17.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kreative Lösung: In Brück läuft der Gottesdienst jetzt telefonisch

Die Brücker Kirchengemeinde setzt angesichts von Einschränkungen auf technische Alternativen für Gottesdienste. Ungekannte Herausforderungen aktuell auch für Beisetzungen in der Fläming-Region.

Brück/Bad Belzig

Die angesichts der Corona-Pandemie verhängten Veranstaltungsverbote stellen auch die Kirchengemeinden der Fläming-Region aktuell vor besondere Herausforderungen. Gottesdienste und sonstige Zusammenkünfte der Gemeinden sind abgesagt.

Jedoch schon vor dem offiziellen Erlass der Landesregierung Brandenburgs vom Montag zur weiteren Einschränkung des öffentlichen Lebens, hatte die Brücker Kirchengemeinde für sich eine kreative Alternative getestet. Sie soll nun noch ausgefeilt werden.

Erstmals war am Sonntag ein Gottesdienst per Telefonkonferenz abgehalten worden. „Die Resonanz war gut“, sagt Brücks Pfarrer Helmut Kautz der MAZ. Zugeschaltet über eine zentrale Nummer eines Service-Anbieters hatten sich circa 30 Gläubige. „Darunter waren sogar Menschen auch aus anderen Regionen, wie eine Frau aus Cottbus und von der Kirchenzeitung in Berlin“, berichtet der Geistliche.

Von Bad Belzig aus hielt Tobias Mundil die Andacht, Andreas Schmidtbegleitete musikalisch am Keyboard ebenfalls von Bad Belzig aus und Helmut Kautz moderierte von Brück aus den Ablauf des ungewöhnlichen Gottesdienstes. „Es war schräg, aber hausgemacht“, erklärt Kautz zur Premiere des nun regelmäßig geplanten Telefon-Gottesdienstes.

So funktioniert die Brücker Telko

Das Seuchengebet wird täglich um 19 Uhr aus der Lambertuskirche in Brück übertragen zur Telefon-Konferenz. 

Zur Teilnahme wählen sich Interessenten zum Zeitpunkt über die Telefonnummer 0211/4911111 in das Telefonkonferenz-System der Deutschen Telefonkonferenz ein. 

Nach Aufforderung müssen sie die Konferenznummer 12646# und danach die Konferenz-PIN 96251 eingeben.

„Aus unserer Sicht ist die Telefon-Konferenz trotz der räumlichen Distanz eine doch noch sehr aktive Möglichkeit für alle, den Gottesdienst zu feiern“, sagt Pfarrer Kautz. Bei den andernorts praktizierten Video-Live-Übertragungen via Internet oder beim Fernsehgottesdienst „ist es indes nicht möglich, sich einzumischen und mitzureden“, sagt der Theologe.

Jeden Abend Seuchengebet

Täglich um 19 Uhr bietet die Brücker Gemeinde aktuell zudem ein Seuchengebet an. Es findet mit Unterstützung von Almut Kautz in der Brücker Lambertuskirche statt und lädt ebenfalls zur Teilnahme per Telefon-Konferenz ein.

Almut und Helmut Kautz bieten von Brück aus Gottesdienste und Seuchengebete zur Telefonkonferenz an.Quelle: Bernd Atzenroth

Doch die Premiere für den Gottesdienst per Telefon-Schaltung hatte durchaus auch Tücken offenbart. „Wir haben gemerkt, dass es nicht so günstig ist, wenn Teilnehmer der Telko in der Küche an der rauschenden Dunstabzugshaube zuhören oder im Hintergrund ein Kleinkind schreit, was alle dann hören“, erzählt Helmut Kautz von den ersten Erfahrungen der technischen Alternative. Darum soll künftig eine Schaltung genutzt werden, „bei der die Mikrofone der Zuhörer zunächst stumm geschaltet und erst zum anschließenden Gesprächsaustausch wieder geöffnet werden können“, erklärt Kautz.

Raum für Stille und Gebet

Ungewohnt ist die aktuelle Situation auch für die Geistlichen und Gläubigen im Raum Bad Belzig. „In der aktuellen Lage musste auch unsere Kirchengemeinde Einschnitte beschließen“, sagt Christiane Moldenhauer, die Pfarrerin der Gemeinde St. Marien Hoher Fläming in Bad Belzig.

Christiane Moldenhauer, Pfarrerin in Bad Belzig, ist für die Menschen weiter ansprechbar, auch wenn zur Corona-Vorsorge derzeit auch kirchliche Veranstaltungen eingeschränkt sind. Quelle: Josephine Mühln

„Wir stehen aber weiterhin jedem zur Verfügung“, so Moldenhauer. Sie ermuntert dazu, per Telefon unter 033841/455888 oder E-Mail Kontakt aufzunehmen zum Gemeindebüro.

Impulse über das Internet

Der jeweils aktuelle Sachstand werde kurzfristig stets auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht. Dort will die Gemeinde auch ihre Angebote ausbauen, „um geistliche Impulse zu setzen und den Gläubigen zu ermöglichen, angesichts der für alle besonderen Situation mit der Kirche in Kontakt bleiben zu können“, so Moldenhauer. Auch wenn Veranstaltungen bis auf Weiteres ausgesetzt sind, sollen die Gotteshäuser in Bad Belzig und Umgebung täglich offen bleiben, „um Raum zur Stille und zum persönlichen Gebet zu bieten“, sagt die Theologin.

Das müssen Sie zum Coronavirus wissen

Darüber hinaus stehen Pfarrerin und Pfarrer „selbstverständlich zur persönlichen seelsorglichen Begleitung und für weitere Anliegen bereit, insbesondere bei Trauerfällen und in akuten Krisen“, versichert Christiane Moldenhauer. Dies gelte für alle Menschen, auch wenn sie nicht zur Kirche gehören.

Probleme bei Trauung und Beisetzungen

Eine bislang ungekannte Herausforderung ist die Situation aktuell auch für besondere familiäre Ereignisse wie Trauungen und Beisetzungen. Auch diese dürfen laut allgemeiner Verfügung derzeit nur im engsten familiären Rahmen stattfinden. „Dennoch begleiten wir die Menschen natürlich weiter seelsorgerisch“, erklärte die Pfarrerin. „Wir werden versuchen, alles so würdig wie möglich zu gestalten“, so Christiane Moldenhauer.

Die Bad Belziger Pfarrerin denkt daher bereits darüber nach, so sich die Lage in einer gewissen Zeit entspannt, Trauerfeiern womöglich noch einmal in größerem Rahmen zu wiederholen. „Das könnte im familiären Rahmen oder auch zentral geschehen“, sagt die Pfarrerin. „Letztlich sind aber auch wir als Kirche von Tag zu Tag neu daran gebunden, was jeweils möglich ist“, so Moldenhauer. „Veranstaltungen und größere Treffen abzusagen ist sicher sinnvoll im Moment, alles andere müssen wir situativ immer wieder neu und kreativ entscheiden“, sagt die Theologin.

Von Thomas Wachs

Märkische Allgemeine Zeitung, 17.03.2020
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