09.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Neue Ausstellung in Dorfkirche Bölzke: Politikerinnen im Porträt

Gerhild Grolitsch stellt Politikerinnen-Porträts (hier ein Bildausschnitt) in der Kirche Bölzke aus. Quelle: Susanne Gloger

Seit einigen Jahren porträtiert die Künstlerin Gerhild GrolitschPolitikerinnen – doch bereits lange zuvor hatte sie die schleichenden und doch so geschichtsträchtigen Veränderungen im politischen Alltag bemerkt. 

„Immer mehr Frauen behaupten sich in der Politik, werden Kanzlerin oder Ministerinnen, Leiterinnen von internationalen Institutionen, Vorsitzende von Parteien. Auffallend ist dabei in Deutschland die Zahl der Frauen aus und im Osten der Republik“, sagt Gerhild Grolitsch. 

In der Vergangenheit hatten es Künstlerinnen nicht leicht

Frauen mögen ihre neue Präsenz als nur angemessen ansehen, während Männer sich nach wie vor schwertun, ihre Privilegien abzugeben. Nicht wenige gar finden die neue Situation bedrohlich – schließlich lag über Jahrhunderte jegliches Geschehen zumeist in ihren Händen. Sie waren es, die für ihre Leistungen geehrt wurden, dafür in die Geschichte eingingen, in ihrer Machtfülle porträtiert wurden. Jeder kennt die Auftragsbilder, die Reihen von honorigen Professoren, Ärzten, Regierungsmitgliedern darstellen. 

Gerhild Grolitsch stellt nicht zum ersten mal in Bölzke aus – hier sieht man sie bei einer Ausstellung ihrer Wasserbilder. Quelle: Susanne Gloger

Frauen blieben bestenfalls Beiwerk, ihnen fiel nur begrenzte Aufmerksamkeit zu. Im Porträt wurde sie meist als Gattin eines höher gestellten Herren verewigt oder dienten nur durch ihre Schönheit dem Künstler als Muse. 

In der Vergangenheit war es für eine Künstlerin nicht leicht, überhaupt künstlerisch tätig zu sein, eine Ausbildung und Aufträge zu erhalten – ihre Arbeit wurde nicht entsprechend gewürdigt. Heute hingegen scheint die Situation völlig anders zu sein, es gibt viele, sehr viele Künstlerinnen. Aber auch sie werden oft immer noch nicht entsprechend ihrer Arbeit beachtet, ihre Werke werden niedriger gehandelt als die der männlichen Kollegen. Jedoch sind sie da, gehen selbstbewusst ihren eigenen Weg. 

Bilder von Politikerinnen – immer frontal, alle im gleichen Format

In der Bölzker Dorfkirche hängen Bilder von Frauen, ausschließlich Politikerinnen – immer frontal, alle im gleichen Format. Sie gehören keiner bestimmten Partei an, sie werden nicht auf einen Sockel gehoben. „Die Porträts kommentieren eher ironisch die Geschichte“, sagt Gerhild Grolitsch, „oder sie zeigen eine Herangehensweise, die das reine Abbild bagatellisiert und einem vermeintlichen Hintergrund nachspürt.“ Heute ist das gemalte Porträt nicht mehr ausschließlich reine Abbildung, das übernimmt die Fotografie. 

Arbeiten in Schwarz-Weiß werden ebenfalls gezeigt. Quelle: Susanne Gloger

In dieser Sammlung vermitteln die Porträts – ob von „Ost- oder Westfrauen“ – ein: „Wir sind da“ und vor Allem ein: „Wir waren immer da“, denn „Wir sind die Hälfte der Menschheit“. 

Die Gemälde und Zeichnungen werden in den nächsten zwei Monaten in der Dorfkirche von Bölzke zu sehen sein. Der Förderverein zum Erhalt der Bölzker Kirche e. V. freut sich auf eine spannende Vernissageam Donnerstag, den 15. August um 17 Uhr.

Auch ein Bild aus der Schau (Ausschnitt). Quelle: Susanne Gloger
Märkische Allgemeine Zeitung, 09.08.2019
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