10.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Mit Gottesdienst in Gadow der Freien Heide gedacht

Wegen Corona ohne Gesang, aber dafür wieder mit Orgelspiel ist am Donnerstag der Freien Heide gedacht worden. In der Gadower Kirche sorgten 99 Luftballons für ausreichend Abstand im Gestühl.

Christian Gilde spielte die Orgel.
Quelle: Christian Bark
Die Bilder des Malers Wolfgang Dicks wurden bestaunt.
Quelle: Christian Bark
Auf der Empore befindet sich eine Ausstellung zur Freien Heide.
Quelle: Christian Bark
Pfarrerin Christiane Schulz leitete den Gottesdienst.
Quelle: Christian Bark

Der 9. Juli 2009 wird allen Befürwortern und Kämpfern der „Freien Heide“ wohl ein Leben lang im Gedächtnis bleiben. Damals hatte die Bundeswehr auf ihren Truppenübungsplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide verzichtet. Dem voran war ein jahrelanger Streit und Protest über das sogenannte „Bombodrom“ gegangen.

„Wir haben an dem Tag spontan ein Freudenfest in Fretzdorf gefeiert“, erinnerte sich Christian Gilde. Er war damals Landrat von Ostprignitz-Ruppinund neben Pfarrer Benedikt Schirge so etwas wie die politische „Galionsfigur“ für die Freie Heide.

Am Donnerstag spielte Christian Gilde die Orgel in der Gadower Kirche. Bei einem Gottesdienst gedachten die Anwesenden am Donnerstagabend der Ereignisse, die nun elf Jahre zurückliegen.

Geleitet wurde dieser von Pfarrerin Christiane Schulz aus Neuruppin. „Das Singen ist in der Kirche leider noch nicht erlaubt. Deshalb bitte ich Sie, die Liedtexte mitzulesen oder mitzusummen“, sagte sie mit Blick auf die aktuellen Corona-Auflagen. Christian Gilde spielte die Melodien dazu.

Für den nötigen Abstand hatte der Förderverein der Gadower Dorfkirche auf besonders bunte und kreative Weise gesorgt. „Wir haben 99 Luftballons aufgepumpt und im Gestühl verteilt“, sagte die Vereinsvorsitzende Renate Schüler. Die Zahl war bewusst als Anspielung an den gleichnamigen Song von Nena gewählt worden, um auf die Notwendigkeit des Friedens hinzuweisen. 

„Konflikte können in aller Regel nicht mit Gewalt gelöst werden“, sagte Christiane Schulz. Aber auch heute noch gebe es viel zu viele Kriege und Elend auf der Welt. Die Freie-Heide-Bewegung sei zugleich auch immer ein Schnittpunkt für die Friedensbewegung gewesen.

Daran sollte am Donnerstag unter anderem erinnert werden. „Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung“, zitierte die Pfarrerin den jüdischen Gelehrten Baal Schem Tov. Erinnerung kann befreien, aber auch Empfindliches aufwühlen.

Damit könne Erinnerung zu einer Zumutung werden, die ganz und gar nicht nach Erlösung schmecke. Denn Erinnerung bedeute oft auch Verantwortung.

Kleines Museum in der Kirche

Dass die Erinnerung an die Freie Heide aufrecht erhalten bleibt, ist laut Christiane Schulz auch dem Verein Friedensscheune sowie den Gadowern zu verdanken. In der Kirche dokumentiert eine kleine Ausstellung die Bürgerbewegung

2002 hatte in der damals noch äußerst baufälligen Gadower Kirche der erste Freie-Heide-Gottesdienst stattgefunden. Daran erinnerte Christian Dörendahl, Gemeindekirchenratsvorsitzender der Kirchgemeinde Dosse-Brausebach. Heute sei die Kirche in einem wesentlich besseren Zustand. Für die Sanierung weiterer Fenster ließ er die Kollekte am Eingang aufstellen.

Zudem soll die Kirche ein Schieferdach erhalten und die Fassade saniert werden. „Vielleicht bekommen wir noch eine zweite Glocke“, sagte Renate Schüler. 

Von Christian Bark

Märkische Allgemeine Zeitung, 10.07.2020
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