13.09.2020  –  Lausitzer Rundschau

Kirchturmsanierung und Kulturneustart auf Gut Saathain

Aufgrund von Baumängeln wird der Turm der Fachwerkkirche in Saathain derzeit teilsaniert. Parallel dazu bereitet der Förderverein die ersten Veranstaltungen nach der kulturellen Trockenlegung wegen Corona vor.12. September 2020,

18:28 Uhr•Saathain
Von Manfred Feller

Für mehrere Wochen ist der Turm der Fachwerkkirche auf Gut Saathain eingerüstet. Er wird saniert.
Zahlreiche Gefache des Turmes der Fachwerkkirche auf Gut Saathain müssen bis hinauf zum Dach erneuert werden.
Ein freigelegtes Gefach zeigt es: Die nachträglich eingezogenen Innenwände sind zur Stabilisierung der Fachwerkkonstruktion mit dieser verbunden.
Vor der umfassenden Sanierung auf dem Gelände des Gutes Saathain sah es zum Teil verheerend aus.

Bis auf die bis zum 27. September verlängerte Fotoausstellung (jeweils am Sonntagnachmittag geöffnet) herrscht auf Gut Saathain wegen Corona seit Monaten Ruhe. Die frohe Botschaft des Fördervereins: Das reguläre Programm wird im Oktober wiederbelebt. Der einstimmig wiedergewählte Vorsitzende Joachim Pfützner kündigt „Kultur vom Feinsten“ an. Diese Qualität schätzen die Besucher seit Jahren.Bis dahin wird auf einem Teil des Gutes gebaut. Der Turm der Fachwerkkirche ist eingerüstet. Etwa die Hälfte der vor Jahrzehnten gemauerten Ausfachungen hatten nicht nur deutlich sichtbare Feuchtigkeitsschäden gezeigt, sondern standen auch nicht mehr sicher zwischen den Balken. Bevor jemandem etwas auf den Kopf fällt, wird jetzt gehandelt.Dafür sorgt René Lindner aus Prieschka mit seinem 2-Mann-Betrieb Historisches und Ökologisches Bauen.Er und sein Mitarbeiter Marcel Müller, Maurer aus Rothstein, tauschen Lochziegel durch Vollziegel aus. Dadurch könne sich weniger Feuchtigkeit im Mauerwerk sammeln. Festgestellt wurde beim Ausbau auch, dass die Handwerker einst die Balken und das Mauerwerk der Gefache mit Mauerwerksverbindern aus Metall verbunden haben. Da Holz arbeitet, habe sich dies auf das Gemauerte übertragen und es instabil werden lassen. Die Lösung: Dreiecksleisten, mittig auf dem senkrechten Holz angebracht, fixieren die Gefache, ohne dass die unterschiedlichen Materialien zu fest miteinander verbunden sind.

Mauerwerk stützt einst schiefen Turm von Saathain

Nach Kenntnis von René Lindner soll sich der Fachwerkturm zu DDR-Zeiten um 65 Zentimeter von der Achse zu einer Seite hin geneigt haben. Wohl zur Stabilisierung wurde eine 24er-Innenschale aus Kalksandstein gemauert und punktuell mit dem Gebälk verbunden.Um den seinerzeit stark sanierungsbedürftigen Fachwerkbau hatte sich der damalige Saathainer Bürgermeister Heinz Dreißig verdient gemacht. Da hatte die Kirche ihr Gotteshaus längst aufgegeben. Nach umfangreichen Arbeiten war die Fachwerkkirche als das markanteste Bauwerk des Dorfes 1990 zur 850-Jahr-Feier von Saathain eingeweiht worden.Das massive, hier und da ersetzte Holzfachwerk des Kirchturmes scheint die vergangenen Jahrzehnte gut überstanden zu haben, stellt René Lindner mit prüfendem Blick fest. Damit das so bleibt, haben er und sein Mitarbeiter die sichtbare Holzoberfläche eine Woche lang abgeschliffen. Zum Abschluss werde eine nicht ganz billige, diffusionsoffene Holz-Silikatfarbe aufgetragen. Der Hersteller verspricht eine dauerhafte Wetterschutzbeschichtung und eine lange Farbsicherheit.Während die Handwerker noch ein paar Wochen zu tun haben, laufen beim Förderverein Gut Saathain die Vorbereitungen für den kulturellen Neustart nach der Coronapause. „Wir wollen ab Oktober unsere Konzertreihe wieder aufnehmen“, kündigt Joachim Pfützner an. Das heißt: Der „folkSalon“ am 18. Oktober um 17 Uhr wird stattfinden. Ebenso das Konzert am 8. November mit der Eric-Clapton-Tribute-Band. Dafür waren bereits vor Corona viele Karten verkauft worden. Weitergehen soll es am 29. November mit dem Tino-Eisbrenner-Quartett, ein Konzert zum 1. Advent. Letzter Programmpunkt in diesem Jahr ist am 13. Dezember die Comedy-Weihnacht. 2021 startet wie die Jahre zuvor mit dem stets ausverkauften Neujahrskonzert mit Musikern der Sächsischen Staatskapelle. „Darauf freue ich mich schon jetzt“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Platz für weniger Besucher im Festsaal

Ein dicker Wermutstropfen fällt allerdings auf das Restprogramm 2020. Wegen der nach wie vor geltenden Corona-Umgangsregeln finden in dem maximal 320 Besucher fassenden Festsaal vorerst nur etwa 120 Zuhörer Platz. Dadurch sinken die notwendigen Einnahmen für die Künstler und die Betriebskosten. „Für solche Fälle haben wir Rücklagen gebildet, auf die wir nun zugreifen werden“, sagt Joachim Pfützner. Eventuell müsse auf den Eintrittspreis ein Coronazuschlag erhoben werden. „Wir hoffen weiterhin auf die Unterstützung des Landkreises und von Sponsoren“, so der Vorsitzende weiter.Er baut auch darauf, dass die Einschränkungen nicht ewig dauern und bis zum Frühjahr weiter gelockert werden – so wie es die Kassenärztliche Bundesvereinigung dieser Tage gefordert hat. Der Panikmodus könne ausgeschaltet werden, habe deren Vorsitzender geäußert. Sollte sich die Politik aufgrund der jeweiligen Lage anders entscheiden, könnte der Kulturbetrieb in Saathain erneut zum Erliegen kommen.

Das Programm in Saathain für 2021 steht

Unterdessen hat der Förderverein an seinem Programm für 2021 gearbeitet. „Es steht, die Verträge sind geschlossen“, sagt Joachim Pfützner. Einige entfallene Veranstaltungen wurden in das nächste Jahr geschoben. Ausfallforderungen von Künstlern habe es nicht gegeben.Am 9. September hatte der Förderverein sein Hygienekonzept beim Gesundheitsamt des Landkreises eingereicht. Dieses sei nicht zwingend erforderlich und deshalb auch nicht genehmigungspflichtig, wird von dort mitgeteilt. Das Gesundheitsamt berate jedoch bei Unsicherheiten und Fragen. Vielmehr müssten sich die Veranstalter an die in Brandenburg geltenden Umgangsregeln halten, wie Abstand, Hygiene und Maskenpflicht dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden könne.

Der Förderverein Gut Saathain hat gewählt

Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Gut Saathain ist gewählt worden. Der bisherige ist auch der neue Vorstand: Vorsitzender Joachim Pfützner, Stellvertreter Rainer Martersteig, Öffentlichkeit Norbert Stemler, Kasse/Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen Doreen Hoffmann sowie die Beisitzer Horst Zöller und Bettina Klärner.

Lausitzer Rundschau, 13.09.2020