26.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kirchensanierung in Kötzlin kurz vorm Abschluss

Dach und Fassade der knapp 250 Jahre alten Kötzliner Kirche sind voraussichtlich bis November fertig saniert. Der Turm folgt 2020. Die Vorbereitungen der seit April laufenden Bauarbeiten reichen Jahre zurück.

Die Sanierung des Kötzliner Kirchenschiffs steht kurz vor dem Abschluss. Pfarrer Henning Utpatel und Kirchenältester Hans-Joachim Müller freuen sich über die Fördermittel und vielen privaten Spenden. Quelle: Alexander Beckmann

Rot, so wie es Berliner Architekturstudenten im Sommer vorschlugen, wird die Kötzliner Kirche wohl doch nicht. Seit April erhält das Bauwerk vor allem äußerlich eine grundlegende Auffrischung. Der erste Bauabschnitt rund um das Kirchenschiff nähert sich jetzt seinem Abschluss. Die Kirchengemeinde hofft, ihn im Dezember feiern zu können.

Rund 200.000 Euro werden dann verbaut sein. „Der Anlass war, dass das Kirchendach sanierungsbedürftig war“, erinnert Pfarrer Henning Utpatel aus dem benachbarten Breddin. Die knapp 250 Jahre seit dem Bau waren nicht spurlos an den Balken des Dachstuhls vorübergegangen. Auch die knapp 50 Jahre alte Eindeckung mit Betondachsteinen sollte erneuert werden. „Die hielten zwar noch dicht, waren aber nicht das Wahre.“

Jahrelange Vorbereitungen

Ab 2011 beschäftigte sich die Kirchengemeinde mit dem Vorhaben. Konzepte und Pläne entstanden, Anträge wurden gestellt. „Vor drei Jahren war klar, dass 2019 der erste Bauabschnitt finanziert werden kann“, sagt Utpatel. Gemäß dem brandenburgischen Staatskirchenvertrag verpflichtete sich das Land zur Übernahme der Hälfte der Kosten. Den Rest teilen sich die Landeskirche und der Kirchenkreis.

Längst umfasste das Vorhaben mehr als nur eine Dachreparatur. Es reichte bis in den Innenraum. „Es gab die Befürchtung, dass die Decke bei den Zimmererarbeiten in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Das war dann zwar nur in ganz geringem Maße der Fall, aber auch ein alter Wasserschaden war zu beseitigen. Maurer und Maler bekamen also zu tun.

Viele Spenden für die Fenster

„Die Fenster sind zum Teil noch aus der Bauzeit 1775. Aber zum Teil wurden sie auch mal sehr schlicht ersetzt“, nennt der Pfarrer eine weitere Aufgabe. Für die sachgerechte Aufarbeitung startete die Kirchengemeinde eigens die Spendenaktion „Durchblicke schaffen“. Mit Anteilen zu je 20 Euro, symbolisiert durch kleine Glasstücke im Schaukasten vor der Kirche, konnten sich die Kötzliner und alle anderen Unterstützer beteiligen. Aktuell liegt das Spendenaufkommen bei 10.930 Euro. „Dass das so gut funktioniert hat, ist wirklich schön“, freut sich Utpatel.

Pfarrer Henning Utpatel (l.) und Kirchenältester Hans-Joachim Müller freuen sich über die Fördermittel und vielen privaten Spenden. Quelle: Alexander Beckmann

Und auf jeden Fall soll die bis dato putzgraue Fassade einen Anstrich bekommen. Bei ihren Untersuchungen zur Baugeschichte der Kötzliner Kirche, hatten Studenten der Beuth-Hochschule für Technik Berlin Hinweise darauf gefunden, dass das Bauwerk eventuell ursprünglich zu großen Teilen in einem kräftigen, gedeckten Rot gehalten war. Jedenfalls, so ihre Einschätzung, sei das 1775 zur Zeit Friedrichs II. typisch gewesen.

Die Fassade wird nicht rot

Konkrete Zeugnisse dafür ließen sich aber nicht finden. „Restauratorische Untersuchungen aus den 90er Jahren wiesen eher auf einen Rosa-Ton hin“, berichtet Henning Utpatel. Doch der Denkmalschutz halte auch diese Farbe für nicht angemessen. Schließlich habe die Kirchenfassade im Lauf der letzten zweieinhalb Jahrhunderte schon einige Veränderungen erlebt und entspreche schlicht nicht mehr dem ursprünglichen Bild. Aktuell sind eher helle Grau- und Sandtöne im Gespräch.

Mit all dem ist das Vorhaben aber noch keineswegs abgeschlossen. Im Mittelpunkt des zweiten Bauabschnittes wird im nächsten Jahr der Turm stehen. Er gilt als die Achillesferse der Kötzliner Kirche. Rein äußerlich wirkt er massiv, doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine hölzerne Fachwerkkonstruktion, die lediglich mit einer Ziegelwand verkleidet wurde.

2020 wird am Turm gearbeitet

Das führte im Laufe der Zeit und mit zunehmender Alterung des hölzernen Skeletts zu statischen Problemen. Seit Jahren stützen Stahlträger den Bau im Inneren. Der Turm stehe seitdem zwar stabil, betont der Pfarrer, aber Experten hätte dazu geraten, auch dieses Problem im Zuge der Kirchensanierung noch einmal anzugehen. Ein Schritt könnte nun beispielsweise die Erneuerung der besonders geschädigten Westwand des Turmes sein.

Der Kötzliner Kirchenälteste Hans-Joachim Müller ist vom Sinn all des Aufwandes überzeugt. „Das wird sehr gut – auch wenn ich mit der Farbe für die Fassade nicht ganz einverstanden bin. Aber da müssen wir eben Kompromisse mit dem Denkmalschutz eingehen.“ Trotz seiner 50 Jahre im Amt kandidiert der 85-Jährige demnächst erneut für die Wahl des Gemeindekirchenrates: „Ich will noch erleben, dass die Kirche fertig wird.“

Von Alexander Beckmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.09.2019
Zur Kirche
Ev. Kirche Kötzlin im Pressespiegel
Erster Teil der Kirchensanierung in Kötzlin ist vollendet 06.12.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Kirchensanierung in Kötzlin kurz vorm Abschluss 26.09.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung