30.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kolpiener Feldsteinkirche erfuhr diverse Umbauten

Die Feldsteinkirche in Kolpien stammt aus dem 13. Jahrhundert, wurde allerdings im Laufe der Zeit immer mal wieder umgebaut. Ergänzt wurde vor allem der Turm.

Kolpien ist einen Steinwurf von Schöna entfernt. Jahrhunderte lang waren es zwei Dörfer, in jedem eine Kirche. 1974 erfolgte der Zusammenschluss zur Gemeinde Schöna-Kolpien, die nun zwei Kirchen hat. Ursprünglich waren sie sicher fast gleich alt; Schöna 1346 erstmals erwähnt, Kolpien 1376. Doch die Kolpiener Feldsteinkirche ist aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die in Schöna brannte 1777 ab.

Verändert wurde auch Kolpiens Kirche. Wann die schönen Fußbodenfliesen reinkamen, wurde nicht festgehalten. Der Backsteinturm im Westen mit dem hohen oktogonalen Aufsatz wurde um 1870 erbaut und ähnelt dem von Dubro. Die Turmuhr in Kolpienmuss alle zwei bis drei Tage aufgezogen werden. „Das macht Günter Köllner, die elektrische in Schöna betreut Volkmar Paschke“, sagt Evelin Müller vom Gemeindekirchenrat. Sie ist hier getauft, konfirmiert und getraut worden und nach Schöna gezogen, so ist sie mit beiden Gotteshäusern eng verbunden.

Blitzeinschlag im Turm 

Ein Blitzschlag schädigte am 23. Mai 1918 besonders den Turm. Er erhielt eine Notbedachung. Eine Glocke war im Juni 1917 zum Einschmelzen abgegeben worden, alle Kirchen hatten die entsprechende Abgabe-Verordnung vom 24. Juni 1915 erhalten. Die Versicherung zahlte für den Turm-Schaden und genehmigte für den Wiederaufbau weiteres Geld. Das verfiel jedoch in der Inflation. Es dauerte, bis die Finanzierung stand. Sogar Gemeindemitglieder gaben der Kirche ein Darlehen. Erst 1932 war der Turm wieder schick. Verwitterte Ziegelsteine wurden ersetzt, andere gereinigt, die Spitze mit Kupferblech gedeckt.

Und auch heute gibt es Handlungsbedarf: Der Zahn der Zeit hat an der 1903 eingebauten Rühlmann-Orgel genagt, die Orgelbaumeister Schuke 1939 überholt hatte, ehe die Reparatur von 1953 folgte. Jetzt könnte die nächste Kur folgen. Zuvor ist allerdings die Innenausstattung dran. Die hölzernen Emporen im Westen und Norden wurden um 1800 eingebaut. „Die Bemalung stammt aus Kaisers Zeiten“, sagt Pfarrer Ingolf Walther. Die Kanzel ist aus dem späten 17. Jahrhundert, darauf zu sehen sind drei Evangelisten und Jesus. Zur Kanzel gehört der Pastoratsstuhl, am Oberteil mit reich gesägten Füllungen stilisierter Pflanzen. Noch älter ist ein kleines Kruzifix. Im „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ heißt es: „wohl spätes 14. Jahrhundert“. Es bekrönt den Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert und „dürfte ein Überbleibsel der vorreformatorischen Ausstattung sein. „In unserer Gegend erfolgte der Übergang zur lutherischen Konfession eher allmählich, ohne radikalen Bildersturm“, so Marcus Cante vom Landesdenkmalamt.

Kirchenbücher gingen im Dreißigjährigen Krieg verloren

Die Kirchenbücher und andere Akten aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg kamen 1637 abhanden. Der Kirche ist in dieser Zeit aber nichts passiert. Die Pest wütete 1637 nicht so wie 1626. In beiden Dörfern starben 50 Einwohner. Die Schweden nahmen 1642 einen vergoldeten Kelch, einen Hostienteller und ein Messgewand mit. Aus den Visitationsprotokollen ist ein wenig über die Zeit davor bekannt. So predigte der erste evangelische Pfarrer Georg Buchholzer jeden dritten Sonntag in Kolpien; die Regel blieb Jahrzehnte so. 1529 gab er zu Protokoll, die Leute hätten sein Gehölz verwüstet. Im Gottesdienst bewarfen die Knechte die Mädchen mit Nussschalen während der Predigt, und 1533 stritt er mit dem Kirchenpatron Matthias Löser. Auch seine Nachfolger hatten es schwer. Seit 1587 hatten sie zwar ein neues Pfarrhaus in Schöna, aber viel Verdruss. 1608 klagte Martin Zasewitz, dass die Bauern die Beichte am Samstag nicht akzeptierten. Er müsse lange warten, bis einer vom Acker käme.

Aufmerksamkeit erregte 1787 der Tod von Gutsherr von Milkau, der am 12. September 1787 in Heilbronn starb. Sein Herz wurde einbalsamiert und in silberner Herzform nach Lebusa gebracht, um es im Erbbegräbnis beizusetzen. Der Patron hatte nach dem Brand 1777 die Kirche in Schöna wiederaufbauen lassen. Zur Leichenprozession kamen Gäste aus Schöna, Körba, Kolpien, Knippelsdorf und aus Wiepersdorfbei Schönewalde. 14 Tage lang erklang täglich Trauergeläut in ihren Kirchen, die Orgeln blieben still.

Fenster wurden im 18. Jahrhundert vergrößert

Im 18. Jahrhundert waren viele Fenster der Kolpiener Kirche vergrößert worden. Von der Dreifenstergruppe im Osten blieb nur das mittlere Lanzettfenster in ursprünglicher Größe erhalten. Das im Süden zugemauerte Spitzbogenportal ist gut zu sehen. Über die Rundmarken im Eisenstein des Schiffs gibt es viele Theorien und Sagen, sie reichen vom Hineinblasen von Krankheiten bis zum Reiben von Munitionskugeln.

Überlieferte Geschichten

Überliefert sind weitere Geschichten: Der Pfarrer beklagte 1858, dass der Böttchermeister im einstigen Kolpiener Armenhaus nicht zum Gottesdienst komme. Kolpiens Armenkasse war schon 1844 aufgelöst worden, in Schöna erst später. 300 Mark hatte Pfarrer Schlemmer 1876 nach seinem Tod hinterlassen. Von den Zinsen sollten Bibeln und Gesangbücher für die armen Kinder beider Gemeinden gekauft werden. Die Schlemmersche Bibelstiftung vermochte es nicht, dem Gottesdienst fernbleibende Kinder zurückzuholen und das „Singunwesen“ einzudämmen. Eine Volksbibliothek wurde angelegt, die 1892 unter Pfarrer Nickel 74 Bücher hatte. 

Dabei hatten sich Pfarrer und Schönas Lehrer gut ans Dorfleben angepasst. 1898 hatten sie gemeinsam 100 Bienenstöcke. 1903 wurde festgestellt, dass die Tochterkirche Kolpien reicher sei als die Mutterkirche in Schöna. Kolpiens Kirche besaß sogar Schmiedegeräte, für deren Benutzung zu zahlen war.

Kürzlich saniert

Bei der Visitation der Kreiskirchenräte 1966 wurde auch in KolpiensKirche gepredigt. Wind und Wetter setzten dem Gotteshaus im Laufe der Zeit allerdings zu. Kleine Risse wurden langsam größer. Saniert wurde erst von 2008 bis Mai 2012, wobei das Dach gedeckt und das vom Pilz geschädigte Holz unter den Bänken beseitigt wurde. Beim Ausbau wurde Kopfsteinpflaster freigelegt. 2015 folgte die Turmsanierung, 2017 wurden die Fenster erneuert. Die 1950 heruntergefallene Wetterfahne ist ersetzt worden und schmückt den Turm seit fünf Jahren wieder.

Von Gertraud Behrendt

Märkische Allgemeine Zeitung, 30.03.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Kolpien im Pressespiegel
Kolpiener Feldsteinkirche erfuhr diverse Umbauten 30.03.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung