08.07.2020  –  Lausitzer Rundschau

Laurentiusglocke geht nach 500 Jahren auf Reise

Die Kirchengemeinde Lauta Dorf startet das nächste Großprojekt. Der Glockenturm muss saniert werden. Bevor das jedoch passiert, gehen die beiden Glocken auf große Reise. Eine der beiden verlässt den Ort nach 500 Jahren zum ersten Mal.

08. Juli 2020, 12:33 Uhr•Lauta Dorf
Von Sascha Klein

Lauta Dorf: Sanierung des Glockenturms beginnt
In Lauta Dorf hat am Dienstag, 7.7.20, die Sanierung des Glockenturms begonnen. Die Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren aus Luckau hat die beiden Glocken abmontiert und heruntergelassen.
In Lauta Dorf hat am Dienstag, 7.7.20, die Sanierung des Glockenturms begonnen. Die Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren aus Luckau hat die beiden Glocken abmontiert und heruntergelassen.
In Lauta Dorf hat am Dienstag, 7.7.20, die Sanierung des Glockenturms begonnen. Die Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren aus Luckau hat die beiden Glocken abmontiert und heruntergelassen.

Die Laurentiusglocke ist für Lauta Dorf und für die ganze Stadt Lauta etwas Besonderes: Seit 1512 erklingt sie im heutigen Lauta Dorf. Generationen haben sie vor Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und beim letzten Geleit gehört. Das Glockengeläut gehört zum Dorf wie Morgenrot und Sonnenuntergang. Seit 1934 ist die Laurentiusglocke erst Gemeinde- und später Stadtwappen Lautas. Jetzt geht die Glocke, gemeinsam mit der zweiten in Lauta Dorf, auf Reisen. Damit ist die Laurentiusglocke vermutlich zum ersten Mal seit dem 16. Jahrhundert außerhalb der Ortsgrenzen.

Lautas Bronzeglocken müssen aufgearbeitet werden

Es ist ein besonderer Auftrag für Thomas Walter und Nico Schlönert. Die beiden Fachleute von der Firma „Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren“ aus Luckau haben nicht viel Platz im engen Glockenturm von Lauta Dorf. Aus den Etagen sind bereits Bohlen herausgenommen. Der Blick auf die Glocken ist frei. Es dauert etwa eine Stunde, bis die erste Bronzeglocke, sie stammt aus dem Jahr 1501, am Haken hängt. Per Seilzugsystem wird sie Zentimeter für Zentimeter heruntergelassen – bis sie schließlich auf dem Boden des Glockenturms aufsetzt. Es ist ein besonderer Tag für Lauta Dorf und seine kleine Kirchengemeinde.

Sanierung in Lauta Dorf kostet etwa 140 000 Euro

Sigrid Roeser steht in der Laurentiuskirche und blättert in ihren Unterlagen. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates (GKR) organisiert dieses nächste Großprojekt. Rund 140 000 Euro kostet die Sanierung von Glockenturm und Glocken. „Die beiden Glocken werden in die Niederlande gebracht und dort umgearbeitet“, sagt sie. In Deutschland hat sich keine Firma für die Aufgabe gefunden. 1967/68 waren die Glocken an Stahljochen im Glockenturm befestigt worden. Jetzt sollen sie wieder an Holzjochen hängen – wie es jahrhundertelang üblich war. Zudem müssen die Bronzeglocken überarbeitet und sandgestrahlt werden.

„Wir hoffen, dass keine weiteren Schäden gefunden werden“, sagt Sigrid Roeser. Denn: Das Geld ist endlich. Denkmalschutz, Landeskirche, der alte Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg und viele private Spender machen es erst möglich, dass diese Sanierung beginnen kann. Die Kirchengemeinde hat 30 000 Euro an Eigenmitteln in das Projekt gesteckt, weitere 20 000 Euro sind noch offen. „Wir sind seit Monaten dabei, dieses Geld über Spenden einzuwerben“, sagt die GKR-Vorsitzende. Einige Tausend Euro fehlen noch.

Auch der Glockenturm in Lauta Dorf ist sanierungsbedürftig

Auch am Glockenturm selbst nagt der Zahn der Zeit. Die Schalung ist einige Jahrzehnte alt und muss dringend ausgetauscht werden. Überall zieht die Feuchtigkeit in den Glockenturm. Einige tragende Balken müssen ersetzt werden. Auch der Sockel ist durch die Nässe in Mitleidenschaft gezogen. Das Grundgerüst des Turmes stammt aus dem 17. Jahrhundert. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) waren Kirche und Glockenturm abgebrannt. Ab 1652 wurden sie nach und nach wieder aufgebaut.

Doch jetzt geht es erst einmal um die Glocken. Auch Pfarrer Norbert Krüger, der seit 1989 nebenan im Pfarrhaus lebt, hat die Glocken noch nie abgenommen erlebt. Die Gemeinde muss in den kommenden Monaten zunächst ohne Glockengeläut auskommen – und damit ohne den Heiligen Laurentius. Zuletzt war die größere der beiden Glocken im Jahr 1967 nach Apolda gebracht worden, um sie mit Stahljochen zu versehen. Die Laurentiusglocke ist im Glockenturm selbst umgebaut worden. Wegen einer 90-Grad-Drehung war das Bild des Laurentius der zweiten Glocke zugeneigt.

Hoffnung auf den Heiligen Abend

Wann die beiden Glocken aus den Niederlanden zurückkommen, ist noch ungewiss. „Wir planen die Sanierung des Glockenturms im September, Oktober und November 2020“, sagt GKR-Vorsitzende Sigrid Roeser. Wenn diese Arbeiten vor dem Abschluss stehen, kommen die Glocken zurück nach Hause. Die Hoffnung: An einem ganz bestimmten Tag sollen sie wieder erklingen und die Familien in Lauta Dorf zusammenführen – am Heiligen Abend.

Lausitzer Rundschau, 08.07.2020
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