28.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Letzter Schliff nach Sanierungsmarathon in der Dorfkirche Bardenitz

Die besondere Dorfkirche zu Bardenitz erstrahlt nach mehr als zehn Jahren Arbeit nun in neuem Glanz. Viele Details sind bei der Komplettsanierung Stück für Stück herausgeputzt worden.

Letzte Arbeiten laufen jetzt in der Bardenitzer Kirche: Restauratorin Annett Xenia Schulz verschönert auch noch die Orgel-Empore. Quelle: Thomas Wachs

Auf den Kirchenbänken und der Orgelempore liegt leichter Staub. Auch der Steinfußboden muss noch gereinigt werden. Gerüste, Farben, Scheinwerfer und Handwerkszeug zeugen von Arbeitsdrang. Leichte Malerfolien verhüllen Altar und Kanzel.

Letzte Arbeiten laufen jetzt vor Abschuss der über zehn Jahre erfolgten Komplettsanierung der Kirche zu Bardenitz.
Quelle: Thomas Wachs

Darunter verbergen sich schon viele frisch herausgeputzte Schätze der langen Bardenitzer Kirchengeschichte. Stück für Stück haben Restauratoren ihnen zu neuer Schönheit verholfen.

Nach insgesamt gut zwölf Jahren, in denen immer wieder in neuen Etappen an dem ursprünglich um 1250 errichteten Gotteshaus gearbeitet wurde, steht die damit nun geschaffte Komplettsanierungder Bardenitzer Kirche kurz vor dem Abschluss.

Pfarrer kennt Kirche nur im Bau

Seit zehn Jahren ist Pfarrer Bernhard Hoppe für die Gemeinde zuständig. „Als ich herkam, lief die Sanierung schon“, erinnert sich der Theologe an den Marathon. „Damals wurden gerade die Gutachten erstellt, die Grundlage für die nun erfolgte Restaurierung des Innenraums waren“, erzählt der Geistliche.

Letzte Arbeiten laufen zur mehr als zehn Jahre erfolgten Komplettsanierung der Kirche zu Bardenitz. Das freut Roswitha Briese, Pfarrer Bernhard Hoppe, Wolfgang Seehaus und Andreas Bruns (v. l. n. r.) vom Gemeindekirchenrat.Quelle: Thomas Wachs

Seit November vorigen Jahres läuft der dritte und letzte große Bauabschnitt. Insgesamt drei Teams von Restauratoren sowie Malerfirmen verhalfen der Kirche nun auch noch im Inneren zu einem an die historischen Vorlagen angelehnten, schmucken Aussehen. Wandbemalungen wurden hervorgehoben, Altar und Empore sind saniert. Die Kirchenbänke sind von Malern mühevoll im Detail aufgearbeitet worden. Und sie verfügen nun erstmals auch über eine Bankheizung.

Zeugnisse aller Epochen

Viele Epochen sind zu erkennen in dem Gotteshaus. Das ist in den Jahrhunderten immer wieder mit Umbauten teilweise auch stark verändert worden. „Bei den Arbeiten am Fußboden im jetzigen Sanierungsabschnitt sind Archäologen auf Überreste eines Vorgängerbaus gestoßen“, erzählt Bernhard Hoppe. „Damit ist klar, dass es schon vor dem Mittelalter hier einen Kirchenstandort gegeben hat, was spannend ist“, sagt der Geistliche.

„Der Bau zeigt nun im sanierten Innenraum Zeugnisse aller Epochen vom frühesten Mittelalter bis heute“, erklärt Restauratorin Annett Xenia Schulz. Sie ist dieser Tage noch damit befasst, Ausmalungen an der Orgelempore herzurichten. Zudem waren Petra und Udo Drott aus Bad Belzig sowie Annette Sturm aus Berlin tätig bei der Restaurierung vieler Details.

In der Kirche zu Bardenitz kommen viele Details neu zur Geltung. Quelle: Thomas Wachs

„Die Wandmalereien stammen aus dem Mittelalter, Altar und Kanzel aus dem Barock und die Empore mit der Orgel von 1907“, erzählt Expertin Xenia Schulz. Im Turmraum am Eingang findet sich zudem ein Gemälde, das ein ehemaliger Pfarrer um 1960 hinterlassen habe.

„Und nun dürfen auch wir uns in Abstimmung mit der Denkmalpflege sogar selbst noch etwas verewigen als Gemeindekirchenrat, indem wir noch neue Sprüche zur Ergänzung der Malereien an der Orgelemporeauswählen dürfen“, sagt Roswitha Briese stolz. Sie begleitet die Sanierung der Kirche in ihrem Heimatdorf mit dem Kirchenrat bereits seit Anfang an.

Seitliche Ränge herausgerissen

An der Empore waren um 1961 die seitlichen Ränge herausgerissen worden. Unschöne Spanplatten verdeckten seither die Schandflecken. Nun werden sie angepasst an die Optik der historischen Empore.

Bis zum 6. Oktober soll alles fertig sein. Dann nämlich erwartetet Pfarrer Bernhard Hoppe Gäste zum Gottesdienst, die noch eine Spende zum Abschluss der Sanierung übergeben wollen.

Besonderheiten der Kirche zu Bardenitz sind ihr Bau komplett aus Backstein und diverse Umbauten in den Jahrhunderten seit 1250. Quelle: Thomas Wachs

Zuvor freilich steht ab dem 3. September noch eine Begasung des gesamten Innenraumes der Kirche an. Holzschädling sollen so aus Inventar, Einbauten und Möbeln vertrieben werden. „Zuvor können auch Privatleute aus dem Ort noch Holzstücke anliefern, die sie mit in die Kirche stellen möchten zur Begasung“, erklärt Roswitha Briese. Die Nachbarn aus Klausdorf haben sich bereits angemeldet. Sie möchten die Bänke ihrer bereits sanierten Kirche der Schädlingsbekämpfung unterziehen.

In den dritten und letzten großen Bauabschnitt in Bardenitz flossen jetzt noch einmal rund 300.000 Euro aus verschiedenen Quellen.

Verschiedene Geldgeber

Finanziert wurde der dritte und letzte Abschnitt zur Sanierung der Dorfkirche Bardenitz aus verschiedene Quellen und Förderprogrammen.

Die größte Summe der Gesamtkosten von knapp 300.000 Euro floss mit gut 196.400 Euro über das Leader-Programm.

Der Kirchenkreis Niederer Fläming steuerte 40.000 Euro bei und die Landeskirche 25.000 Euro.

Die Kirchengemeinde, die rund 275 Glieder zählt in Bardenitz – mit allein 183 Gläubigen – sowie in Klausdorf und Pechüle, brachte 12.000 Euro Eigenanteil auf.

Zudem flossen 25.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).

Die große Sanierung der komplett aus rotem Backstein errichteten und nicht nur damit für die Fläming-Region besonderen Kirche begann bereits im Jahr 2007. Seinerzeit hatten Handwerker den Turm in Angriff genommen. Rund 110.000 Euro waren dafür veranschlagt worden. Später folgten die Hüllensanierung für Dach und Fassade des Kirchenschiffes. Diese Arbeiten erforderten gut 188.000 Euro. In die Trockenlegung des historischen Mauerwerks, das zu DDR-Zeiten mit einem problematischen Teer-Anstrich versehen worden war, flossen weitere gut 23.000 Euro.

Weit zu sehen ist der wuchtige Turm der Kirche zu Bardenitz. Quelle: Thomas Wachs

Der Kirchengemeinde war es gelungen, das gesamte Vorhaben zur Kirchensanierung in den so genannten Staatskirchenvertrag aufnehmen zu lassen. Somit trägt das Land Brandenburg 50 Prozent der Kosten, 20 Prozent übernimmt die Landeskirche. Die restlichen 30 Prozent teilen sich der Kirchenkreis Niederer Fläming und die Kirchengemeinde.

Von Thomas Wachs

Märkische Allgemeine Zeitung, 28.08.2019
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