02.12.2020  –  Märkische Oderzeitung

Maria-Magdalenen-Kirche zu Eberswalde bleibt nach Großbrand noch bis Mitte 2021 Baustelle

Am 2. Dezember ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass in der Maria-Madgalenen-Kirche in Eberswalde ein Feuer ausgebrochen ist. Das Gotteshaus wird noch immer saniert.

02. Dezember 2020, 05:30 Uhr•Eberswalde
Von Sven Klamann

Restauratorin Annette Winker in der Maria-Magdalenen-Kirche, Foto: Micha Winkler

Der Barnimer Kreisstadt steht schon das zweite Weihnachtsfest bevor, an dem in ihrem ältesten und größten Gotteshaus keine Christvespern und Feiertagsgottesdienste gehalten werden können. Im vorigen Jahr hatte die evangelische Stadkirchengemeinde dafür noch in die Johanniskirche umziehen können. Unter Corona-Bedingungen ist Pfarrer Hanns-Peter Giering diesmal gezwungen, ins Freie auszuweichen. „Wir streben an, zu Heiligabend zwei Christvespern auf dem Marktplatz auszurichten“, sagt er.

Eberswalde feiert zwei Christvespern unter freiem Himmel

Wie viele Besucher ab 16 und ab 17.15 Uhr die Gottesdienst unter freiem Himmel miteinander feiern dürfen, hänge von den dann geltenden Auflagen ab. Auf jeden Fall werde die Zahl begrenzt sein, weswegen es im Gemeindezentrum an der Kirchstraße kostenlose Eintrittskarten für die Christvesper gebe, teilt Hanns-Peter Giering mit.

Derzeit gehe die Stadtkirchengemeinde davon aus, dass die Maria-Magdalenen-Kirche frühestens ab Mitte kommenden Jahres wieder für Veranstaltungen genutzt werden kann. „Allerdings ist auch dann noch nicht alles wieder im Lot“, warnt der Pfarrer vor zu großen Erwartungen.

Arbeiten im Gotteshaus gehen über den Wiederaufbau hinaus

Seit Juni sind im brandgeschädigten Gotteshaus im großem Umfang Restaurierungsarbeiten im Gange. Bis dahin war der komplette Innenraum vom Ruß befreit worden, was zum Beispiel beim Altar und bei vielen Kunstschätzen bereits unter denkmalpflegerischer und restauratorischer Begleitung erfolgte. Derzeit nehmen sich der Restaurator Tom Zimmermann und seine Kollegen aus Potsdam vor allem der Fresken und Wandgemälde an, während sich seine Kollegin Annette Sturm und ihre Kollegen aus Berlin insbesondere um den Altar, die Andachtsfiguren und die Brüstung der Emporen kümmert.  Die 41 Bleiglasfenster der Maria-Magdalenen-Kirche sind bereits von der Glasermeisterin Andrea Wilde aus Tangerhütte gesäubert und repariert worden. [Link auf https://www.moz.de/lokales/eberswalde/maria-magdalenen-kirche-fensterputz-im-brandgeschaedigten-groessten-gotteshaus-von-eberswalde-53334674.html] Um die 1736 Pfeifen der Ernst-Marx-Orgel im Gotteshaus kümmert sich schon seit April die Eberswalder Orgelbauwerkstatt.

Desolate Elektroanlage der Kirche wird erneuert

Dass die Kirchenfenster instandgesetzt wurden, ist nur zum Teil den Folgen des Feuers zuzuschreiben. Die Kirchengemeinde hatte sich dazu entschieden, über die eigentliche Brandsanierung hinaus Vorhaben in Angriff zu nehmen, die sonst irgendwann später ohnehin fällig geworden wären. Dazu gehört die Aufgabe, die Elektroanlage im Gotteshaus zu erneuern. „Dieser Auftrag befindet sich gerade im Vergabeverfahren“, sagt Hanns-Peter Giering. Zudem würden, weil die Gerüste bereits stehen, die Risse im Gemäuer geschlossen. Überdies sei eine neue Schließanlage in Planung, die im Notfall einen leichteren Zugang zur Kirche ermöglichen soll. „Für all diese Arbeiten, die nicht unmittelbar mit der Beseitigung der Schäden durch das Feuer zu tun haben, kalkulieren wir mit Kosten von 403.000 Euro“, betont der Pfarrer.

Genaue Höhe der Sanierungskosten ungewiss

Die ursächliche Brandsanierung bleibt der weit größere Brocken. „Da belaufen sich unsere Schätzungen aktuell auf 1,5 Millionen Euro“, sagt Hanns-Peter Giering. Es sei jedoch noch nicht absehbar, ob am Ende 1,3 oder zwei Millionen Euro bezahlt werden müssen. Für diese Kosten komme in enger Absprache mit dem Denkmalschutz die Versicherung auf. Der darüber hinausgehende Part müsse mit Spenden und Zuschüssen finanziert werden. Erst im Oktober hatten Eberswaldes Stadtverordnete entschieden, diese Arbeiten mit 50.000 Euro zu unterstützen. Das Angebot dazu hatten sie bereits im Dezember vorigen Jahres unterbreitet.Das Feuer in der Maria-Magdalenen-Kirche war in den Morgenstunden des 2. Dezembers 2019 entdeckt worden. Vermutlich hat ein Deckenfluter, der sich zu nah an einem Balken befand, den Schwelbrand ausgelöst.  Brandherd war die Südempore.

Baugeschichte der Maria-Magdalenen-Kirche im Zeitraffer

Die Maria-Magdalenen-Kirche ist eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte Pfeilerbasilika des ausgehenden 13. Jahrhunderts mit einschiffigem Ostchor und Westturm mit Vorhalle. Nach dem Stadtbrand von 1499 gab es 1503 grundlegende Änderungen – ebenso 1726. 1542 wurde in der Kirche der erste evangelische Gottesdienst gefeiert. 1632 wurde im Gotteshaus der gefallene Schwedenkönig Gustav II. Adolf aufgebahrt. 1876 kam es zu einer weiteren umfassenden Erneuerung, bei der der basilikale Charakter wiederhergestellt wurde. Aus dieser Zeit stammen der Chor mit hohen gotischen Fenstern mit Maßwerk, Friese am Sims, gotische Blendgiebel an den Kapellen und vor den Seitenschiffen und der gotisierende Turmabschluss.

Zum bemerkenswerten Inventar gehören die Bronzetaufe aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Schnitzaltar von 1606 und die erste Orgel von 1783.

Märkische Oderzeitung, 02.12.2020
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