25.02.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Lietzow – Da, wo die drei Glocken schweigen

In unserer Serie „MAZ unterm Kirchendach“ stellen wir die evangelische Kirche in Lietzow vor. Ihre drei Glocken müssen aus Sicherheitsgründen schweigen. Denn der Glockenturm ist marode. Aber es gibt Planungen, 2022 den Turm zu sanieren. Dann dürfen auch wieder die drei Stahlglocken läuten.

Eigentlich haben früher immer die drei Glocken von der evangelischen Kirche in Lietzow geläutet. Dann war es nur noch eine. Seit Sommer 2020 schweigt auch die – aus Sicherheitsgründen. „In dem maroden Kirchenturm herrscht Einsturzgefahr“, sagt Superintendent Thomas Tutzschke (56), der das Pfarramt der Kirchengemeinde Havelluch innehat. Lietzow gehört dazu. Doch wie es aussieht, gehen seine Gebete, die alte Kirche betreffend, vielleicht 2022 in Erfüllung. „Wir haben berechtigte Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr in das Förderprogramm des Staat-Kirchen-Vertrages aufgenommen werden. Parallel können wir dann sowohl die Kirchenschiff- und Dachsanierung auf der Südseite als auch den Glockenstuhl im Turm sanieren“, sagt Superintendent Tutzschke.

Von der Empore hat man einen schönen Blick auf den Altar.

Von der Empore hat man einen schönen Blick auf den Altar. Quelle: Jeannette Hix

Seit 1991 ist er hier im Amt. Aufgewachsen in Barnewitz , absolvierte er sein Vikariat in Berge. Danach war er Pfarrer in Lietzow und Berge. Ribbeck und Königshorst kamen später dazu. „Na und 1996 haben wir in Lietzow losgelegt mit dem Bauen“, sagt Thomas Tutzschke. 

Los ging es mit einer Notreparatur des Kirchturmes. „Die Fugen der gelben Klinker waren so porös, dass darin neben Wurzelwerk auch eine Birke wuchs.“ Folge: Die Fugen im Turm wurden erneuert. Auch auf der Ostseite der Kirche Richtung Nauen wurden einige Klinkersteine getauscht – alles zum Teil finanziert mit Fördermitteln aus Förderprogrammen wie „Dach und Fach“.

Tulpen schmücken den Altar.

Tulpen schmücken den Altar. Quelle: Jeannette Hix

Gebaut wurde die Dorfkirche Lietzow von 1863 bis 1865. Und zwar zum dritten Mal! Der erste Bau ist bereits 1451 urkundlich erwähnt. Doch diese Kirche brannte 1791 ab und wurde 1791 durch einen spätbarocken Kirchenbau ersetzt, der wohl einem Feuerteufel zum Opfer fiel. Am 11. Juni 1859 war das Feuer ausgebrochen und die Kirche entstand neu. 1891 wurde ihr Turmhelm erneuert. „Da wurde es gut hundert Jahre später höchste Zeit, den Turm wenigstens mal notzusanieren“, sagt der Superintendent. Doch dabei kam raus: Auch in den Dachbalken ist der Wurm drin. So musste zunächst 2005 der Ostgiebel saniert werden. 2009 war der 2. Bauabschnitt am Turm angesagt. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Angebot für die Instandsetzung der alten Turmuhr eingeholt. Ein Jahr später zeigte sie wieder die Zeit an und wurde sogar auch elektrisch aufgezogen. 

2013/2014 konnte dann auch das Dach auf der Nordseite saniert werden, die zum Friedhof zeigt. Jetzt hinkt die zur B5 zeigende Süd-Seite samt maroden Glockenturm-Gebälk hinterher. Obwohl bis zur erhofften Sanierung 2022 die Kirchenglocken wohl noch weiter schweigen müssen, ist hoffentlich schon bald wieder neues Leben in der Kirche zu spüren. 

Die Orgel kam 2005 von der St. Nikolaikirche in Potsdam nach Lietzow.

Die Orgel kam 2005 von der St. Nikolaikirche in Potsdam nach Lietzow. Quelle: Jeannette Hix

Es soll anknüpfen an die lebendige Zeit vor Corona, als viele tolle Veranstaltungen hier starteten wie das Herbst- oder das Frühlingsfest. Oder als die Luchtwichtel der Lietzower Kita „LieLu“ in bunten Kostümen das Theaterstück „Peter und der Wolf“aufgeführten. „Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen in unserer Kirche sind auch immer ein sehr feierlicher Anlass“, sagt der Superintendent, der selbst am 14. Juni 1997 geheiratet hat. Allerdings nebenan in der Kirche von Berge – in dem Ort, in dem er wohnt. 

Viele Lietzower erinnern sich vielleicht noch, als Pfarrerssohn Max mit drei Jahren in die Orgeltasten haute – in die Orgel, die 2005 von der St. Nikolaikirche in Potsdam nach Lietzow kam. Dass Max musikalisch ist, fand sein Papa durch Zufall heraus. „Als ich Weihnachten die Kirchen vor den Gottesdiensten abfuhr, saß Max oben an der Orgel und spielte ,Morgen kommt der Weihnachtsmann’. Am Ende spielte er sogar noch einen Akkord. Da wussten wir, dass Max ein musikalisches Talent hat.“ Jetzt studiert er Kirchenmusik. 

Wann die Lietzower Orgel wieder zu Gottesdiensten erklingen wird, ist noch unklar. „Wir warten ab, ob es bald Lockerungen gibt“, sagt der Superindentdent. Eines weiß er schon jetzt genau. „Ostern starten wir hier was. Was genau, sehen wir dann, wenn es so weit ist.“

Von Jeannette Hix

Märkische Allgemeine Zeitung, 25.02.2021
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Lietzow – Da, wo die drei Glocken schweigen 25.02.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung