27.08.2019  –  Märkische Oderzeitung

Kirchensanierung in Golzow – Operation in luftiger Höhe

Hoch hinaus: Der neue Balken wird per Kran in die Kirchturmspitze der Dorfkirche Golzow gehievt. Er ist aus Eichenholz und weniger anfällig für den fiesen Schwamm, der den alten Balken zerstört hat.© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Zerstörerisch: Der holzfressende Pilz Serpula lacrymans hat den Dachbalken in der Kirche bröselig werden lassen.© Foto: thomas burckhardt
Von oben: Durch das Dachfenster wurde der Balken manövriert.© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt

Jetzt geht es los. Endlich. In der Dorfkirche Golzow wird der von Hausschwamm durchsetzte Dachbalken entfernt und durch einen neuen Balken ersetzt. „Eine komplizierte Operation“, so Pfarrerin Beatrix Spreng, die für die Kirchengemeinde zuständig ist.

In der vergangenen Woche rückten nun die Bauarbeiter an, um einen neuen Balken in den Turm zu hieven. In einer Vor-Ort-Begehung besprachen der Architekt Klaus Schmidt, Pfarrerin Spreng und die beteiligten Baufirmen das genaue Vorgehen. Der vom Hausschwamm durchfressene Balken hat eine tragende Funktion im Kirchturm. Der böse Pilz habe sich in den vergangenen Monaten so schnell ausgebreitet, dass der Turm einsturzgefährdet ist. „Wir mussten schnell handeln“, so Pfarrerin Spreng. Den Balken einfach raus zu ziehen, würde die Statik gefährden und der Turm könnte wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Um die Statik nicht zu gefährden wird nun  eine Art Haltekonstruktion gebaut, die die Kräfte  abfangen soll bis der neue Balken an die richtige Stelle eingezogen ist.

Arbeiten auf hohem Niveau

Die schwierige Operation findet in luftiger Höhe im oberen Drittel des Kirchturmes statt: „Golzow hat mit über 50 Metern einen der höchsten Kirchtürme im Kirchenkreis“, so Pfarrerin Beatrix Spreng. Der schwammdurchsetzte Balken ist ungefähr auf 25 Meter Höhe, was die Arbeiten kompliziert macht. Zudem sind die Gänge im Turm eng und  schmal und erschweren die Bauarbeiten. Dazu kommt, dass der Kirchturm  mit den in der DDR üblichen DDT-haltigen Holzschutzmitteln behandelt wurden. DDT gilt als krebserregend und ist mittlerweile verboten. Die Bauarbeiten hoch über den Dächern Golzows müssen aus diesem Grund unter Vollschutz durchgeführt werden: Atemschutzmaske und Schutzanzug sind Pflicht.

„Der neue Balken ist aus Eichenholz und damit weniger anfällig für Pilzbefall“, erklärt der Architekt Schmidt. Die ursprüngliche Idee war es, einen Eisenbalken als Ersatz einzusetzen. Doch das gefiel dem Denkmalschutz nicht. Eichenholz sei zwar schwerer, aber langlebiger, so Schmidt weiter. Zudem werde der Balken so gelegt, dass ringsherum Luft zirkuliert und sich künftig keine Staunässe bilden könne.

Bereits vor zwei Jahren wurde der aggressive Pilzschädling im Gebälk entdeckt. Weil er günstige Wachstumsbedingungen hatte, konnte er sich in kurzer Zeit massiv ausbreiten. Hausschwamm ist ein Pilz, der mit seiner Mycel das Holz komplett zersetzt. Vor allem bei feuchtem Holz mit 35 bis 60 Prozent Holzfeuchtigkeit gedeiht er prächtig.

Bereits Ende nächster Woche, so der Architekt Schmidt, soll die schwierige Operation auf 25 Meter Höhe beendet sein. Den Großteil der Kosten von insgesamt rund 20.000 Euro übernimmt dabei der Denkmalschutz des Landkreises Barnim. Weitere 10.000 Euro werden durch Mittel des Kirchenkreises sowie durch Spenden der Kirchengemeinde finanziert.

Die Kirche Golzow war in den vergangenen Jahren eine Dauerbaustelle und Sorgenkind, erzählt Pfarrerin Spreng. Sie hofft, dass mit dieser Maßnahme die gröbsten Schäden behoben sind. Hausschwamm, Hausbock und Holzwurm hatten das Gotteshaus heimgesucht. 2014 rückte ein  Schädlingsbekämpfungsdienst an, um das Gotteshaus vom Holzbock zu befreien. Zudem wurde das Dach bereits saniert, um den Turm regensicher zu machen.

„Kirchen sind Dauerbaustellen“, sagt der auf denkmalgeschützte Bauten spezialisierte Architekt. Es gebe stets etwas zu tun. Dem kann Pfarrerin Spreng nur beipflichten. Auch sie hat das nächste Projekt schon im Blick: Die wunderschöne alte Uhr am Kirchturm müsste repariert werden. Die Suche nach Geldquellen und Spenden kann beginnen.

Märkische Oderzeitung, 27.08.2019
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