06.09.2019  –  Märkische Oderzeitung

Neuer Blickfang vor der Dorfkirche in Ribbeck

Vor der Kirche in Ribbeck: Künstlerin Juliane E. Gansen, die die Birnen-Skulpur schuf, hier zu sehen mit Landrat Roger Lewandowski (li.) und Thomas Tutzschke, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Nauen-Rathenow.© Foto: privat

Nicht nur Kreuz und Altar: Mit der Kirche in Ribbeck dürften Besucher fortan an auch eine große Birne in Verbindung bringen. Diese steht nun vor dem Gotteshaus.

Es handelt sich um eine Keramikskulptur, entworfen und gefertigt von der Künstlerin Juliane E. Gansen, die in Schönwalde-Glien lebt. Die Birne sei mit einer speziellen Gold-Messing-Glasur gebrannt worden und soll dadurch eine ganz besondere Strahlkraft entwickeln, wie es seitens der Kulturstiftung des Landkreises Havelland heißt. Ihr Stiftungsratsvorsitzender, Landrat Roger Lewandowski (CDU), hat am Donnerstag die „Birne von Ribbeck“  der Evangelischen Kirchengemeinde Havelluch zur Verfügung gestellt, die das Gotteshaus betreibt und sich nun über das Kunstwerk freuen kann, das auf einem von der Falkenseer Schlosserei Ziesecke angefertigten Sockel steht.  Das erfolgte im Rahmen des Stiftungsprojekts „Kunst im öffentlichen Raum“.

Die Skulptur könnte zu einem besonderen Fotomotiv für Besucher werden, die im Dorf dem freigiebigen Wesen des alten Herrn von Ribbeck auf Ribbeck nachspüren. Berühmt wurde er durch jene Ballade, die Theodor Fontane 1889 veröffentlichte. Der Dichter verarbeitete dafür sehr wahrscheinlich eine damals im Umlauf befindliche Sage. Laut dieser soll Hans Georg von Ribbeck (1689-1759) aus Versehen mit einer Birne bestattet worden sein. Die Frucht trieb aus, ein Baum wuchs. Das hatte schon 13 Jahre vor Fontanes Ballade Auguste Hertha von Witzleben (eine geborene von Ribbeck) in einem Gedicht beschrieben.

Birne, Ribbeck und Havelland sollen eine gedankliche Einheit bilden. So stellt sich das der Landkreis vor, der sich 2009 der Frucht werbewirksam zuwandte. Nach Sanierung des Schlosses, das sich in Kreisbesitz befindet, wurde das Marketing der Reiseregion Havelland auf die Birne zugeschnitten. Das Schloss ist seither auch Sitz des Tourismusverbands Havelland. Inzwischen gibt es dort sogar ein Fontane-Museum. Es wurde am 1. Mai des laufenden Jubiläumsjahrs „Fontane.200“ eröffnet. Der Dichter hatte vor 200 Jahren das Licht der Welt erblickt.

Hinter dem Schloss befindet sich der Deutsche Birnengarten: Die jeweiligen Ministerpräsidenten der Bundesländer pflanzten ab 2008 nach und nach jeweils einen Baum. Der berühmteste Birnbaum des Dorfs, nahe der Kirche über der Gruft der Familie von Ribbeck, hatte 1911 einem Sturm nicht standgehalten. „In den siebziger Jahren ist zu DDR-Zeiten ein Birnbaum nachgepflanzt worden. Da der Baum jedoch den erwünschten Ertrag nicht brachte, wurde ein neuer Baum im April 2000 gepflanzt“, wie es online auf vonribbeck.de heißt. Das ist die Webseite der Nachfahren des freigiebigen Herren. Ihnen gehört die Alte Brennerei, zu finden in der Straße Am Birnbaum  25. Die heutigen von Ribbecks, Friedrich-Carl und Ute, stellen in Ribbeck Balsam-Essige aus Birnen her.

Märkische Oderzeitung, 06.09.2019
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Dorfkirche Ribbeck bei Nauen im Pressespiegel
Neuer Blickfang vor der Dorfkirche in Ribbeck 06.09.2019 · Märkische Oderzeitung