19.01.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Königinnen stehen gut da zum Jahr der Orgel im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg

Pünktlich zum Themenjahr stehen Orgeln bestens da im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg. Das ist großem Engagement in vielen Orten geschuldet. Und einer besonderen Strategie der Experten. 

Kantor Winfried Kuntz haben es Orgeln angetan. Im Kirchenkreis hat er ein Sanierungsprogramm erfolgreich begleitet.

Die meisten Königinnen stehen prächtig da. Zumindest im Evangelischen Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg (EKMB). „Wir können stolz sein auf das Erreichte – besonders der vergangen vier Jahre“, sagt Winfried Kuntz. Der Bad Belziger Kantor ist ehrenamtlicher Orgel-Sachverständiger im Kirchenkreis und einer von 20 Experten in ganz Brandenburg.

Auf Landesebene hat er daher auch am Programm mitgewirkt für das Jahr der Orgel. Das ist bundesweit für 2021 ausgerufen worden vom Deutschen Musikrat für die Königin der Instrumente. „Es wird ein Orgelband geben mit einem Reigen verschiedener Veranstaltungen nach und nach im Land“, verrät Kuntz. Die Region des EKMB ist im September an der Reihe. Dann dreht sich eine Woche lang jeden Tag etwas um die Königin. 

Höhepunkte soll es geben mit geführten Orgelfahrten zu besonderen Instrumenten sowie mit Konzerten zur Einweihung jüngst sanierter Orgeln. So wie in der Niemegker Johanniskirche oder in St. Katharinenzu Brandenburg an der Havel, wo eine außergewöhnliche Orgelanlage mit verschiedenen Instrumenten entstanden ist. 

Nur noch wenige Sorgenkinder 

Im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg muss Winfried Kuntz heute zu seiner Freude nur noch wenige Orgeln ausmachen, die Sorgenkinder sind. „Von den insgesamt gut 160 Instrumenten sind die meisten nämlich bereits saniert oder zumindest in einem spielbaren Zustand“, erklärt der Experte. Das mache ihn stolz.

In der Bad Belziger Marienkirche zeigt das Orgelmuseum auch dieses sehr kleine Instrument.

In der Bad Belziger Marienkirche zeigt das Orgelmuseum auch dieses sehr kleine Instrument. Quelle: Thomas Wachs

Vor allem mit Blick auf andere Kirchenkreise und Regionen in der Nachbarschaft, „wo es durchaus noch viele Schätze gibt, die dringend gerettet werden müssten“. In der Marienkirche zu Bad Belzig hat Kuntzein Orgelmuseum etabliert. Sieben Instrumente gibt es dort sowie ein Archiv für Bauteile.

Prioritätenliste fast abgearbeitet 

In einer Prioritätenliste für den EKMB, der sich über große Teile des Landkreises Potsdam- Mittelmark und die Stadt Brandenburg an der Havel erstreckt, hatten Kuntz und seine Mitstreiter anhand einer zunächst erarbeiteten Inventarliste 43 Orgeln mit Handlungsbedarf aufgeführt. Sie konnten in den Jahren seit 2017 Stück für Stück fast alle saniert werden über ein Sonderprogramm. Lediglich fünf stehen noch unerledigt auf der Liste. 

Höhepunkte des Orgeljahres

Die Orgelwoche soll im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg hauptächlich stattfinden vom 5. bis zum 12. September 2021. Höhepunkte sind Führungen und Orgelfahrten sowie Konzerte mit hochkarätigen Organisten.

Bereits im Juni ist geplant, in der Katharinenkirche zu Brandenburg an der Havel endlich die neue Anlage mit vier Orgeln einzuweihen, die seit vorigem August auf Publikum warten muss. 

Zur Weihe ist ein Konzert geplant mit Olivier Latry aus Paris. Er ist dort einer von zwei Titular-Organisten der Kathedrale Notre Dame.

Zum Finale der Orgelwoche und zur Weihe der restaurierten Baer-Orgel in Niemegk ist am 12. September ein Konzert vorbereitet mit Professor Martin Sturm aus Weimar.

Dieses Jahr kommen noch die Instrumente in Zauchwitz und Gollwitzan die Reihe. Und in Niemegk endet nach den letzten Arbeiten aktuell nun bald eine komplette Restaurierung. Sie hat sich in Abschnitten über zwei Jahrzehnte hingezogen an der größten Orgeln des einstigen Niemegker Orgelbauers Wilhelm Baer.

Geld und Musiker stehen bereit 

„Wir haben im Kirchenkreis eine sehr gute Rückendeckung für die Sanierung von Orgeln“, sagt Kuntz. Zuschüsse stehen kontinuierlich bereit, um nach und nach vielen maroden Orgeln wieder zu einem ordentlichen Klang zu verhelfen. „Die Kirchengemeinden in den Städten und Dörfern ziehen meist auch gut mit, wenn es darum geht, die Eigenanteile für das Förderprogramm aufzubringen“, erzählt der Sachverständige. Oft werden Spendensammlungen in den Orten gestartet. „Nur ganz wenige lehnen eine Sanierung ihrer Orgeln ab“.

Im Jahr 2016 hat Winfried Kuntz (li.) sich die Locktower Orgel vorgenommen –gemeisam mit Orgelbaumeister Jörg Stegmüller aus Wilhelmshorst.

Im Jahr 2016 hat Winfried Kuntz (li.) sich die Locktower Orgel vorgenommen –gemeisam mit Orgelbaumeister Jörg Stegmüller aus Wilhelmshorst. Quelle: Thomas Wachs

Möglich wurde der Sanierungs-Marathon innerhalb kurzer Zeit auch, „weil wir in der Region noch sehr gut aufgestellt sind mit Orgelwerkstätten“, erzählt Winfried Kuntz. Gleich drei Betriebe gibt es in der näheren Umgebung. Experten arbeiten bei der Orgelbaufirma von Michael und Johannes Schuke in Werder an der Havel, der Firma von Jörg Stegmüller in Wilhelmshorst sowie in den Berliner Orgelbauwerkstätten Karl Schuke. Hinzu kommen zwei Betriebe aus dem Havelland.

Viel glücklichere Lage 

„In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es indes nur noch eine einzige Werkstatt. Da dauert alles natürlich viel länger“, erklärt Winfried Kuntz. „Wir hier sind da schon in einer viel glücklicheren Lage. Wir haben Geld für Sanierungen und mit insgesamt sieben Kirchenmusikern auch noch Menschen, die unsere Orgeln im Betrieb halten können“, erzählt der Sachverständige. Hinzu kommen private Orgelschüler, die aushelfen. 

Denn der Zustand einer Orgel stehe und falle mit ihrer Nutzung. „Die Instrumente verstummen, wenn sie nicht benutzt werden.“ Größte Feinde der historischen Orgeln seien Holzschädlinge sowie Schimmel, der oft von Kirchengebäuden auf sie übergeht. 

Manchmal erklingen auch Volkslieder 

„Alle sanierten Orgeln im Kirchenkreis haben nun Pflegeverträge“, berichtet Winfried Kuntz zufrieden. Darunter gebe es auch Paten, die sich um die Pflege kümmern „und auf der Orgel auch mal nur Volkslieder spielen statt große Kirchenmusik“, sagt der Sachverständige.

Orgeln müssen gespielt werden, um nicht zu verstummen.

Orgeln müssen gespielt werden, um nicht zu verstummen. Quelle: Thomas Wachs

Für die Sanierung kleinerer und in Dorfkirchen meist üblicher Orgelnfallen Kosten von 10.000 bis 30.000 Euro an. „Zum Glück stammen viele hier in der Region noch aus der Zeit vor 1895“, erklärt Winfried Kuntz. „Bis dahin liefen sie noch mechanisch, bevor die pneumatischen Orgeln in Mode kamen, die aber viel anspruchsvoller sind auch in der Sanierung“, erklärt der Experte.

Er hofft nun darauf, dass die Corona-Pandemie bald ein Ende hat, damit das Jahr der Orgel zwischen Fläming und Havel angemessen gefeiert werden kann mit den bereits geplanten Veranstaltungen und hochkarätigen Gästen. 

Von Thomas Wachs

Märkische Allgemeine Zeitung, 19.01.2021
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