31.03.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kirchenruine Bartschendorf verkauft: Unmut wegen Wohnprojekt

Gemeindevertretern in Dreetz stößt das geplante Wohnprojekt auf, das für die jetzt verkaufte Kirchenruine vorgesehen ist. Und der Weiterbetrieb des Friedhofs könnte schwieriger werden als gedacht.

Die Kirchenruine in Bartschendorf gilt laut dem Kirchenkreisverband per 2. Februar als verkauft.

Regelrecht bestürzt gaben sich einige der Gemeindevertreter in Dreetz bei deren jüngster Sitzung, als sie vom nun doch schon erfolgten Verkauf der Kirchenruine in Bartschendorf erfuhren. Aus einer Informationsvorlage des Amtes Neustadt, in dem es um den Weiterbetrieb des Friedhofs geht, war zu entnehmen, dass laut Kirchenkreisverband der Verkauf der „Teilfläche Kirchen-Ruine“ am 2. Februar vollzogen wurde.

Hatte noch Hoffnung bestanden, dass das Konsistorium als oberste ­Verwaltungsbehörde der Landeskirche nach ihrer Prüfung hinsichtlich der Kirchengesetzmäßigkeiten den Verkauf gar nicht billigt? Dass dieser aber beabsichtigt war, ist seit mindestens einem Jahr in Dreetz eigentlich nichts neues. Da war auch bekannt geworden, dass der Bartschendorfer Friedhof mangels Wirtschaftlichkeit schließt. Die Reste der Kirche wurden für 1900 Euro im Internet zum Verkauf angeboten.

Gemeinde beklagt mangelhafte Informationslage

Dennoch war die Stimmung bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung eine recht aufgebrachte. Es sei mehr als zweifelhaft, „wie die Kirche mit uns umgeht“, sagte etwa Bürgermeister Bernd Schindler – was auch impliziert, dass es zusammen mit der Gemeinde längst eine Lösungssuche hätte geben können.

Zu den Käufern konnte er nur sagen: „Es sind Privatpersonen aus Berlin. Mehr wissen wir nicht. Sie haben jetzt das Gebäude mit einem drei Meter breiten Streifen drumherum und nutzen den Weg.“

Bartschendorfer Bürgerverein will sich kümmern

Einer rief: „Aber dort gibt es doch noch Gräber!“ Ulf Simon: „Das stört die nicht. Es hieß, in Berlin befindet sich der Friedhof auch neben dem Neubaublock.“ Und er schickte mit Blick auf das Wohnen als Nutzungsabsicht voraus: „Dazu wäre eine Bebauungsplanänderung nötig. Ich stimme dann aber nicht zu.“

Gemeindevertreter Simon ist Vorsitzender des noch jungen Bartschendorfer Bürgervereins, um das Dorfleben wieder aufblühen zu lassen, um Veranstaltungen durchzuführen. Dabei kam die Idee auf, sich um die Pflege und weitere Aktivitäten rund um den Friedhof zu bemühen. Das Gelände bliebe im Kircheneigentum. Die Gemeinde übernimmt die Rechte und Pflichten. Und der Verein kümmert sich, hieß es zunächst.

Gemeinde müsste Friedhof von Kirche übernehmen

Doch ganz so einfach wird es nicht, wie in der Gemeinderatssitzung ebenso klar wurde: Nach Gesprächen in der Amtsverwaltung müsste nämlich die Gemeinde zum Eigentümer werden, um Bestattungen durchführen zu können. Allein ein Nutzungswechsel funktioniere nicht, so Simon.

Bürgermeister Schindler erklärte, dass nun Gespräche mit der Kirche bis zur nächsten Sitzung erfolgen sollen. Zudem sendete die Kommunalaufsicht eine Bestattungsordnung mit. Schindler: „Das kann jetzt jeder alles noch mal sacken lassen.“

Bedenken seitens der Kommunalaufsicht möglich

Um herauszufinden, ob eine Fortsetzung des Friedhofsbetriebs seitens der Gemeinde überhaupt gewollt ist angesichts so einiger damit verbundener Bürden – siehe vor allem die schon seitens der Kirche fehlende Wirtschaftlichkeit – fragte sich die Runde ganz unverbindlich selbst. Denn die anstehenden Gespräche müssten ja ein Ziel haben. Ergebnis war ein befürwortendes Kopfnicken der Kommunalpolitiker.

Aus der Luft besonders gut zu erkennen: Das Kirchenschiff hat zwar kein Dach, aber die Mauerkronen sind geschützt.

Aus der Luft besonders gut zu erkennen: Das Kirchenschiff hat zwar kein Dach, aber die Mauerkronen sind geschützt. Quelle: Matthias Anke

Babette Findeis hatte dabei noch mit Blick auf die Informationsvorlage zu Bedenken gegeben: „Wenn man das richtig liest, findet es die Kommunalaufsicht gar nicht so toll, zumindest das Konstrukt Verein-Gemeinde.“ Ulf Simon hierauf: „Die kennen den emotionalen Hintergrund ja nicht.“ Dies betreffe die Kirchenruine, für deren Erhalt sich auch über die Dorfgrenzen hinaus vor Jahren etliche Personen in mehreren Spendenaktionen engagierten, wie auch den Friedhof, wo noch lebende Bartschendorfer gerne ihre letzte Ruhe finden wollen würden.

Die Kommunalaufsicht aber hat das Amt Neustadt zuletzt gebeten „Aussagen zu treffen, welche konkreten Vorstellungen zur stabilen Weiterführung des Friedhofes Bartschendorf in den nächsten 20 Jahren bestehen“.

Erneut Frage nach der Wirtschaftlichkeit

Zudem werden Fragen gestellt, etwa: „Lasten, auch Altlasten soll die Gemeinde Dreetz tragen. Kann hierbei das Kostendeckungsprinzip nach dem Kommunalabgabengesetz des Landes Brandenburg eingehalten werden?“ „Die Kirchengemeinde hat sich aus Wirtschaftlichkeitsgründen zurückgezogen. Wie sieht die Wirtschaftlichkeitsprognose seitens der Gemeinde aus?“

Und weiter: „Die erwarteten Pflichten können durch einen Verein nicht langfristig abgedeckt werden, da niemand die durchgehende Existenz des Vereins für mindestens 20 Jahre garantieren kann. Dann würden alle Lasten auf die Gemeinde Dreetz fallen, die dies im Gemeindehaushalt veranschlagen müsste“, heißt es: „Der Gemeindehaushalt kann sich zurzeit nur durch Rücklagen ausgleichen. Dies ist aber keine längerfristige tragfähige Lösung und kann nicht noch verschärft werden.“

Von Matthias Anke

Märkische Allgemeine Zeitung, 31.03.2021