirchenarchiv Berlin 1952 und passt zur Angabe, dass die Kirche 1951 umfassend saniert wurde. Gespielt hat die Orgel zuerst Hedwig Herrmann aus dem Gärtnerhaus des Gutes. 

Als sie starb, kam der Dahmer Organist Walter Seeger in beide Dörfer. 2017 wurde die kleine Schuke-Orgel von der Empore ins Schiff geholt und restauriert. Momentan werden im Rahmen der regelmäßigen Orgelwartung Arbeiten am Blasebalg und zur Holzwurmbekämpfung durchgeführt.

Neuer Spruch für die Empore

Unter Pfarrer Tews erfolgte eine Renovierung nach 1980, wobei die Empore einen neuen Spruch erhielt, und 1996 wurden Turm, Treppe und Dach saniert. Tews löste 1975 Pastor Menard ab und blieb bis 2005, als Reinhild Magirius kam. Seit 2008 betreut Pfarrerin Britta Rostalskydie Gemeinde. Sie findet, das Gotteshaus mit seinem Holzfußboden und flexibler Bestuhlung sei für verschiedene Veranstaltungen geeignet. „So ganz haben wir die Bandbreite noch nicht ausgenutzt.“ Da sei mehr möglich. „Besonders schön sind das Tischabendmahl am Gründonnerstag und der Adventsnachmittag. Der Bibelgebetskreis jeden Montag um 19.30 Uhr ist für alle Menschen offen“, lädt sie ein. 

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes wurde irrtümlich ein Foto der Kirche Zellendorf statt des Bildes der Kirche Zagelsdorf verwendet. Das entsprechende Foto wurde ausgetauscht. Wir bitten, die Verwechselung zu entschuldigen. 

Von Gertraud Behrendt

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