30.03.2020  –  Märkische Oderzeitung

Neues Leben im alten Tornower Pfarrhaus

Anne Lauschus in ihrem riesigen Pfarrgarten: Die Seelsorgerin ist seit Mitte Februar im Dienst und Ansprechpartner für rund 700 Gemeindeglieder im ländlichen Raum.© Foto: Martin Risken

 30.03.2020, 18:35 UhrTornow (MOZ) Mit ihren Gemeindegliedern in Zeiten der Pandemie in Verbindung zu bleiben,  ist für  die neue Pfarrerin im Pfarrsprengel Zehdenick, Anne Lauschus, nicht gerade einfach. Mit Aushängen in den Schaukästen, vielen Telefonaten, Briefen und Andachtstexten lässt sie ihre Gemeinden miteinander verbunden bleiben. „Nur E-Mail funktioniert  nur bedingt, weil längst nicht jeder einen Internetzugang hat“, weiß die evangelische Pfarrerin aus den Gesprächen. Ihr Verantwortungsbereich ist sehr ländlich geprägt: Zwischen Qualzow bei Fürstenberg im Norden bis Klein-Mutz im Süden betreut die aus einer Pfarrersfamilie in der Prignitz stammende Anne Lauschus eine Vielzahl von Kirchengemeinden.

„Viele Dörfer und  alle mit besonderem Profil, das ist die Herausforderung“, sagt sie. Mitte Februar hatte sie ihren Dienst im Pfarrsprengel Zehdenick II angetreten und ist damit die Nachfolgerin  von Günther Schobert. Ihre Einführung sollte als fröhliches Sprengelfest mit vielen Gästen und Vertretern des öffentlichen Lebens in Badingen gefeiert werden. Kirche und „Festes Haus“ stehen nahe beieinander. Viel Platz für Begegnungen in vielfacher Hinsicht, so die Begründung für die Wahl zwischen vielen anderen guten Möglichkeiten im Sprengel. Nun lassen die gegenwärtigen Umstände solch ein Fest in großer Runde nicht zu. Rechtzeitig wird ein Ersatztermin bekannt gegeben.

Als Dienstsitz war für ihre Stelle  das Pfarrhaus in Tornow festgelegt worden, das in baulich wesentlich besserem Zustand war, als der bisherige Wohnsitz von Günther Schobert. Was aus dem Pfarrhaus in Mildenberg werden wird, sei indes noch nicht geklärt. Darüber zu entscheiden wird eine Aufgabe des noch zu wählenden Gemeindekirchenrates sein. Als Wahltermin ist der 14.Juni festgelegt. Bis dahin führt ein Bevollmächtigtenausschuss die Geschäfte der Gemeinden Mildenberg-Ribbeck und Badingen.  Ebenso verantworten auch die Ältesten der beiden Gemeindekirchenräte des ehemaligen Sprengels Tornow-Marienthal mit Zabelsdorf sowie die Ältesten in Klein-Mutz  die Arbeit in ihren Kirchengemeinden.

Mit den Ehrenamtlichen und den beiden in Teilzeit Mitarbeitenden ist die Fülle von Erfahrungen und Kenntnis der Lage präsent. Mit ihnen und den Menschen vor Ort im Gespräch zu sein und das Leben der Kirchengemeinden zu gestalten, darauf ist Anne Lauschus sehr gespannt. Welche Gottesdienstformate werden sich entwickeln? Welche Themen kommen auf den Tisch? Welche Altersgruppen finden zusammen? Wird sich ein Team für einen Gemeindeboten finden? Um damit anzufangen, stellt sie sich eine Gemeindeversammlung vor, wenn sich alles geordnet und seinen Platz gefunden hat.

Stolz auf Gotteshäuser

Ein Reichtum im Sprengel sind die Gotteshäuser. Die Gemeindeglieder sind stolz auf ihre Kirchen. Und da gibt es einige größere Baustellen. Nach der 2019 zu Ende gegangenen Turmsanierung in Zabelsdorf soll die Sanierung des Kirchenschiffes schon bald folgen. „Der Gemeindekirchenrat ist da ganz dicht dran“, bewundert die Pfarrerin  das große Engagement vor Ort. Ein langer Atem wird auch bei der Sanierung der Kirche in Klein-Mutz vonnöten sein. Neben Gottesdiensten und Konzerten stehen die Türen für Besucher offen, gern auch zu Kaffee und Kuchen.  Im Schiff ist eine Wand gerissen. Deshalb läuft eine Spendenaktion und öffentliche Mittel sind beantragt. „Es wäre ein Erfolg, wenn die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen könnten“, sagt Anne Lauschus.  Auch andere Kirchengemeinden haben Sanierungspläne.  Mildenberg sammelt für das Kirchendach und  Blumenow für neue Fenster.

Dass Kirchbauzeit auch Gemeindeaufbauzeit sein kann, das hat Anne Lauschus in ihrer ersten Pfarrstelle als Dorf- und Kreisjugendpfarrerin bei Strausberg erlebt. Nach 17 Jahren war die Kirche mit allem Inventar fertig saniert. Ein guter Abschluss. Es folgte eine dichte und intensive Zeit am Stadtrand von Berlin in den Gemeinden Mahlow und Glasow. Kindergärten und Schule, viele junge Familien, aber auch sechs Pflegeheime bestimmten das Arbeits- und Gemeindeleben für viele Jahre.

Nun beginnt die Zeit zwischen Qualzow und Klein-Mutz. Und wieder gibt es die Kindergärten, die Schule, die jungen Familien und die, deren Kindheit lange vorbei ist. „Ich freue mich auf das Leben, das da auf mich und meinen Mann zukommt“,  sagt Lauschus beim Blick auf das Pfarrhaus.

SPRENGEL ÜBER STADTGRENZEN HINWEG

Fünf Kirchengemeinden mit zusammen knapp 700 Gemeindegliedern gehören zum noch jungen Pfarrsprengel Zehdenick II, den Anne Lauschus von Tornow aus betreut. In dem Fürstenberger Ortsteil bezog sie mit ihrem Mann das alte Pfarrhaus, das nach dem Auszug von Pfarrer Christian Albroscheit einige Zeit leer stand.

Zum Pfarrsprengel gehören in den Städten Fürstenberg und Zehdenick die Kirchengemeinden Badingen, Marienthal-Tornow, Klein-Mutz, Zabelsdorf und Mildenberg-Ribbeck mit vielen, meist sehr kleinen Orten.

Bevor Anne Lauschus nach Tornow kam, hatte sie zwei Pfarrstellen inne. Nach dem Theologiestudium trat sie 1988 ihre erste Pfarrstelle bei Strausberg an, wo sie auf eine sehr engagierte Gemeinde traf. Ganz neue Erfahrungen sammelte sie ab 2005 am Berliner Stadtrand in den Gemeinden Glasow und Mahlow, bevor sie sich 2019 um die freiwerdende Stelle in Zehdenick bewarb.⇥ris

Märkische Oderzeitung, 30.03.2020
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