12.11.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Mit Riewend ist die letzte Kirche rund um den Beetzsee gerettet

Lünow, Bagow, Gortz und Butzow: Nach der Wende gab es einige Kirchen rund um den Beetzsee, für die es scheinbar keine Rettung mehr gab. Es kam anders. So auch für das Gotteshaus in Riewend.

Der Beschluss fiel einstimmig: Mit 3000 Euro finanziert die Gemeinde Päwesin eine elektrische Heizung für die Kirche im Ortsteil Riewend. „Auch wir als Kommune haben eine Verantwortung für unsere ortsbildprägenden und geschichtsträchtigen Gebäude. Die Menschen, die sich für deren Erhalt einsetzen, haben unsere Unterstützung verdient“, sagte Bürgermeister Hubertus Kühne. Die Gemeinde reagierte mit dem Zuschuss auf einen Antrag des Heimatvereins Riewendsee, der als Projektsteuerer für die Restaurierung des Gebäudes fungiert.

Im Kirchenraum, der wieder eine Decke hat, finden gerade die Malerarbeiten statt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Inzwischen ist die Rettung der letzten unsanierten Kirche rund um den Beetzsee fast vollendet. Das hat Gertraud Kaufmann, Vorsitzende des Heimatvereins Riewendsee, auf der jüngsten Sitzung der Päwesiner Gemeindevertreter angekündigt. So ist die fehlende Decke zwischen Dach und Kirchenraum wieder hergestellt. Die Außenfassade hat einen frischen Anstrich erhalten. Am Dachstuhl fanden Zimmererarbeiten statt. Außerdem gab es eine Neueindeckung mit vorhandenen und gebrauchten Ziegeln. Rund 150 000 Euro sind bisher für Bauleistungen eingesammelt worden. Der Löwenanteil kommt aus dem Fördertopf der EU für die ländliche Entwicklung. Geld kam auch vom Kirchenkreis, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und privaten Spendern.

So sah der Innenraum der Riewender Kirche vor der Sanierung aus. Die Decke zum Dach fehlte.

So sah der Innenraum der Riewender Kirche vor der Sanierung aus. Die Decke zum Dach fehlte. Quelle: privat

Seit Montag sind Maler der Nauener Firma Knauft mit der Ausmalung im Innenbereich beschäftigt. Außerdem werden die Türen gestrichen. Rund 50 000 Euro werden noch gebraucht, doch der Heimatverein kann bereits an die Zeit nach der Sanierung denken. So werden mit dem Geld der Kommune mehrere elektrische Heizkörper installiert. „Statt feste Kirchenbänke einzubauen, suchen wir noch Stühle“, so Vereinsvorsitzende Kaufmann. Gemeinsames Ziel mit der Kirchengemeinde Päwesin als Bauherr ist es, das Gotteshaus möglichst bald wieder für kirchliche Zwecke nutzen zu können. Zum Beispiel für die ökumenischen Gottesdienst, zu denen in den Vorjahren der Pfarrsprengel die katholische Lebensgemeinschaft Fazenda da Esperanca in Riewend und die Buddhistische Klosterschule in Päwesineinluden. Außerdem soll Riewend eines Tages wieder zu den Kirchen gehören, in denen der Pfarrsprengel Päwesin nach dem Rotationsprinzip Gottesdienste feiert. Auch als Ort für kulturelle Veranstaltungen ist die Kirche vorgesehen.

Die vier Bleiglasfenster in der Riewender Kirche wurden nach der Wende eingebaut. Stifter war der gebürtige Riewender Manfred Priemke, der auch als Retter der Bagower Kirche bekannt ist.

Die vier Bleiglasfenster in der Riewender Kirche wurden nach der Wende eingebaut. Stifter war der gebürtige Riewender Manfred Priemke, der auch als Retter der Bagower Kirche bekannt ist. Quelle: Frank Bürstenbinder

Über die Vergangenheit der Riewender Dorfkirche ist nicht viel bekannt. Sie dürfte einmal ein Fachwerkbau mit einem Reetdach gewesen sein. Soweit bekannt, wurde der Kirchensaal 1844 in die heutige Form gebracht. Der Turm stammt von 1718 und trägt zwei Glocken. Sicherungs- und Sanierungsarbeiten gab es sowohl zu DDR-Zeiten als auch gleich nach der Wende. Dennoch traten im Laufe der Jahrzehnte unübersehbare Schäden im barocken Dachstuhl und im Mauerwerk auf. Weil sich der Zustand der Dorfkirche weiter verschlechterte, spannte sich der Heimatverein Riewendsee vor die Sanierung. Der HeimatvereinRiewendsee hat ein Spendenkonto mit der IBAN DE 09 1605 0000 1000 85

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine Zeitung, 12.11.2020
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