13.09.2019  –  Märkische Oderzeitung

Lobbes-Orgel in Lühnsdorf ist eine Besonderheit

Orgelbauer Jörg Stegmüller im Orgelgehäuse.© Foto: Bärbel Kraemer
Die Mechanik hinter dem Spieltisch wird repariert.© Foto: Bärbel Kraemer

„Ich hatte schon viele Lobbes-Orgeln unter den Fingern. Diese hatte ich als solche nicht auf den ersten Blick erkannt“, sagt Orgelbauer Jörg Stegmüller, der aktuell die Lühnsdorfer Kirchenorgel saniert.

Dieser Tage war er damit beschäftigt, das historische Instrument auseinanderzubauen. Was vor Ort repariert werden kann, wird in Lühnsdorf erledigt. Alles übrige in der Wilhelmshorster Werkstatt des Orgelbauers. Während er im Orgelgehäuse hantiert, ist etwas Zeit für ein Gespräch. Stegmüller deutet auf die Mechanik zwischen Tasten und Pfeifen, die nach seiner Einschätzung „nicht nach Lobbes aussieht“.

„Ich glaube, dass es eine seiner letzten Orgeln war und vermute, dass er nicht mehr alles allein gemacht und einiges dazugekauft hat“, sagt Stegmüller. Einen Beweis für diese These fand er in der Windlade, wo ein Hinweis auf einen Zulieferer aus Leipzig entdeckt wurde. Zeit-, Alters- oder auch Kostengründe könnten der Grund dafür gewesen sein, dass Lobbes nicht mehr jedes einzelne Teil mehr von Hand selbst fertigte.

Bad Belzigs Kantor Winfried Kuntz, der die hiesige Orgellandschaft wie seine Westentasche kennt, bestätigt: „Die Lühnsdorfer Orgel ist die letzte, die der Niemegker Orgelbauer Lobbes baute.“

Und noch etwas ist spannend. Das 1898 gefertigte Instrument entsprach dem Zeitgeschmack. Sie war modern und klang auch so – obwohl Meister Lobbes nach Meinung von Stegmüller sonst eher konservativ baute. „Er hat nicht experimentiert“, sagt der Fachmann aus Wilhelmshorst.

Ob Lobbes aus diesen Gründen im Innern des Orgelgehäuses auch auf die sonst gewohnte Signatur verzichtete, bleibt ein Geheimnis. Genau wie die Frage, was ihn bewogen hat, seinen Arbeitsstil zu ändern. Sollte er in den letzten Jahren seines Berufslebens doch noch auf den Trend der Moderne aufgesprungen sein? Wie auch immer. Lühnsdorfs Ortschronist Fritz Moritz hatte jedenfalls schon Wochen zuvor Beweise zur Hand, die die Lühnsdorfer Orgel als ein Werk des Niemegker Orgelbaumeisters Lobbes auswiesen.

„Er hat mir den Kostenvoranschlag gezeigt. Die Orgel wurde später genau so gebaut“, erinnert sich Stegmüller. Letzterer bezifferte sich auf 1.367 Mark und ist auf den 13. März 1898 datiert.

Als im September des Jahres 1898 die damals gerade neu erbaute Dorfkirche geweiht wurde, war das Instrument bereits fertig und erklang zum ersten Mal. Es könnten damit auch Zeitgründe gewesen sein, die den alten Meister bewogen hatten, seinen Arbeitsstil zu ändern. Ihrem Schöpfer wurde damals jedenfalls für die Ausführung, die gelungene Klangharmonie und für die Handhabung der Register große Anerkennung gezollt.

120 Jahre danach erfährt das Instrument jetzt die erste grundlegende Restaurierung. 16.500 Euro sind dafür erforderlich. „Nur eine Großreparatur kann den Zustand wieder herstellen, der notwendig ist für die bestimmungsgemäße Funktion, Königin der Tasteninstrumente zu sein, um so den Gottesdienst musikalisch zu begleiten“, so Fritz Moritz kürzlich. Im Rahmen der Sanierung werden unter anderem die Prospektpfeifen ausgetauscht, Reparaturen am Spieltisch, restauratorische Arbeiten am Orgelkorpus und eine grundlegende Reinigung des Instruments erledigt. Dazu muss jede einzelne der in der Orgel stehenden 251 Pfeifen ausgebaut werden. Rund 90 sind aus Holz. Der Niemegker Orgelbaumeister Lobbes hatte dafür Kiefern- und für die im Flötenregister stehenden kleinen Pfeifen Birnbaumholz verwendet. „Birne lässt sich leicht und detailliert bearbeiten“, erklärt Jörg Stegmüller den Holzmix im Instrument, der sich bis in die Pedaltasten fortsetzt. Die sind wiederum aus Eichen- und Buchenholz gebaut. „Lobbes wollte sie vermutlich nur farblich absetzen“, so Experte Stegmüller weiter.

Ist die Orgel soweit wie nötig abgebaut, werden zugleich die Schäden an den Wandmalereien an der Rückwand der Kirche ausgebessert. In fünf bis sechs Wochen sollen alle Arbeiten beendet sein.

Märkische Oderzeitung, 13.09.2019
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